Neuerscheinungen

Autor:

Drozdowski, Georg

LTB 114 - Der Kranz auf das Grab einer Landschaft

Gedichte aus ‘Der Steinmetzgarten’
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 114)
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 93)
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Angela Lohausen
34S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-374-0

DER KRANZ (Auszug aus dem Gedicht)

An deinem Grab / eingesenkt meiner Seele, / Heimat, stehe ich nun, / neigend die Träne / deinem Gedächtnis.
Als ich dich ließ, / ließ dich mein Fuß. / Als ich dich mied, / mied dich mein Blick. / Als ich enteilt, / eilte mein Ohr ewigem Wort nach, / das mich lehrte / die Sprache.
Aber das Herz...
Aber das Herz, pocht es nicht so / wie des Spechtes Pochen im Buchwald / die Stille zerkleinernd? / Ruhloses Herz, / schäumt nicht dein Blut in den Bächen, / die über Felsbruch gratherniedergerollt? / Rauscht es nicht wie der Wälder / wiegender Laublaut / und wie Gelisp / goldgewichtiger Ähren?
[...]

Autor:

SAID

LTB 119 - vom wort zum haus

Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 119)
104 S., Klappenbrosch., 2018
2. Auflage 2021

ISBN 978-3-89086-327-6

«mein auge / ein pilger außerhalb der zeit / widersteht dem fluß der tage / dem licht / und seinen brechungen»

– so schließt eines der in diesem Band versammelten Gedichte von SAID. Die Skepsis, die sich in diesen Versen andeutet, hat ein doppeltes Fundament. Sie fußt einerseits auf der jahrzehntelangen Exil-Erfahrung ihres Autors und dem damit verbundenen Verlust ursprünglicher Heimat, andererseits aber nicht minder auf dessen tiefgreifender Verinnerlichung der Traditionen literarischer Moderne. Vor diesem Hintergrund entfaltet diese Dichtung eine originäre Modernität, ohne sich an die Allüren des Zeitgeistes zu verlieren.
Gewiss ist die erzwungene Heimatlosigkeit – wie auch bei anderen wichtigen Dichtungen seit dem Aufkeimen der Totalitarismen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – eine prägende Voraussetzung dieser Poeme. Dass ihnen aber jede Larmoyanz und Sentimentalität fehlt, verdankt sich der genauen, fast meditativen Öffnung dieses Dichters für all das, was sich dem poetischen Auge darbietet.
In konzentrierten, lakonischen und zugleich hochkomplexen Gedichten, die untereinander ein vielfältiges Netz von Anspielungen aufweisen, entstehen poetische Bilder, die die Wirklichkeit überraschend neu sehen lassen – nicht nur die Wirklichkeit des Exilanten zwischen Orient und Okzident, sondern, mehr noch, die unserer eigenen Welt mit all ihren Rissen und Brüchen.
Freilich gelingt dies, weil diese Dichtung nicht urteilt. In seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedrich-Rückert-Preises 2016 hat SAID sein poetisches Programm unter Bezugnahme auf Rückert umrissen: «keine vergleiche, keine bewertung. nur verstehen, um die schönheit zu finden, die die menschen verbindet.»
Die Gedichte von SAID gleichen Pilgerfahrten auf der Suche nach Heimstatt. Gegen die Zurichtungsformen der menschlichen Vernunft setzt SAID das freischwebende Wort. Dabei erweisen sich Bewegung und das Bewegende als Grundkonstituenten, die der klirrenden Statik herrschender Rationalitätsmechanismen entgegenzusetzen sind. Sympathie zeigen diese Gedichte für alles Randständige und Ausgegrenzte, für die unverstellte Kreatur, für alles, was sich den oberflächlichen Verfestigungen widersetzt. Und an diesen Rändern kann selbst das Metaphysische aufscheinen, als eine denkbare Wohnstatt für den Menschen.
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Anlässlich eines Interviews mit dem «ZEIT-Magazin» hat SAID einmal betont, seine eigentliche Heimstatt sei die deutsche Sprache. In seinen hier versammelten Gedichten wird die Sprache tatsächlich «vom wort zum haus».
Christoph Leisten

Autor:

