Neuerscheinungen

Autor:

Kiefer, Reinhard , Ponnelle, Pierre-Dominique , Ermen, Reinhard ,

"ICH"

Pierre-Dominique Ponnelle komponiert ein Gedicht von Reinhard Kiefer
Partitur im Band enthalten
47 S., fadengeheftet mit Klappen, 2022

ISBN 978-3-89086-542-3

Alles, was dieser eigensinnige Dichter schreibt, sträubt sich eigentlich gegen den Versuch einer 'Vertonung'. Nicht nur, weil diese Lyrik selbst schon Musik genug ist, um einen etwas abgegriffenen Allgemeinplatz zu bemühen, sondern auch, weil hier knapp und karg mit engmaschiger Wortzeichnung gearbeitet wird, und zwar so dicht, dass für eine akustische Ebene kein Platz zu sein scheint. [...] Pierre-Dominique Ponnelle hat aus der "messingstadt" intuitiv das Stück herausgesucht, das in dem Gedichtband durch seine Unmittelbarkeit heraus leuchtet. Dabei glänzen die 18 kurzen Zeilen ganz im Sinne der eingangs beschriebenen Tugenden. Der Dichter entwirft mit einer listig auftretenden Beiläufigkeit eine Phantasie vom verlorenen ICH, so unbekümmert und waghalsig als habe er weiland der Emily Dickinson über die Schulter geschaut.

-Reinhard Ermen, Auszug aus dem Text

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Ich ist ein wesen

das verschwindet
eine attacke

ein dreikampf

wortreiche

satz=

untergänge
und hat vor

jahren schon in

brombeer=

ranken gesteckt
(niemandem

fiels auf)
geriet auf

den zaun

(wie zufällig)

ein schwieriger

platz
Parallelband: Ponnelle. Meine Minsker Jahre

Autor:

Rübner, Tuvia

Das vergebliche Gebet der Verse

Letzte Gedichte

Mit Nachworten von Frank Schablewski und Matthias Weichelt
215 S, geb. Fadenheftung, 2022

ISBN 978-3-89086-425-9

"Was bringt einen Dichter dazu, auch dann weiterzuschreiben, wenn die Verse nur noch mit Mühe ihren Weg aufs Papier finden, jede Silbe Qual und Anstrengung bedeutet? Wenn die Phantasie ihn im Stich lässt, die Bilder ausbleiben? Warum legt er den Stift nicht aus der ungelenkig gewordenen Hand, wo doch alles gesagt zu sein scheint? Für den im Juli 2019 gestorbenen Tuvia Rübner war das Schreiben Lebensimpuls, Ausdruck innerer Erregung kein Entschluss, sondern Notwendigkeit" - Matthias Weichelt

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In diesem Band sind die letzten Gedichte Tuvia Rübners versammelt. Zuerst erschienen in seinen Bänden 'Wunderbarer Wahn' (2014) und 'Im halben Licht' (2016).

Autor:

Meerbaum, Selma

Du, weißt du, wie ein Rabe schreit?

Gedichte
Hrsg. und mit einem Essay von Helmut Braun
sowie Fotos und Dokumenten
(Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 71)
51 teils farb. Abb., 208 S., fadengeh. geb.,
4. erweiterte Aufl. 2022

ISBN 978-3-89086-439-6

Du, weißt du …

Du, weißt du, wie ein Rabe schreit?

Und wie die Nacht, erschrocken bleich,

nicht weiß, wohin zu fliehn?

Wie sie verängstigt nicht mehr weiß:

Ist es ihr Reich, ist es nicht ihr Reich,

gehört sie dem Wind oder er ihr,

und sind die Wölfe mit ihrer Gier

nicht zum Zerreißen bereit? ..
Du, weißt du, wie der Wind schrill heult

und wie der Wald, erschrocken bleich,

nicht weiß, wohin zu fliehn?

Wie er verängstigt nicht mehr weiß:

Ist es sein Reich, ist es nicht sein Reich,

gehört er dem Regen oder der Nacht

und ist der Tod, der schauerlich lacht,

nicht sein allerhöchster Herr?

Autor:

Rezzori, Gregor von

Ein Hermelin in Tschernopol

Roman
(Bukowiner Literaturlandschaft Nr. 79)
430 S., fadengeheftet mit Leineneinband, 2022

ISBN 978-3-89086-289-7

Nun war dieser lässige und elegeante Sprachkünstler, der ganz nebenbei seinen beissenden Spott über alles und jeden ausbreiten konnte, in der biederen deutschen Literaturgesellschaft tatsächlich schwer vorstellbar, zumal Gregor von Rezzori, wie sich später herausstellte, in Deutschland eine "Spur der Verwüstung" hinterlassen hatte: Sein Konto für Beleidigungen, Schulden und andere Kavaliersdelikte war heillos überzogen.

Am Ende wusste nicht einmal er selber mehr zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden: "Er liess sich bei Flunkereien ertappen, die tatsächlich darauf zielten, seiner Herkunftsgeschichte einen Glanz zu geben, der schwerlich Glaubwürdigkeit beanspruchen konnte", hat er später geschrieben.

