Neu erschienen

Autor:

Jansen, Erich

Aus den Briefen eines Königs

Ausgewählte Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 1)
74 S., Klappenbrosch., 3. Aufl. 2019

ISBN 978-3-89086-780-9

Abend

Am Abend, wenn die Dunkelheit / betroffen an der Mauer lehnt, / die Männer treten / aus den Häusern. / Wie späte Stallaternen knistern dann / schwarzgelbe Glühdrahtbirnen. / Der Männer Stimme ist / johannisbraun. / Im Mund der Mädchen / Violinen sind, / Musik / wie dunkles Glas, / darin ein Lied / verbrannter Rosen.

Autor:

Batberger, Reinhold

Das einundsiebzigste Jahr

Heinrich Maria ist einundsiebzig Jahre alt, oh mein Gott! Wollte er nicht Tiermissionar werden? Und jetzt lebt er tatsächlich mit seinen schäbigen Tieren auf einem abgewrackten Flugplatz und unternimmt kleine, grausame Ausflüge. Aber nicht in die Abtei Münsterschwarzach, bitte nicht!

Eben noch im elften Jahr ist Heinrich Maria im einundsiebzigsten Jahr gelandet und auch auf einem ehemaligen Flugplatz. Alex und seine Mutter, die Tierärztin sind bereits auf dem Weg zu Heinrich Maria und den Tieren, ein frisch gebackener Grüßgottkuchen steht auf dem Tisch. Der Schnee ist zwar schon wieder schwarz, nicht aber die Zeit der Erinnerung. Kleine Ausflüge, eine Reise nach Israel, eine Reise nach Rom. Erstaunlicherweise gibt es eine religiöse Hintergrundstrahlung, doch Richie der Gewitterhund warnt vor jeder Art von Unwetter und sei es im Augenblick noch so weit entfernt.

Autor:

Bender, Hans

Der Junge, der Asta Nielsen sah

Zehn Geschichten
Hrsg. und Nachwort von Hans Georg Schwark
(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 111)
104 S., Klappenbrosch., 2019

ISBN 978-3-89086-313-9

Autor:

Happel, Lioba

Die Feindin

Erzählung
(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 87)
70 S., brosch., 2. Auflage 2020.

ISBN 978-3-89086-404-4

Als ich letztes Jahr in Berlin «Medea» sah, fühlte ich mich in meiner Vermutung bestätigt, dass «die betrogene Frau» ein Archetyp ist, der eine Stimme in uns hat. Ich holte meinen Text «Die Feindin» aus der Schublade und begann ihn vorsichtig zu bearbeiten … und er sprach zu mir von diesem mörderischen, jahrtausendealten Schmerz, den Liebende in sich tragen; in den die, die sich verraten fühlen, hinabmüssen, wenn sie sich selbst in ihrer Nieder-Lage besiegen wollen. Insofern hat dieses Buch mit jedweder Biographie nichts zu schaffen. Lioba Happel

Autor:

Burg, Josef

Ein Gesang über allen Gesängen (1988)

Autor:

Schablewski, Frank

Ein Paar aus vier Menschenhälften

Istanbul ist der Ort einer Liebe, eines tödlichen Verbrechens. Hier lebt ein verheiratetes Paar auf unsicherem Grund, die Stadt selbst ist höchst erdbebengefährdet. Die Stadt und das Meer werden zum großen Sinnbild, als wäre der Schoß der Erde das Ziel der Geliebten. Der Mord des Mannes an seiner Frau führt die Triebhaftigkeit wie Schamlosigkeit einer Gesellschaft wie ihrer Justiz in all ihrer Gewalt und Schönheit vor, als wäre die Natur eine wahnsinnige Welt.

Der zuständige Richter wird den Ehemann freisprechen. Eine innere Wirklichkeit schiebt sich zwischen die äußere Wirklichkeit und das Handeln. Der Gegensatz zwischen Wasser und Stadt, Meerenge und Landzunge prägt nicht nur den Charakter der Stadt Istanbul, sondern auch ihrer Einwohner, als wäre der Mensch nichts anderes als ein Element: Feuer, Erde, Wasser, Luft.
Auf dem Grund des Bosporus findet die Ermordete keine Ruhe. Sie wird zu einem Geist, der das Unrecht weiter miterlebt. Niemand weiß, welches Wort das eine ergab, das zur Tat führte.

