RTB 064 – Briefe 1955-1983

Die Liebe zur Literatur hat sie zusammengeführt: Hans Bender , den Schriftsteller und Herausgeber in Mannheim und Köln, und Rainer Brambach, den Gartenbauarbeiter und Lyriker in Basel. Briefe über Bücher und Autoren, Freunde und Frauen, über den Beruf, den Alltag und was sie mehr bewegt als die Tendenzen oder Moden der Zeit: das Handwerk ihres Schreibens.


Spontante, heitere, traurige, ganz persönliche Briefe, die eindrucksvoll die Freundschaft dokumentieren und zudem Einblicke vermitteln in die Literaturgeschichte jener vergangenen Tage.

LTB 139 – Klüfte / Klagen / Klärungen

Wunsch

In Räume möcht’ ich stürzen, ohne Ende,


ohn’ Dach und Boden, ohne enge Wände,


und gleiten durch des Weltenraumes Kluft!


Hinab, hinab in ungeahnte Tiefen,


wo Sphärengeigen lockend nach mir riefen,


und mich umfinge wundersamer Duft …

Losreißen möcht’ ich mich von dieser Erde,


daß frei und rein und sorgenlos ich werde


und leichtbeflügelt wie der Frühlingswind!


Daß nicht der trübe Alltag mich gefangen,


geknechtet hielte: dies ist mein Verlangen! –


… Ob ich den Weg wohl einmal, einmal find’?

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Mit diesem Band wird das lyrische Debüt des Dichters zugänglich gemacht. Der Abdruck der Gedichte in dieser Ausgabe entspricht der im Leipziger Sphinx-Verlag 1914 erschienen Originalausgabe.

LTB 138 – Zurichtungen

Irma

diese helllichte Lichtung


soll dein Zuhause sein


ich halte dich unten


ich halte dich klein

auf dich wartet Qual


hier sollst du gebären


hier sollst du ackern


mit Mühsal dich nähren

deine Kinder und Enkel


werden sich plagen


deine und eigene


Wunden und Narben

weiterzutragen


weiterzugeben


weiterzuleben

im seelischen Elend


im psychischen Dreck


in der eigenen Scheiße


dem besten Versteck

RTB 121 – Ikone Stefan George

Dieses Buch versucht den eigensinnigen Weg Stefan Georges als Dichter und Homosexueller nachzuzeichnen.

„Ich küsste die dargebotene Hand: Meister, was soll ich tun? Er zog mich an seine Brust empor. Er hielt mich stark und ich ihn. Leise sagte er immerfort ‚Junge, lieber Junge. Lieber.‘ Wie ich dies aushalten konnte, heute weiß ich es nicht mehr. Es war ein furchtbares, ein unsägliches, glückseliges, verruchtes und hohes Erlebnis mit vielen feinen Schauern des Glücks, mit ebenso vielen Blicken in einen unendlichen Abgrund. Ich war Spielzeug in seinen Händen, ich liebte und haßte zugleich. Der ganze Mensch! Leib und Seele, nicht nur der Geist allein – das ist George. Es steckt in ihm der Wille zur Antike. Das sind Kräfte, die nur ein Erwählter hat, in dem Gott groß ist.“

Ernst Glöckner

“Stefan George war homosexuell; er hat’s erfunden.”

Rainer Werner Fassbinder in: ‘Satansbraten’ (1976)

Venedig, 1911 – Hörfassung

Ein erfolgreicher deutscher Dichter will im Grand Hôtel einige Tage mit einem Jungen Alles Schöne geniessen:

“Wie lächerlich ist der Glaube, dieses harmlose Vergnügen vermöchte einen Künstler zu zerstören! Wie kann ein ächter Künstler sich entfalten -, sollte es auch das gesunde Volksempfinden verletzen -, wenn er sich von kleinbürgerlichen Vorurteilen einschränken lässt?”