- Michael Krüger

Goethe Studien 03 - Kein Freund des Bestehenden

Goethe-Studien III
von Dieter Breuer

96 S., geb., 2022
Enthält 19 Abbildungen

ISBN 978-3-89086-426-6

Aus der Vorbemerkung:

Goethes Kritik der Französischen Revolution und revolutionärer Importe bedeutet nach seinen von Eckermann überlieferten Worten aber nicht, dass man ihn den geistigen Restauratoren der alten Ordnung zurechnen dürfe. Er sei kein „Freund des Bestehenden“ im Sinne von „Freund des Veralteten und Schlechten“. Die folgenden Studien zu Hermann und Dorothea, zur Natürlichen Tochter und zum I. und IV. Akt im zweiten Teil des Faust werden zeigen, dass Goethe in der poetischen Auseinandersetzung mit dem großen Thema seiner Zeit tatsächlich kein Freund des Bestehenden bzw., wie 1830 im Brief an Freund Zelter noch eindeutiger formuliert, des „noch“ Bestehenden ist. Insofern hat der provokative Titel, unter dem die vier Studien, ursprünglich Vorträge vor der Aachener Goethe-Gesellschaft, nun erscheinen, seine Berechtigung.
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Inhalt:
Die beiden Ringe der Dorothea. Revolution und Reaktion in Goethes Herrmann und Dorothea.
Vorrevolutionäre Zustände. Goethes Trauerspiel Die natürliche Tochter.
„Mißgestalt“ und „Ungesetz“. Das Alte Reich in Goethes Faust II, 1. Akt
Kaiser, Gegenkaiser und die romantischen Gespenster. Zu Goethes Faust II, IV. Akt

Autor:

Whitman, Walt

Leaves of Grass. Grashalme

Zweisprachige Fassung der Erstausgabe von 1855
(englisch/deutsch)
Übersetzt von Walter Grünzweig und einer Gruppe von Übersetzern und Übersetzerinnen an der TU Dortmund.
226 S., Leineneinband, fadengeheftet 2022

ISBN 978-3-89086-710-6

AMERIKA verwirft nicht die Vergangenheit oder was sie in ihren Formen aus einer anderen Politik oder der Idee der Kasten oder der alten Religionen hervorgebracht hat .... akzeptiert die Lektion der Gelassenheit ... ist nicht so ungeduldig da man doch annehmen musste dass der Schorf noch an den Meinungen und Umgangsformen und der Literatur haftet während das Leben das den Anforderungen der Vergangenheit genügte in das neue Leben mit neuen Formen gewandert ist ...

Nachtgedicht [Auszug]
DIE GANZE NACHT lang streifte ich in meinem Traumbild umher,

Auf leichten Füßen .... flink und lautlos bewege ich mich und halte an.

Beuge mich offenen Auges über die geschlossenen Augen der Schläfer;

Umherstreifend und verwirrt .... verloren in mir selbst ... schlecht aufgestellt ....

widersprüchlich

Halte inne und schaue und beuge mich und stehe still.
Wie würdevoll sie da aussehen, ausgestreckt und ruhig;

Wie ruhig sie atmen, die kleinen Kinder in ihren Wiegen.                                            

LTB 130 - Das Sandelkästchen / Le Coffret de santal

Von Charles Cros

Gedichte und Prosa
deutsch/französisch
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 130)
Übersetzt und mit einem Nachwort von Frank Stückemann
390 S., geb. mit Leinen u. Fadenheftung, 2022

ISBN 978-3-89086-639-0

Charles Cros - Multitalent, unentwegter Erfinder: „Der Grund für seine gleichzeitige Berufung zum Dichter und zum Gelehrten ist darin zu sehen, dass es ihm immer darum zu tun war, der Natur einen Teil ihrer Geheimnisse zu entreißen“ (A. Breton, Anthologie des Schwarzen Humors). Seine Innovationen verblüfften und schockierten. Seine Lyrik besticht durch „Variationsbreite bei der Verwendung unterschiedlichster Versmaße und durch das konsequente Ausschöpfen aller handwerklicher Sprachmittel“ (Dieter Kranz, GRM 1996).

Traf die längst vergriffenen Erstübersetzung „durchweg den Ton des französischen Originals“ (Hans-Joachim Lope, RF 1999), so zielt vorliegende Neufassung nun auch auf metrische und formale Kongruenz.
Nach der Vorab-Lektüre urteilte Kranz: „Der Text folgt dem französischen Original inhaltlich und formal. Die Ausdrucksweise ist gegenüber der Erstfassung bodenständiger, an der Alltagssprache orientiert und eingängiger. Er liest sich einfacher, ist leichter verständlich und wirkt aufgrund seiner Bildlichkeit und seiner Musikalität deutlich nach.“ Dem Lyriker Frank Schablewski gefiel, „wie Sie der deutschen Sprache ein französisches Flair und eine frankophone Leichtigkeit angedichtet haben.“
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Dein schwerer Sommerduft allein

Wird unter andren übrig sein,

Wenn dieses Kästchen ich durchstöber'!