Autor:

Piontek, Heinz

Gedichte

Ausgewählt von Reinhard Kiefer
mit einem Text von Gerhard Neumann
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 120)
104 S., brosch., 2019

ISBN 978-3-89086-322-1

Die Halbinsel

Zwei Fischer ziehn das Netz aus dem Gewässer. / Den Raben ist die Stille nicht geheuer. / Der Knabe schürt das schwache Reisigfeuer / und wetzt am Stein sein Taschenmesser. /
Im Knieholz rührt der Wind die Haselruten, / das sachte Wehen, wo begann es? / Der toten Fische Kiemen bluten. / Die Männer heißen Simon und Johannes.  

Autor:

Weißglas, Immanuel , Corbea-Hoisie, Andrei ,

Gottes Mühlen in Berlin

Ausgewählte Gedichte
Herausgegeben und kommentiert von Andrei Corbea-Hoisie
(Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 75)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 99)
156 S., brosch., 2020

 

ISBN 978-3-89086-393-1

Die vorliegende Ausgabe nimmt sich vor, das Buchprojekt mit dem Titel Gottes Mühlen in Berlin von Immanuel Weissglas zu rekonstruieren, das 1947 von der Publikation in Bukarest aus unklaren Gründen - sei es politischer, sei es ökonomischer Natur - gestoppt wurde und nie mehr in der geplanten Gestaltung erschien. Daraus wurden im Laufe der Zeit nur einzelne Gedichte zur Veröffentlichung ausgewählt; Weissglas selbst hat zahlreiche Texte zu neuen Fassungen überarbeitet und diese in den Gedichtband Der Nobiskrug (1972) übernommen.

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Totenreigen
Hörst du, im fremden Land, den Totenreigen, / Der wild zu Erden zieht den letzten Leib? / Die schwarzen Himmel hängen voller Geigen / Und jede Wolke ist ein Klageweib.
Die Sterbegeigen haben ihre Grillen, / Wir zupfen unsre Gräber in die Luft. / Das Bahrtuch ist die Nacht, dich zu verhüllen, / Der Mond ein Schädel und der Wind die Gruft.
Hier ist das Grab nicht tief, der Staub gemeiner, / Und welk das Laub, das deine Locke barg. / Der Tod ist, wie der Herbst, ein ernster Schreiner: / Was seiner Hand gerät, ist stets ein Sarg.
Und was ich greife, sind zum Tanz die Saiten, / Der uns von Lebenden im Taumel schied: / Dass wir jetzt süss im Arm des Todes gleiten, / Zur Lieb im Herzen und im Schritt zum Lied.

Autor:

Leisten, Christoph

grand hotel tazi

"Christoph Leisten wird zum lyrischen Botschafter zwischen den Kulturen."

Anton G. Leitner

 

Lange bevor der Massentourismus einsetzte und Marrakesch zum Jet-Set-Ziel wurde, gehörte das Grand Hotel Tazi zu den ersten Häusern in der Stadt. Später wohnen auch Elias Canetti und Hubert Fichte hier.

In Christoph Leistens neuem Gedichtband wird das Hotel zum Ausgangspunkt der poetischen Expedition in eine andere Welt - und in unsere Gegenwart.

Autor:

Schönwiese, Ernst

In seinen Bann. Gedichte

Ausgewählte Gedichte

mit einem Nachwort von Christoph Leisten
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 93)

Erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2020!

ISBN 978-3-89086-382-5

Autor:

Albers, Bernhard

Jahrgang 1919

Herausgegeben von Bernhard Albers
96 S., fadengeh. Klappenbrosch., 3. überarb. Aufl. 2019

ISBN 978-3-89086-348-1

Hans Bender · Horst Krüger

Michael Guttenbrunner
Eine Köpenickiade im Hause Zuckmayer

Autor:

Albers, Bernhard

Können Verlagspreise die Buchkultur retten?

Der Verlagspreis 2020 wurde vergeben! 334 Verlage haben sich beworben. Eine Jury maßte sich an, die Verlage nach „Qualität, Nachhaltigkeit und Innovationskraft“ zu beurteilen. Jedoch erinnern Gütesiegel und Prämien wohl eher an die Etikettierung der Fleischindustrie. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn von 66 ausgewählten Verlagen 30 den Preis wiederholt erhalten. Hier sind unserer Meinung nach Lobbyisten am Werk. In der Tat wird als Partner die Kurt-Wolff-Stiftung genannt, es wundert überhaupt nicht, dass eine Vielzahl der Preisträger dort zu finden sind – sogar der dreiköpfige Vorstand ist wiederholt vertreten, jedenfalls 2019 (in diesem Jahr sind es zwei). Man hat den Eindruck, die Apparatschiks bestimmen das Wohl der Verlagswelt, und alle sind ruhig, denn sie hoffen auch einmal an den Geldhahn zu kommen. Warum vergibt die Kurt-Wolff-Stiftung nicht gleich den Deutschen Verlagspreis, in der Preisvergabe hat sie ja jahrelange Erfahrung und das Ministerium hätte Kosten gespart. Jedenfalls ist der Rimbaud Verlag schon vor Jahren aus der Kurt-Wolff-Stiftung ausgetreten, zu einer Zeit, in welcher der Literaturbetrieb unserer Meinung nach immer hemmungsloser wurde.