Anders als in Thomas Manns Meisternovelle “Der Tod in Venedig” kommt in Martin Franks “Venedig, 1911” auch Tazio zu Wort.

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“Auf artifiziell höchster Ebene vermittelt Martin Frank nach Luchino Visconti und Benjamin Britten einen weiteren Zugang zu Thomas Manns Novelle.”

– Bernhard Albers

Der tiefblaue Traum

Ein Liebesroman, ein Unternehmerroman: Die Kunst hat ihren großen Platz in diesem klug erzählten, beziehungsreichen Roman, dessen Handlung in Zürich, Berlin, Boston und in China angesiedelt ist. Ein junger Mann und eine junge Frau, Aimée, Tochter eines bekannten Kunstmalers, ziehen am Ende der 1980er-Jahre einen florierenden Computerhandel mit PC-Clones aus Fernost auf. Sie betreiben den Handel nach den Regeln des Handwerks, verkaufen ihre Ladenkette dann aber doch, um Kunst zu sammeln und die bedeutende Privatsammlung des Kunstmalers zu betreuen. Die beiden gehen später fest davon aus, dass die Maschinen in hundert Jahren alles übernommen haben werden und die einzige Möglichkeit, etwas Menschliches hinüberzuretten, darin besteht, jetzt Kunst zu sammeln, die nicht maschinenlesbar ist. Kunst also, die auch von den Künstlern selbst nicht verstanden wird – so wie die Liebe.


Ein hinreißender Roman über sich wandelnde Haptik, sich verändernde Träume und die stete Suche nach dem Eigentlichen.

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“Perikles Monioudis gehört zu den wenigen zeitgenössischen Autoren, deren Werk von der beharrlichen Entwicklung einer originären Poetik zeugt.”

-Neue Zürcher Zeitung

Eine solch gute Geschichte lesen wir jetzt wieder im neuen Roman von Perikles Monioudis – ‹Der tiefblaue Traum›, so heißt das Buch.»”

-Joachim Scholl, Deutschlandfunk

“Indem Monioudis Kunst und Technik aufeinanderprallen lässt, entsteht eine surreale Wirkung, die durch das immer wiederkehrende Motiv des Traums verstärkt wird. Und genau in diesen surrealen Momenten liegt die Stärke dieses Romans. So schafft er – wie der Titel bereits andeutet – selbst ein ästhetisches Erleben, das sich der maschinellen Vermittlung entzieht.”

-Luana Sarbacher, Schweizer Buchjahr

Celan Studien (Neue Folge) 08 – Celan, Weißglas. Die Wasser des Bug

Für Celan waren Flüsse mehr als topographische Gegebenheiten. Er hatte ein Gespür für ihre beinahe metaphysische Bedeutung, und daher konnte ihn die unheilvolle Wandlung des Südlichen Bug von einer utopischen Landschaft religiöser und literarischer Schöpfung, einer Zufluchts- und Pilgerstätte, in einen Ort der Vernichtung nicht unberührt lassen. Besser als irgendjemand sonst vermochte er dieses Paradoxon und den Schmerz über die Vernichtung des jüdischen Volkes in Regionen, die es mit seinem geistigen Reichtum und seiner Kreativität geprägt hatte, in Worte zu fassen. Flüsse prägten Celans Leben und Werk, die Seine, der Rhein, der Bug oder die Oka. Und auch sein Tod steht im Zeichen eines Flusses, da er seinem Leben in der Seine ein Ende setzte.

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Aus dem Vorwort von Andrei Corbea-Hoisie:

“Wenn man eines Tages auf die Idee käme, einen Atlas über die Celan-Forschung der letzten fünf Jahrzehnte zu entwerfen, würde man mit Sicherheit feststellen, dass Paris und Frankreich im Vergleich zu vielen anderen Orten im deutschsprachigen Raum sich zu einem der stärksten und vitalsten Zentren der Auseinandersetzung mit dem Werk des aus der Bukowina stammenden Dichters entwickelte. […] Das an sich unkonventionelle Buch Marc Sagnols fügt dem noch unvollständigen Puzzle des Celan-Wissens ein weiteres wichtiges Einzelteil hinzu. Auch darum verdient es, gelesen zu werden.”