Wittner, Victor

LTB 126 - Das Haarpfand

Gedichte aus dem Nachlass
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 126)
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 95)
Mit einem Nachwort von Markus Bauer
74 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-290-3

Voller Mond

Ein ungeheurer Mond / steht jäh auf unsrer Straße: / die Nacht verfällt zum Fraße / dem Tier, das auf uns thront.
Sein Licht fällt dicht und schont / die Dinge, wäscht sie weicher, / mit Milch und Silber bleicher. / Wir gehen mild auf Mond.
Die Mädchen wollen nicht / ins Haus hinein, sie stehemn / gespannt auf ihren Zehen / noch lang und bang im Licht
und kämmen ihre langen / Haarlacken voll Verlangen.

Autor:

Flinker, Robert

LTB 127 - Ferner Berge blauer Glanz

Gedichte
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 98)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 127)
Mit einem Brief von Alfred Kittner und einem Nachwort von Ernst Josef Lauscher
Herausgegeben von Adrian Krug
27 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-422-8

Ferner Berge blauer Glanz

Ferner Berge blauer Glanz, / silberblanker Sonnenschein, / brauner Wälder schlanker Kranz, / schließen mich in Wunder ein.
Meine Seele gleicht dem Wind, / gleicht der Wolken Flug und Spiel: / jene blauen Berge sind / ewig ihres Weges Ziel

Autor:

Verlaine, Paul

LTB 128 - Gedichte II

Zweisprachige Ausgabe französisch/deutsch
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 128)
Übersetzt und mit einem Nachwort von Frank Stückemann
631 S., fadengeheftet mit festem Einband. 2021

ISBN 978-3-89086-320-7

Das Regelwerk der gebundenen Sprache ist in Frankreich nie aufgegeben, sondern weiterentwickelt und verfeinert worden; für Verlaine und die beginnende Moderne von entscheidender Wichtigkeit. Diesen Rezepten folgt vorliegende Neuübersetzung: Nach den Sammlungen bis Sagesse (Bd. 1) liegen nunmehr auch Jadis et Naguère, Amour und Parallèlement erstmals vollständig vor. Einige Titel und das Vorwort von Joris-Karl Huysmans aus dem Jahr 1904 erschienen vorab in Sinn und Form.

Romanische Forschungen sprach von einer bewundernswerten Übersetzungsleistung, die den Dichter beim Wort nehme und in dessen jeweiligem Sprachregister verbleibe: „Wohltuend schnörkellos, frisch und unverbraucht wirken diese Verse in der Diktion Stückemanns.
Er gerät nicht in die Versuchung, Verlaine seine eigene Tonart aufzuzwingen“ (S. Gramatzki). Auch Kritische Ausgabe (M. Preidel) würdigte die „Abkehr vom Herzschmerz“; die einen neuen Ton anschlage. Nach Lyrikgesellschaft (M. Ackermann) sei das Erfrischende, dass diese „musikalisch-übertragende, inhaltlich möglichst wortgetreue Näherung, soweit sie im Deutschen irgendwie möglich ist, […] am genauesten (auch in rhythmischer Hinsicht) das wiedergibt, was Verlaine schreibt.“ Die Revue Verlaine (B. Degott) zog den Vergleich zu Stefan George: „c’est ne pas faire injure au grand poète que de préférer la seconde version“ und reihte „cette poésie en vers qui ignore les frontiers de l’espace et du temps, d’abord qu’elle prend racine dans la tradition, ensuite et surtout parce qu’elle delivre […] absolument“ (ebd.) in die schmale Kategorie der poetologisch bedeutsamen Übersetzungen ein.

Autor:

Sanjosé, Àxel

LTB 129 - Das fünfte Nichts

Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 129)
64 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-423-5

Sanjosés dritter Gedichtband ist wohl sein bislang persönlichster und zugleich hermetischster. Auf unterschiedliche Art versuchen die Gedichte, der Poesie beizukommen: über Konzept, Form und Klang, durch Erzählung, Verweigerung und Beschwörung dringen sie ins Grenzgebiet vor. »Verdeckt halten [sie] ihre Karten offen« – Michael Lentz’ Kommentar von vor siebzehn Jahren erweist sich als weitsichtig.
Zögen von hier die Schwäne / und mit ihnen ihre Nennungen alle, /
ihre weißen Gesamtheiten, / ihre Seelen, ihre Seme, ihre Vorstellung, / zwischen Krähe und Krähe / fütterten wir ihre Abwesenheit.