Autor:

von Rezzori, Gregor

Maghrebinische Geschichten

Auf der Rückseite eines Manuskriptes fand der Verlagslektor handgeschriebene Vorlagen für Stegreifgeschichten, die der Autor als Rundfunkredakteur im Nachtprogramm erzählt hatte: "Was da auf den Manuskripten steht, ist ja schön und gut. Aber das andere - das auf den mit Bleistift beschriebenen Rückseiten - warum machst du nicht daraus ein Buch?" Gegen Ende seines Lebens beklagt sich Rezzori: "Es ist nicht selten, dass der Name eines Autors an einem einzigen seiner Bücher kleben bleibt. Meiner klebt an den Maghrebinischen Geschichten."

Unbestritten wird in diesem Buch nach 1945 zum ersten Mal "vollkommen unbefangen das Wort Jude" verwendet. Rabbinergeschichten und Rabbinerwitze, Anekdoten, östliche Volksweisheiten werden mit Eulenspiegeleien verbunden: "Ich knetete das zusammen zur Berichterstattung aus einem imaginären Land, in welchem unsere abendländische Welt sich zu einem schlitzohrigen Orient spiegelt." "Das große ruhmreiche Maghrebinien" findet sich auf keiner Landkarte, denn es ist pure Phantasie. In welchem Land regierte das "Königshaus Karakriminalowirsch", steht die "Kathedrale Hagia Sophistica", wird ein "byzantinisches Raketengeschütz versteckt gehalten"?

Autor:

Ponnelle, Pierre-Dominique

Meine Minsker Jahre

"Als junger Musiker hätte ich es mir nicht träumen lassen, daß mich mein Weg nach Osten führen würde. Was anfangs, durch die schwierigen Bedingungen, wie eine Härte wirkte, entpuppte sich als Glücksfall. Dank der vielen wunderbaren Menschen, denen ich begegnen durfte, und dank der reichen und mannigfaltigen Kultur fühle ich mich bereichert, und bin dankbar."

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Der Dirigent und Komponist Pierre-Dominique Ponnelle wurde 1957 in München geboren. Er studierte am dortigen Richard-Strauss-Konservatorium (Komposition bei Rochus Gebhard), sowie bei Otmar Suitner und Herbert von Karajan. Er ist als Dirigent sowohl im Opernbereich als auch in der Sinfonik international tätig. 1992 bis 1996, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, war er Chefdirigent der Staatsphilharmonie in Minsk, Weissrussland. Seine Arbeit dort ist durch Aufnahmen bei den Labels Musicaphon und BMG-RCA dokumentiert, sowie durch den Film „Gesang der Vögel“ (Regie: Christian Rischert, BR, 1997). Gleichzeitig gastierte er als freier Dirigent von der Ukraine über den Kaukasus, das Wolga-Gebiet, Sankt Petersburg, Zentralasien, Sibirien bis zum Pazifik. Im Westen dirigierte er u.a. das Bruckner-Orchester Linz, das Orchestre Philharmonique de Lyon, die Münchner Philharmoniker, die Bamberger Sinfoniker, am Opernhaus Zürich, an der Deutschen Oper am Rhein.
2010 erschien beim Leipziger Label GENUIN eine CD mit einigen seiner Kammermusikwerke. Seine Musik wurde unter anderem bei den internationalen Festspielen für zeitgenössische Musik in Odessa (Ukraine) und Rostov-am-Don (Russland) aufgeführt, in Tashkent (Usbekistan) vom Ensemble für moderne Musik „Omnibus“, in München u.a. im Herkulessaal in der Konzertreihe von Georg Hörtnagel, von Musikern des Bayerischen Staatsorchesters im Künstlerhaus, von Mitgliedern des Münchener Kammerorchesters im Rahmen eines Porträtkonzertes im Orff-Zentrum-München, sowie in der Bayerischen Akademie der schönen Künste.
2018 wurde ihm der Preis für Völkerverständigung von der Stiftung für Demokratie und Marktwirtschaft in München verliehen.

