Blum, Klara

(1904, Czernowitz – 1971, Guangzhou, China)

 

Über Klara Blum

Geboren wurde Klara Blum in Czernowitz als Tochter jüdischer Eltern. Mit dem Gedicht «Ballade vom Gehorsam» gewann sie den Literaturpreis der «Internationalen Vereinigung Revolutionärer Schriftsteller». In Moskau lernte sie den chinesischen Kommunisten und Theaterregisseur Zhu Xiangcheng kennen, verliebte sich in ihn und verbrachte vier glückliche Monate mit ihm. Dann verschwand er spurlos und für immer. Um ihn zu finden, fuhr sie um die halbe Welt, ging nach Shanghai, seiner Heimatstadt.

In ihrer Lyrik werden verschiedene Epochen reflektiert: das galizische Schtetl mit seinen Märchen und Mythen, das Rote Wien der 20er und beginnenden 30er Jahre, Moskau vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg, die kommunistische Machtübernahme in China.

Klara Blum änderte nicht nur häufig ihre Wohnorte, sondern auch mehrmals ihre Staatszugehörigkeit. Doch an ihrer jüdischen Identität hat sie immer festgehalten, wenn auch die Zeitströmungen sie in verschiedene Richtungen trieben: «Ich bin nicht heimatlos. Ich bin zuhaus / In Ost und West, in jeder Judengasse.»

 

 

 

 

 

Werk

Blum, Klara

Liebesgedichte

Czernowitzer Ghetto (I) Die alten Gäßchen ziehn sich eng zusammen. Der Boden hinkt und holpert im Zickzack. Aus schweren Leuchtern zucken kleine Flammen. Der Witz treibt mit dem Unglück Schabernack. Die Augen funkeln, doch die Wangen blassen, Der Kaftan reißt, die Schläfenlocke bebt, Wenn, halb erstickt in seinen Pariagassen, Ein Volk noch stöhnend, höhnend weiterlebt. Die Mauer fiel vor mehr als hundert Jahren, Und dennoch blieben sie im dumpfen Nest. Das Elend hielt sie an den Schläfenhaaren In ihrem engen alten Ghetto fest.