Lyrik-Neuerscheinungen

Autor:

Whitman, Walt , Schablewski, Frank ,

Liebesgedichte. Love Poems

englisch / deutsch
Ausgewählt und übertragen von Frank Schablewski
Vorwort von Johannes Urzidil
Nachwort von Walter Grünzweig
128 S., gebunden, Fadenheftung
3. Aufl. 2021

ISBN 978-3-89086-491-4

In der großen Sinnlichkeit und geradezu überbordenden Körperlichkeit, die von Whitmans Gedichten ausgehen, können Parallelen zu den eigenen Gedichten des Übersetzers Frank Schablewski gesehen werden. Von daher sind die ausgewählten Liebesgedichte Ausdruck einer ganz persönlichen Sammlung. Ein Vorwort von Johannes Urzidil und ein Nachwort von Jürgen Brôcan begleiten diese Ausgabe und geben bedeutende Einblicke in die Zeit und das Wirken von Walt Whitman.                  

Autor:

Drozdowski, Georg

LTB 114 - Der Kranz auf das Grab einer Landschaft

Gedichte aus ‘Der Steinmetzgarten’
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 114)
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 93)
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Angela Lohausen
34S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-374-0

DER KRANZ (Auszug aus dem Gedicht)

An deinem Grab / eingesenkt meiner Seele, / Heimat, stehe ich nun, / neigend die Träne / deinem Gedächtnis.
Als ich dich ließ, / ließ dich mein Fuß. / Als ich dich mied, / mied dich mein Blick. / Als ich enteilt, / eilte mein Ohr ewigem Wort nach, / das mich lehrte / die Sprache.
Aber das Herz...
Aber das Herz, pocht es nicht so / wie des Spechtes Pochen im Buchwald / die Stille zerkleinernd? / Ruhloses Herz, / schäumt nicht dein Blut in den Bächen, / die über Felsbruch gratherniedergerollt? / Rauscht es nicht wie der Wälder / wiegender Laublaut / und wie Gelisp / goldgewichtiger Ähren?
[...]

Autor:

SAID

LTB 119 - vom wort zum haus

Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 119)
104 S., Klappenbrosch., 2018
2. Auflage 2021

ISBN 978-3-89086-327-6

«mein auge / ein pilger außerhalb der zeit / widersteht dem fluß der tage / dem licht / und seinen brechungen»

– so schließt eines der in diesem Band versammelten Gedichte von SAID. Die Skepsis, die sich in diesen Versen andeutet, hat ein doppeltes Fundament. Sie fußt einerseits auf der jahrzehntelangen Exil-Erfahrung ihres Autors und dem damit verbundenen Verlust ursprünglicher Heimat, andererseits aber nicht minder auf dessen tiefgreifender Verinnerlichung der Traditionen literarischer Moderne. Vor diesem Hintergrund entfaltet diese Dichtung eine originäre Modernität, ohne sich an die Allüren des Zeitgeistes zu verlieren.
Gewiss ist die erzwungene Heimatlosigkeit – wie auch bei anderen wichtigen Dichtungen seit dem Aufkeimen der Totalitarismen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – eine prägende Voraussetzung dieser Poeme. Dass ihnen aber jede Larmoyanz und Sentimentalität fehlt, verdankt sich der genauen, fast meditativen Öffnung dieses Dichters für all das, was sich dem poetischen Auge darbietet.
In konzentrierten, lakonischen und zugleich hochkomplexen Gedichten, die untereinander ein vielfältiges Netz von Anspielungen aufweisen, entstehen poetische Bilder, die die Wirklichkeit überraschend neu sehen lassen – nicht nur die Wirklichkeit des Exilanten zwischen Orient und Okzident, sondern, mehr noch, die unserer eigenen Welt mit all ihren Rissen und Brüchen.
Freilich gelingt dies, weil diese Dichtung nicht urteilt. In seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedrich-Rückert-Preises 2016 hat SAID sein poetisches Programm unter Bezugnahme auf Rückert umrissen: «keine vergleiche, keine bewertung. nur verstehen, um die schönheit zu finden, die die menschen verbindet.»
Die Gedichte von SAID gleichen Pilgerfahrten auf der Suche nach Heimstatt. Gegen die Zurichtungsformen der menschlichen Vernunft setzt SAID das freischwebende Wort. Dabei erweisen sich Bewegung und das Bewegende als Grundkonstituenten, die der klirrenden Statik herrschender Rationalitätsmechanismen entgegenzusetzen sind. Sympathie zeigen diese Gedichte für alles Randständige und Ausgegrenzte, für die unverstellte Kreatur, für alles, was sich den oberflächlichen Verfestigungen widersetzt. Und an diesen Rändern kann selbst das Metaphysische aufscheinen, als eine denkbare Wohnstatt für den Menschen.
---
Anlässlich eines Interviews mit dem «ZEIT-Magazin» hat SAID einmal betont, seine eigentliche Heimstatt sei die deutsche Sprache. In seinen hier versammelten Gedichten wird die Sprache tatsächlich «vom wort zum haus».
Christoph Leisten

