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WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung 14. Juli 2008 Ein Gleichnis der Welt Der Bilderzyklus «Harmonia mundi» von Heinz-Albert Heindrichs in den Räumen des Augustinus-Hauses. Neue Lyrik- und Noten-Editionen des Autors und Musikers. von HJL Jedes Bild ist kribbelig, unruhig, wuschelig, strichlinienaktiv; zugleich aber auch stark meditierend, poetisch, farbtief und voller magischer Rätsel. Heutige Hieroglyphen, Fragen und auch Antworten in der bildnerisch-grafischen Sprache: der Zyklus «Harmonia mundi» – die Harmonie der Welt. Zu sehen sind die 24 großformatigen Werke im Saal und in den Foyers des Augustinus-Hauses an der Ahstraße. Dort hängen sie als Schenkung des Künstlers seit gut zehn Jahren. Heinz-Albert Heindrichs zeigt in ihnen einen abstrahierten Kosmos in der Nähe von musikalischen «No-tationen». Kein Wunder, dass bildende Kunst und Musikkomposition eng miteinander verzahnt sind – denn der Gelsenkirchener arbeitet gleichrangig in beiden Gebieten. Er ist Musiker, Zeichner – und auch Lyriker. Über die letztgenannte Sparte wird noch zu berichten sein. «Harmonia mundi» – Mythos für Ebenmaß, Ordnung, Übereinstimmung, ästhetische Eintracht beim Kunterbunt unserer heutigen Völker- und Kulturenwelt; so fremd wie nah, so exotisch wie sympthisch, so aufgeschlossen wie verschlossen. Harmonia mundi – ein Begriff aus der Geschichte, auf das Heute bezogen. Heindrichs benutzt für diese für sein Werk beispielhafte Bildserie einen technischen Begriff, der vieles von der Schichtarbeit erklärt: Palimpsest – das waren in der Antike bereits beschriebene, dann abgeschabte und wieder neu mit Sc hrift gefüllte Pergamentpapiere. Ebenso geht er vor: Er legt Ebene auf Ebene, dicht in verschiedenen Farben und in Punkt-Strich-Struktur komponiert, um sie anschließend wieder abzutragen. Der Künstler greift in das Vorhandene ein. Neues entsteht, Kreideschichten werden durchdrungen, freigelegt, die Farbigkeit ändert sich, Bewegtheit und Dichte der Strukturen werden jeweils neu belebt und abgerufen. Der Zeichner: «Eine Mischung aus pulsierenden Zeichen und statischer Fläche: Ordnungsmodelle.» Die rhythmisch gehängten Bilder, entstanden im Zusammenhang mit dem Märchenkongress «Die Märchen und die Künste» in Tönen wie Orange, Blau, Violett, Braun, Blau usw. geben den Räumen Atmosphäre, Wärme, Klima – durch die Kunst, durch die Reflektion, durch den Dialog mit dem Raum, mit der rechtwinkligen Architektur des Hauses. Demnächst wird Heindrichs sich als Lyriker zu Wort melden: Der renommierte Rimbaud-Verlag will im Laufe der nächsten Jahre alle 1200 Gedichte des Gelsenkirchener Autors veröffentlichen. Jährlich sind drei Bände von insgesamt 12 geplant. Die Heindrichs-Zyklen «Vor der Stille», «Nonnensense» oder «Das Honigklavier» u.a. werden in die Edition aufgenommen. Die Publikationen erscheinen jeweils zur Frankfurter und/oder Leipziger Buchmesse. Die erste Ausgabe kommt im Herbst ’08 heraus. Heindrichs, 78: «Dadurch wird ein anderes Licht auf mein Leben und mein Wirken geworfen. Der Lyriker, der meist hinter anderen Genres zutrat, rückt ins Interesse. Darüber freue ich mich insofern, als ich immer im Laufe meines Lebens geschrieben habe – bis zum heutigen Tag.» Und noch eine schöne Nachricht aus dem Hause Heindrichs: Die Musik-Edition Dohr veröffentlicht in Serie neue Kompositionen des Gelsenkircheners, der jetzt noch ein Jubiläum feiern kann – er schreibt inzwischen seit 40 Jahren für Zeitungen und Fachblätter Musikbesprechungen.
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