Autor:

Chariarse, Leopoldo

Miraflores

Leopoldo Chariarse wurde 1928 in Peru geboren. Er studierte in Lima Ethnologie und Literatur und an der Sorbonne Musikwissenschaft, an den Konservatorien Lima und Köln Harfe, Laute und Gitarre. Auf Indien-Reisen kam er mit Yoga und Praktiken der Meditation in Berührung. Heute leitet er in Düsseldorf ein kulturübergreifendes Institut, die Gesellschaft für Geisteswissenschaftliche Fortbildung, die sich mit indischen und fernöstlichen Traditionen befaßt, aber auch Konzerte mit Musik aus asiatischen und südamerikanischen Ländern veranstaltet. 1952 veröffentlichte er «Los ríos de la noche» (Die Flüsse der Nacht). Danach wurde er führendes Mitglied der «50er Generation». Es folgte «La cena en el jardín» (Das Abendessen im Garten, 1975). Im Jahre 1988 erschien als spanisch-deutscher Paralleltext «Margen de la nostalgia» (Ufer der Sehnsucht), 1998 wurden die «Elegías» veröffentlicht, 1999 «Los sonetos» und 2000 «Solsticio» (Sonnenwende). Chariarse zeigt sich als vielseitiger Lyriker: er beherrscht zum einen klassische Formen wie das Sonett, zum andern schwelgt er in freier Lyrik unter Verzicht auf Satzzeichen, so daß der Leser angesichts der dadurch entstehenden Mehrdeutigkeit hin- und hergerissen ist. Bald aber überträgt sich die Seelenruhe, die das gesamte Werk durchzieht, auf den Leser. Und es ist diese innere Ruhe, mit der der Dichter Gedanken auszudrücken vermag, wie dies nur in lyrischer Kodierung gelingt. Kennzeichnend für sein Werk ist auch die Musikalität, die sich unter anderem in der Praxis des Einrückens zeigt, wo er durch musikalische Stilmittel wie Zäsuren und Kadenzen bestimmte Satzteile hervorheben kann. Obwohl er viele Reisen unternahm und zahllose Eindrücke aufnehmen konnte, zeigt sein Schaffen Kontinuität, Geradlinigkeit und Zielstrebigkeit. Sehnsucht und Elegie sind Merkmale, die sein Werk prägen. Das Sehnsuchtsmotiv tritt besonders in dem 2007 verfaßten Gedicht «Mis trapecios inmóviles» (Meine unbeweglichen Trapeze) zutage, inspiriert von seiner Liebe zum Zirkus, der ihn als Jugendlichen so begeisterte.

Ulrich Daum
         

Autor:

Hölzer, Max

Schlafende Sonnen

Neun Gedichte nebst zwei Briefen.
Mit einem Nachwort von Frank Schablewski.

(Lyrik-Taschenbuch Nr. 122)

ca. 30 S., brosch., 2020

ISBN 978-3-89086-310-8

Mein Fleisch ist ein Gitter auf roten Füßen

Es hindert nicht den luftigsten Schritt
Wie aus einem Fenster
Aber du fällst in keinen Schoß zurück
Auch hört man keinen Aufprall auf dem Trottoir
Du hast dein Gewicht verloren du schwebst auf dem Rücken
Du verwest schwebend in einem ausgeräumten Frisiersalon
Ein Spiegel deckt dich zu von dem sich das Zinn schält
Zwischen Hobelspänen quellen blaue Locken hervor
Efeu schlingt sich an der Wand um Raub-Augen
Andre blicken pupillenlos aus Flaschen
Man sieht sie denken schon lange nicht mehr.
Die Wüste des Solitärs füllt nur einen Sarg
Aber aufgestiegen an die Oberfläche
Könnte ich die Hand durch den geliebten
Körper strecken der ganz aus Perlen ist

Autor:

Rimbaud, Arthur

Seher-Briefe

(Werke Bd. 5)
Mit einem Nachwort von Bernhard Albers
32 Seiten, fadengeheftet, 2020

ISBN 978-3-89086-326-9

Autor:

Enders, Ria

Weltuntergänge

Von der Sintflut zum apokalyptischen Event
Ein Essay und ein Hörstück
9 Abb., 116 S., brosch., 2019

ISBN 978-3-89086-312-2

Auf und nieder auf und nieder / Wunder gibt es immer wieder /

Wir wären alle schön verrückt / Wenn uns der Untergang nicht glückt /
Was sagt uns der Prophet? / Wenn die Welt schon untergeht / Kommt alle Buß und Reu zu spät
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Inhalt:
Vorwort
Sintflut im Zeitraffer: «Das Jüngste Gericht» von Jacopo Tintoretto Essay
Der Weltuntergang findet nicht statt: Hörstück