Maulwurfsaugen

Die Nächte in Istanbul sind die Bühnen, um jegliche Lust zu erfüllen. In diesen Nächten trifft der Bräutigam seine Frau, der Mörder sein Opfer. Wie in tausend und einer Nacht muss sie in jeder Nacht um ihr Leben bangen. Ihr Name ist O.

Im Türkischen heißt O „er, sie, es“. Bis ans Ende der Nacht reist O., bis ein Bräutigam seine Arme öffnet. Wie viel anderen hat er schon Versprechungen gemacht. An diesem Abend ist eine Nachtigall zu hören. Auf dem Grund des Meeres spielen niedliche, blinde Kinder mit ausgedienten Sonnen. In den Heckwassern der großen Fähren mischt sich manchmal eine verdorbene Süße mit den Umrissen der Kontinente. Die Möwen schwärmen besonders hoch und ganz geradlinig im Mondlicht des frühen Morgens aus. Die Vögel singen und schreien auf den Häusern, im Himmel, in den Bäumen. Bald wird etwas Neues beginnen.

Wohin schmilzt der Schnee des Winters? Wer ist O.? Wer wird O. sein? Nachts sind alle Katzen grau heißt es, um zu sagen, wie schwer es sich erkennen lässt, wer wer oder was ist.

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“Schablewski rückt häufig ‚Randexistenzen‘ in den Mittelpunkt seiner auch formal außergewöhnlichen Geschichten. In seiner Prosa wie in
seiner Lyrik schließt Schablewski an avantgardistische und experimentelle Traditionslinien an und setzt einige von diesen mit innovativen
Mitteln fort.”

-Jürgen Nelles, Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Moses Rosenkranz – Leben in Versen

Ende der 50er Jahre entstehen neben Gedichten Moses Rosenkranz‘ autobiographische Schriften „Kindheit“ und „Jugend“ und das Romanfragment „Der Hund“, eine fiktionale Gestaltung seiner Lagererfahrungen anhand des Lebensweges eines KZ-Schäferhundes.
1961 gelangt Moses Rosenkranz in die Bundesrepublik, wo er lange unbekannt bleibt, und widmet sich der Aufarbeitung seines Werkes, bis er 2001 durch „Kindheit“ wiederentdeckt wird. Er stirbt mit fast 99 Jahren am 17. Mai 2003.

Die Interviews und Lyriklesungen durch den Autor, die Mitte der 90er Jahre entstanden, sind die einzigen Filmaufnahmen von Moses Rosenkranz. Die Dokumentation bietet einen Einblick in das außergewöhnliche Leben und Werk des deutschsprachigen Autors und in die Literaturlandschaft der Bukowina.

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Diese Dokumentation zeigen wir mit freundlicher Genehmigung der Matthias-Film gGmbH.


Den Film können Sie bei der Matthias-Film gGmbH käuflich erwerben, weitere Informationen finden Sie hier.

RTB 118 – Rattenroman

Hier werden die 1980er Jahre wieder lebendig, ihre Lebensverhältnisse, Sprache, Moden, Ideen, Wege und Irrwege. Köln und Wuppertal. Und Hameln. Ratten. Männer, Frauen, Knaben. Große Verwirrung der Gefühle.

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„Kompliment. Gute Komposition und ein spannender Ablauf. Mir hat das gefallen.“

-Fritz J. Raddatz


„Seit dem ,Ratten-Roman‘ (1986) treibt Friedrich Kröhnke sein Unwesen als unterhaltsamer Erzähler, der frech die Abgründigkeiten etablierter Institutionen aufdeckt. Es ist kein Wagnis, diesem Talent eine große Zukunft zu prophezeien.“

Der Tagesspiegel