Autor:

Wittner, Victor

LTB 126 - Das Haarpfand

Gedichte aus dem Nachlass
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 126)
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 95)
Mit einem Nachwort von Markus Bauer
74 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-290-3

Voller Mond

Ein ungeheurer Mond / steht jäh auf unsrer Straße: / die Nacht verfällt zum Fraße / dem Tier, das auf uns thront.
Sein Licht fällt dicht und schont / die Dinge, wäscht sie weicher, / mit Milch und Silber bleicher. / Wir gehen mild auf Mond.
Die Mädchen wollen nicht / ins Haus hinein, sie stehemn / gespannt auf ihren Zehen / noch lang und bang im Licht
und kämmen ihre langen / Haarlacken voll Verlangen.

Autor:

Flinker, Robert , Krug, Adrian ,

LTB 127 - Ferner Berge blauer Glanz

Gedichte
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 98)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 127)
Mit einem Brief von Alfred Kittner und einem Nachwort von Ernst Josef Lauscher
Herausgegeben von Adrian Krug
27 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-422-8

Ferner Berge blauer Glanz

Ferner Berge blauer Glanz, / silberblanker Sonnenschein, / brauner Wälder schlanker Kranz, / schließen mich in Wunder ein.
Meine Seele gleicht dem Wind, / gleicht der Wolken Flug und Spiel: / jene blauen Berge sind / ewig ihres Weges Ziel

Autor:

Verlaine, Paul

LTB 128 - Gedichte II

Zweisprachige Ausgabe französisch/deutsch
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 128)
Übersetzt und mit einem Nachwort von Frank Stückemann
631 S., fadengeheftet mit festem Einband. 2021

ISBN 978-3-89086-320-7

Das Regelwerk der gebundenen Sprache ist in Frankreich nie aufgegeben, sondern weiterentwickelt und verfeinert worden; für Verlaine und die beginnende Moderne von entscheidender Wichtigkeit. Diesen Rezepten folgt vorliegende Neuübersetzung: Nach den Sammlungen bis Sagesse (Bd. 1) liegen nunmehr auch Jadis et Naguère, Amour und Parallèlement erstmals vollständig vor. Einige Titel und das Vorwort von Joris-Karl Huysmans aus dem Jahr 1904 erschienen vorab in Sinn und Form.

Romanische Forschungen sprach von einer bewundernswerten Übersetzungsleistung, die den Dichter beim Wort nehme und in dessen jeweiligem Sprachregister verbleibe: „Wohltuend schnörkellos, frisch und unverbraucht wirken diese Verse in der Diktion Stückemanns.
Er gerät nicht in die Versuchung, Verlaine seine eigene Tonart aufzuzwingen“ (S. Gramatzki). Auch Kritische Ausgabe (M. Preidel) würdigte die „Abkehr vom Herzschmerz“; die einen neuen Ton anschlage. Nach Lyrikgesellschaft (M. Ackermann) sei das Erfrischende, dass diese „musikalisch-übertragende, inhaltlich möglichst wortgetreue Näherung, soweit sie im Deutschen irgendwie möglich ist, […] am genauesten (auch in rhythmischer Hinsicht) das wiedergibt, was Verlaine schreibt.“ Die Revue Verlaine (B. Degott) zog den Vergleich zu Stefan George: „c’est ne pas faire injure au grand poète que de préférer la seconde version“ und reihte „cette poésie en vers qui ignore les frontiers de l’espace et du temps, d’abord qu’elle prend racine dans la tradition, ensuite et surtout parce qu’elle delivre […] absolument“ (ebd.) in die schmale Kategorie der poetologisch bedeutsamen Übersetzungen ein.

Autor:

Whitman, Walt

LTB 132 - Lebenseiche, moosbehangen. Live Oak, with Moss.