Autor:

Hieronimus, Ekkehard

Wilhelm von Gloeden. Photographie als Beschwörung

(Bibliothek des Blicks Bd. V)
(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 105)
12 Abb., 112 S., Klappenbrosch., 3. Auflage 2020

ISBN 978-3-89086-336-8

Wilhelm von Gloeden (1856–1931) war um die Jahrhundertwende ein international anerkannter Photograph hauptsächlich männlicher Akte. Nach dem Ersten mehr noch nach dem Zweiten Weltkrieg geriet sein Werk vollends in Vergessenheit. Dieser Aufsatz war zuerst Bestandteil eines Ausstellungskataloges zur Jahrhundertausstellung «Otto Meyer-Amden / Wilhelm von Gloeden / Elisàr von Kupffer» in der Kunsthalle Basel. 15. Juli bis 9. September 1979. Ekkehard Hieronimus (1926–1998) hat diesen Beitrag leicht überarbeitet und mit einem Untertitel versehen. Die 2. Auflage erschien anlässlich seines 20. Todestages.

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Das sexualfeindliche Christentum hatte sich mit brutaler Gewalt von den freizügigen antiken Plastiken befreit. Was nicht zerstört wurde, bekam das Stigma des Feigenblattes. «Der Eifer der Kirchenväter hat den Stern nicht vom Himmel nehmen können. Immer wieder haben Bildhauer den Leib göttlicher Form nachzubilden versucht.» (Hans Henny Jahnn) Doch war der Künstler bis ins 19. Jahrhundert hinein mit der Einkleidung des Aktes in mythologische und allegorische Szenen nicht unbedingt auf der sicheren Seite. Ein Beispiel hierfür ist die systematische Übermalung des Jüngsten Gerichts in der Sixtinischen Kapelle. Caravaggio holte sich die Modelle von der Straße, wobei er sehr wohl wusste, welche antiken Skulpturen es gab. Die vielfach homoerotische Aussage seiner Bilder erschließt sich allerdings erst dann, wenn man die Modelle, gewissermaßen mit dem Auge, aus der Camouflage herauslöst. Formal knüpft Wilhelm von Gloeden an diese Tradition an, nämlich «das alte klassische Leben im Bilde wiedererstehen zu lassen.» Taormina mit seinem halbverfallenen, imposanten griechischen Theater schien ihm dazu der geeignete Ort. Seine «Kunstwerke mit der Fotografie» zeichnen sich sowohl durch antikisierende Requisiten (wobei mitunter bestimmte Gemälde von Caravaggio, Flandrian, Böcklin u. a. zitiert werden) als auch durch Modelle aus, die «Bauern, Hirten und Fischer» waren: «Lange vertraut musste ich erst mit ihnen werden, um sie später in der Natur, in leichten Gewändern, beobachten zu können, Auswahl zu treffen und sie geistig anzuregen durch Erzählungen aus Homers Sagen.» (Wilhelm von Gloeden) Die zu seiner Zeit noch ungewöhnlichen und recht umständlichen «Freilicht-Aufnahmen» waren dazu unumgänglich: «Bei der Fotografie ist das schnelle Ausnutzen des günstigen Moments von großer Wichtigkeit: obgleich ich Moment-Aufnahmen nie gemacht, so lernten es meine Modelle doch, in einer von ihnen willkürlich angenommenen Stellung auf einen Wink von mir fest zu verharren. So erreichte ich es, dass die Absicht nicht zu erkennbar störend ins Auge fällt und blieb möglichst frei von Pose.» Es ist in der Tat das Zufällige, das trotz aller scheinbaren Inszenierung besticht. Das Punctum, wie es Roland Barthes nannte, das «winzige Fünkchen Zufall», «mit dem die Wirklichkeit den Bildcharakter gleichsam durchsengt hat». (Walter Benjamin) Die Stempel auf der Rückseite der Fotografien mit der Bezeichnung «proprietà artistica» zeugen von diesem selbstbewussten Künstlertum. Es zeugt jedenfalls nicht von Sachverstand zu behaupten, dass Gloeden «für ein reiches Publikum nackte Fischerknaben in pseudoantiken Szenen fotografierte.» (Ernst Osterkamp).

-Bernhard Albers

Autor:

Trakl, Georg

Winkel am Wald

Ausgewählte Gedichte
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Reinhard Kiefer
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 98)
brosch., 2020

ISBN 978-3-89086-384-9