Nürnberger Zeitung        30. Juli 2009        Kultur

Der dichtende Literaturflüsterer

Peter Horst Neumann ist tot

Der Lyriker und Literaturhistoriker Peter Horst Neumann ist im Alter von 73 Jahren in seiner Wahlheimat Nürnberg gestorben.

1936 im oberschlesischen Neiße geboren, hatte Neumann in Göttingen über Jean Paul promoviert und lehrte von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2001 an der Uni Erlangen-Nürnberg Neuere Deutsche Literaturgeschichte. 2002 wurde er als Dichter in die Bayerische Akademie der Schönen Künste berufen. Vielen seiner Studenten wird der Professor mit der sanften Stimme in Erinnerung bleiben, wie er Pfeife schmauchend durch Erlangen schlenderte. Unvergessen auch seine Faust-Vorlesungen, bei denen er kommentierend Goethe durchleuchtete und dessen Verse als wahrer Literaturflüsterer zum Leben erweckte.

Dieses Jahr erst erschien sein Auswahlband «Der Heckenspringer» (Rimbaud) mit Gedichten wie «Frühes Photo der Eltern»:

Da bin ich
noch nicht dabei,
da waren sie erst verlobt,
da hätten sie’s noch
verhindern können.

Wie gern bin ich da.

 

 

 

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