Ein bisher unveröffentlichter Gedichtzyklus von 1859
Zweisprachige Ausgabe: englisch/deutsch
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 132)
Übersetzt und herausgegeben von Heinrich Detering
71 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

Erscheint am 25.06 2021

ISBN 978-3-89086-483-9

II

In Louisiana sah ich eine lebens-eiche wachsen, / Ganz allein stand sie, und von ihren zweigen hing das moos / herab, / Ohne jeden gefährten wuchs sie da, schimmernd mit ihren / schimmernden blättern in dunklem grün, / Und ihr anblick, rüde, unbeugsam, wollüstig, ließ mich an mich / selbst denken; / Ich fragte mich aber, wie sie freudige blätter austreiben konnte, so / allein ohne ihren freund, ihren geliebten – Denn das, wusste / ich, könnte ich nicht; / Und ich riss einen zweig ab mit ein paar blättern daran, und / schlang ein wenig moos darum, und trug ihn fort – Und hab ihn / in mein blickfeld in mein zimmer gelegt, / Ich brauch ihn nicht damit er mich an meine freunde erinnert (denn / ich glaube ich denke an wenig anderes als an sie in letzter zeit), / Doch bleibt er für mich ein merkwürdiges zeichen – lässt mich an / männliche liebe denken, / Trotz alldem, und wenn auch die lebens-eiche ihren glanz / verbreitet dort in Louisiana, mit sich allein in dem weiten flachen / raum, ihr leben lang freudige blätter hervorbringt, ohne einen / freund, einen geliebten, in ihrer nähe – Ich weiß sehr genau ich / könnte es nicht.
~~~

Walt Whitmans lange vergessener Gedichtzyklus erzählt von der Liebe zwischen Männern und von den Beziehungen zwischen Menschen und Natur. Er erscheint in dieser zweisprachigen Ausgabe, mit Heinrich Deterings Übersetzung, erstmals in Buchform. „Die Idee, dieses Werk als Einheit vorzustellen, ist großartig.“

(Walter Grünzweig)

Walt Whitman’s long forgotten cycle of poetry deals with love among men as well as with the relations between humans and nature. This bilingual volume is the first edition in book form. „The idea of presenting this work as a unit is just great.“

(Walter Grünzweig)

Autor:

Nick, Dagmar

LTB 133 - Getaktete Eile

Gedichte
(Gedichte Bd. 8)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 133)
Mit einem Vorwort von Holger Pils und
mit Aufsätzen von Reinhard Kiefer und Christoph Leisten.
63 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-468-6

Ländlicher Weg

Im Zikadenschleier gefangen / der Mittag, bebender Schweißglanz / auf den Flanken der Rinder hinter / dem elektrischen Zaun. / Durch die Lichtmaschen schuppt / etwas von meinem verbrauchten Leben, / Schemenhaftes, über den Weg / geweht. Mein letzter Fußabdruck / weit hinter mir.

Autor:

Kiefer, Reinhard

LTB 134 - Sechs Poeme

Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 134)
52 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-484-6

Helena mit dem Mäusealphabet

abgeleitet aus

           phönizischer schrift

      seefahrerzeichen

                    zeichen für handelsware

        und handelsheere

 

                                                            bildfern und bildnah

Autor:

Mauritz, Hartwig

schwarze landschaft aus dem brillenetui nachts

Schon immer bewegten sich die Gedichte von Hartwig Mauritz in den unterschiedlichsten Wirklichkeitsbereichen, spannten Bögen zwischen Geografie und Geschichte, zwischen Sinnlichkeit und technischer Welt. Auf diese Weise hat Mauritz mit den Jahren zu einer ganz eigenen Sprache gefunden, die nicht nur subjektivste Erinnerungen an die Räume der Kindheit, sondern auch weit entfernte geografische und historische Momentaufnahmen lesbar macht als überraschende poetische Zugänge zu unserer Gegenwart. Der vorliegende Band vereinigt erstmalig eine Auswahl der frühen Gedichte des Autors.
hochauflösendes fernweh
nipkow teilt seine eltern in linien, zeilen, punkte, setzt licht / in den draht, baut weiter an morses apparat. dreißigzeilig / tastet sie die eltern ab, die drehende scheibe. weihnachten /
1883. die augenbrauen hoch aufgeschossen schneidet sie / vom gesicht. die nase, der mund, das kinn kippt, fällt ins bild / der empfänger zieht schatten in punkten heran. die eltern /
sitzen an der scheibe traurigen rändern kreisen die augen / werden von farben nicht satt. die eingabe, die ausgabe birgt / lücken im rhythmus laufen die achsen, die augen saugen/
den schattenriss an. portraits wachsen, verlöschen in nipkows / gesicht. ihr bestand verwirrt seinen blick. nipkow / kürzt entfernungen, wenn die scheibe seine iris fixiert.