Bis auf die Trockenblumen hier

Gehört nun alles, Nina, dir.

Nimm es, erfüll mit Stolz den Geber.

Charles.

Autor:

Schirnding von, Albert

LTB 135 - Letztes Wegstück

Gedichte
Mit einem Nachwort von Christoph Leisten
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 135)
63 S.

ISBN 978-3-89086-613-0

"Albert von Schirndings Dichtung markiert, im Bewusstsein der Verbundenheit mit den Traditionen, einen eigensinnigen und allein schon deshalb bemerkenswerten Aufbruch ins Offene."

- Aus dem Nachwort

Zeitlandschaft
Das Feuer der Gegenwart

wärmt nicht mehr

Wo bleiben die andern

Das abgeworfene Gepäck in der Grube

Unter der Schneedecke liegt das Gestern begraben

Jenseits des Flusses

dessen Brücken gesprengt sind

dehnt sich die Zukunft

Der Rückzug endet hier

Mein Stern erlosch                                            

RTB 110 - Willi Baumeister, Korrekturen

von Hans Werner Geerdts

(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 110)
Herausgegeben und kommentiert von Mario Fuhse
110 S., fadengeheftet mit Klappen, 2022

ISBN 978-3-89086-591-1

Aus der Einführung:

Blickt man auf das Œuvre von Hans Werner Geerdts, dann ist der Einfluss Willi Baumeisters unschwer zu erkennen. Mit "Willi Baumeister, Korrekturen" liegt nun ein Hans Werner Geerdts gedanklich prägendes Fundament vor, das sich nicht nur an seinen Freundeskreis richten möge. ~~~ "Ich lebte die Montaru-Bilder von Baumeister: Diese schwarze Mitte hat auch die Eigenschaft des Nichts, des Vakuums, der Leere. So wird eine Wirkung und Gegenwirkung in einer einzigen Form gezeigt."

-GEE

Autor:

Salomon, Peter

RTB 114 - Der Außerirdische. Stories

(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 114)
85 S., Klappenbrosch., Fadenheftung, 2022

ISBN 978-3-89086-522-5

"Du schreibst so unverdruckst und schamlos über Sex, wie es notwendig und unersetzbar ist. In hoher literarischer Qualität über solche Themen zu schreiben, traue ich nur höchst wenigen zu. Du beweist mit Deinen Texten, dass ein Alterswerk überhaupt nicht weise, schlaff sein und den langen Bart des Immerschongeschriebenen haben muss."

(Hermann Kinder, 2021 in einer Mail an den Autor)

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"Immer wieder verbindet sich in den stories das Alltägliche oder Berufliche mit dem Erotischen: Das, was Männer an Männern anziehend finden können oder was Männer mit Männern sexuell tun, wird genauso direkt und schnörkellos beschrieben wie die Beschaffenheit der dem Ich-Erzähler von seinem Vater, der wie Salomons Vater Arzt war, geschenkten 'Granate'."

(Stefan Hölscher, Rezension im Signaturen-Magazin)


Vollständige Rezension: HIER

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"Salomon hebt in einer makellosen Sprache das Pornografische auf und führt es lakonisch über in Literatur."

(Siegmund Kopitzki, Rezension im 'Südkurier' vom 12.05.2022)


Vollständige Rezension: HIER

Autor:

Kiefer, Reinhard , Leisten, Christoph ,

RTB 115 - Wolfgang Koeppen in Salt Lake City

Essays

(Rimbaud Taschenbuch Nr. 115)
214 S., geb. mit Leinen u. Fadenheftung, 2022

ISBN 978-3-89086-309-2

In drei Kapiteln widmet sich der vorliegende Band Wolfgang Koeppens Begegnung mit Salt Lake City. Im einleitenden Essay nähert sich Christoph Leisten zunächst dem Leben und dem Werk Koeppens, um dann den Entstehungsprozess sowie zentrale Motive der „Amerikafahrt“ zu skizzieren und schließlich seine eigene, persönliche Tuchfühlung mit dem Autor in den Blick zu nehmen. Das zweite, zentrale Kapitel ist Wolfgang Koeppens Original-Text über Salt Lake City aus „Amerikafahrt“, der uns freundlicherweise vom Suhrkamp Verlag für diese Ausgabe überlassen wurde, vorbehalten. Im dritten Teil beschäftigt sich Reinhard Kiefer eingehend mit Koeppens Text und mit der darin dargestellten Kultur der Mormonen. Dabei werden Ursprung und Geschichte des Mormonentums intensiv beleuchtet und die kultur-, literatur- und religionsgeschichtlichen Hintergründe deutlich gemacht.

Inhalt:

Vorbemerkung - Bernhard Albers

Annäherung an Wolfgang Koeppen - Christoph Leisten

Salt Lake City - Wolfgang Koeppen

Mormonische Skizzen - Reinhard Kiefer