Die unsichtbare Zeit

Christian Saalberg

Frühe Gedichte
1963 – 1985
Mit einem Nachwort von Jürgen Brôcan.
Herausgegeben von Viola Rusche.
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 75)
149 S., brosch., 2012

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ISBN 978-3-89086-476-1

Morgengebet eines Poeten

Herr mein Gott, mache, daß ich den Wächtern / entkomme, ohne deren Wissen ich heut Nacht / die mit schwarzen Tüchern verhängten Nischen / im Gemäuer der Infanterie-Kaserne (die / Schaufenster der Schatten) und das schöne / Tor zum Phönix-Park mit Vögeln behängt habe, / deren Lockruf das Schweigen in den fernen Wäldern / aufhorchen läßt und die Reihen der Jäger lichtet, / der Reiter, deren Hellebarden schon Feuer fangen / und denen das Wild im dürren Holz prasselnd / durch die Lappen geht.
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Christian Saalberg, geboren 1926 in Hirschberg, starb im Mai 2006 in Kronshagen bei Kiel. Das Pseudonym Saalberg leitet sich von dem gleichnamigen Ort (dem heutigen Zachelmie) im Riesengebirge her. Im bürgerlichen Leben war Christian Saalberg Rechtsanwalt und Notar. Er veröffentlichte zahlreich in namhaften Zeitschriften. Von 1963 an veröffentlichte er 23 Gedichtbände, zuletzt 2005 Offenes Gewässer. 1988 erhielt er den Lenau-Preis, 1990 die Ehrengabe zum Andreas-Gryphius-Preis, 1992 den Eichendorff- Preis und 1998 wurde Saalberg der Lyrikpreis der Künstlergilde Esslingen verliehen.