Autor:

Nick, Dagmar

LTB 133 - Getaktete Eile

Gedichte
(Gedichte Bd. 8)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 133)
Mit einem Vorwort von Holger Pils und
mit Aufsätzen von Reinhard Kiefer und Christoph Leisten.
63 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-468-6

Ländlicher Weg

Im Zikadenschleier gefangen / der Mittag, bebender Schweißglanz / auf den Flanken der Rinder hinter / dem elektrischen Zaun. / Durch die Lichtmaschen schuppt / etwas von meinem verbrauchten Leben, / Schemenhaftes, über den Weg / geweht. Mein letzter Fußabdruck / weit hinter mir.

Autor:

Kiefer, Reinhard

LTB 134 - Sechs Poeme

Gedichte
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 134)
52 S., fadengeheftet, broschiert mit Klappen. 2021

ISBN 978-3-89086-484-6

Helena mit dem Mäusealphabet

abgeleitet aus

           phönizischer schrift

      seefahrerzeichen

                    zeichen für handelsware

        und handelsheere

 

                                                            bildfern und bildnah

Autor:

Fichte, Hubert

RTB 112 - Das Experiment ist mein Lebenssinn

von Mario Fuhse

Über Hubert Fichte
(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 112)
51 S., Klappenbrosch., 2021

ISBN 978-3-89086-452-5

Aus der Einleitung:

"Seine Entwicklung als Schriftsteller und die damit gekoppelte Entwicklung seiner Figuristik, wird anschließend im Text über die Figurennamen aufzeigen, wie eng das gesamte Œuvre miteinander verknüpft ist. Diese enge Verzahnung der Namen seiner langjährigen Hauptfigur Jäcki samt dessen Partnerin Irma weist einen ähnlich körperlich miteinander korrespondierenden Resonanzraum auf, dessen Analyse längst überfällig ist."

- Mario Fuhse, im Februar 2021

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"Gestern vor achtzehn Jahren starb Hubert Fichte, fünfzigjährig, und ist, bis auf ein paar Fachidioten, inzwischen total vergessen."

- Fritz Joachim Raddatz, Tagebucheintrag vom 09. März 2004

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Inhalt:
1.»Das Experiment ist mein Lebenssinn«
- Resonanzraum: Schule – Hubert Fichte und die Olo

2.»Irma und Jäcki«

- Resonanzraum: Namen – Zur Metaphorik der Figurennamen im Werk Hubert Fichtes

Autor:

Mauritz, Hartwig

schwarze landschaft aus dem brillenetui nachts

Schon immer bewegten sich die Gedichte von Hartwig Mauritz in den unterschiedlichsten Wirklichkeitsbereichen, spannten Bögen zwischen Geografie und Geschichte, zwischen Sinnlichkeit und technischer Welt. Auf diese Weise hat Mauritz mit den Jahren zu einer ganz eigenen Sprache gefunden, die nicht nur subjektivste Erinnerungen an die Räume der Kindheit, sondern auch weit entfernte geografische und historische Momentaufnahmen lesbar macht als überraschende poetische Zugänge zu unserer Gegenwart. Der vorliegende Band vereinigt erstmalig eine Auswahl der frühen Gedichte des Autors.
hochauflösendes fernweh
nipkow teilt seine eltern in linien, zeilen, punkte, setzt licht / in den draht, baut weiter an morses apparat. dreißigzeilig / tastet sie die eltern ab, die drehende scheibe. weihnachten /
1883. die augenbrauen hoch aufgeschossen schneidet sie / vom gesicht. die nase, der mund, das kinn kippt, fällt ins bild / der empfänger zieht schatten in punkten heran. die eltern /
sitzen an der scheibe traurigen rändern kreisen die augen / werden von farben nicht satt. die eingabe, die ausgabe birgt / lücken im rhythmus laufen die achsen, die augen saugen/
den schattenriss an. portraits wachsen, verlöschen in nipkows / gesicht. ihr bestand verwirrt seinen blick. nipkow / kürzt entfernungen, wenn die scheibe seine iris fixiert.