Gloeden, Plüschow, Galdi. Aktphotopraphien um 1900

Mit Versen von Konstantin Kavafis.

Reinhard Kiefer – Die Umarmung

Die Umarmung bildet den Zwillingsband zu Thomas Mann. Letzte Liebe, der bereits erschienen ist. Reinhard Kiefer schreibt empathisch und mit ausholender kulturgeschichtlicher Geste in diesem vorliegenden zweiten Band die Erzählung über die letzten Sehnsüchte des Literaturnobelpreisträgers fort, die Einsicht in das schwindende Begehren, das Schwindende schlechthin.

Ein lebenskluges Buch ohne jede Larmoyant, das uns auch die Schauplätze Zürich und die Niederlande, zwei von vielen Aufenthaltsorten Thomas Manns, auf eigene Weise näherbringt.

LTB 144 – Dagmar Nick: Wegmarken

Dagmar Nick, geboren 1926 in Breslau, ab 1933 in Berlin, gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen nach 1945. Seit 1947 veröffentlichte sie zahlreiche Lyrik- und Prosabände, Reisebücher und Hörspiele. Sie ist Mitglied des PEN und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und lebt heute in München. Seit 1990 erscheint ihr Werk im Rimbaud Verlag.

LTB 143 – Wilhelm Lehmann: Sichtbare Zeit

Wilhelm Lehmann : Sichtbare Zeit

Das letzte Gedicht dieses Bandes rühmt das Dasein, „Anfang und Ende“ (S. 38). Es preist das Leben als „flüchtige Dauer“, denn das Leben des Individuums ist „flüchtig“, bemessen, doch das Leben selbst geht darüber hinaus. Zugleich ist der Tod nicht nur Vernichtung, Auflösung, sondern „Anfang“ zu etwas Neuem, Unbekanntem, dem man nur zustimmen kann:

Flüchtige Dauer sei gegrüßt,

Ende, das der Anfang süßt.

Ende als Anfang

Wie Kern in der Nuß:

Tiefe Begegnung,

Williger Schluß!

Rimbaud – Kleine Verlagsgeschichte 2015–2025

 

Seit 2020 befindet sich das Archiv des Rimbaud Verlages in der Hand der Berliner Akademie der Künste. Rimbaud Verlag im Archiv der Berliner Akademie der Künste

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Weitere Informationen zum Rimbaud Verlag und dem Verlagsprogramm finden Sie hier.

Den Artikel “Die Erfolgsgeschichte des Rimbaud Verlages” aus der Aachener Zeitung (2001) finden Sie hier.

Den Artikel “Im Abseits” aus der Aachener Zeitung (2006) finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2

Richard Dove: Farbfleck auf einem Mondrian-Bild

Cover „Farbfleck aus einem Mondrian-Bild“

Der Boogie-Woogie-Raster, der unser Hiersein bestimmt,

wirkt reichlich angestaubt, mit Verlaub;

wer kriegt das Techno-Konzept hin,

das Bild, das (sagt man) zu malen ist jenseits der Menschen?

Farbfleck (30) sucht Farbfleckin (18 bis 25):

Wir brauchen uns mehr denn je, denn unser Erfinder

vermodert unumkehrbar in einem fernen Bezirk.

Aus dem Titelgedicht Farbfleck auf einem Mondrian-Bild

LTB 142 – Alltag der Augen

Fels und Mond

Des Mondes spitze Sichel wetzt


die Scharte des Gebirges scharf,


das glüht noch von der Sonne jetzt,


die über Tag die Strahlen warf.

Wie Wäschestücke, ausgesetzt


zur Bleiche, liegen kleine Zipfel


und Fetzen Schnees noch von zuletzt


auf steilen Hängen unterm Gipfel.

Allmählich blaßt der rote Rücken,


und auf dem Felsendach die Lappen


von Schnee sind wie verzinkte Lücken.

Die Zähne des Gebirges schnappen


wie hungrig nach dem goldnen Kipfel


des Monds, der hochschwebt … unverletzt!

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Aus dem Nachwort:

Die in der Barockzeit beispielsweise bei Gryphius vorherrschende strenge Form [des Sonetts] wurde bis zur Gegenwart häufig nachgeahmt, variiert oder auch parodiert. Victor Wittner löst die feste Form dagegen manchmal sogar teilweise auf, so dass vom Sonett nur noch ein Rumpf übrigbleibt, indem er z.B. den vorgegebenen Strophenbau variiert oder eine Coda, einen abschließenden Vers, hinzufügt. […] Ein „erstaunliches Formvermögen“ bescheinigt der Kritiker der „Neuen Zürcher Zeitung“ Victor Wittners Sonetten und eine „linguistische Equilibristik, die der Sprache den Meister zeigen will und zeigt“. Aber auch aktuelle Stimmen sind von den Sonetten überzeugt. So urteilt der Lyriker Richard Dove, dass die Sonette Victor Wittners „ein sehr starker Zyklus sind, dessen anfängliche Frivolität umso unerbittlicher in harte, wahre existentielle Einsichten umschlägt.“ Zudem könne der Zyklus sogar mit „Hofmannsthals Lebenslied konkurrieren“. Der Literaturwissenschaftler und Lyriker Reinhard Kiefer weist im Gespräch darauf hin, dass den zeitgenössischen Sonetten „ein Kompendium alltäglicher und durchaus trivialer Begebenheiten entgegengesetzt wird“.

Thomas Mann. Letzte Liebe

Trotz der Zufriedenheit, trotz der Gewißheit, große Tage verlebt zu haben, die so gewiß nicht mehr wiederkommen, spürte er in sich zugleich einen starken Mangel an Rührung, an Betroffenheit. Was hatte man denn in solchen Augenblicken des Triumphs, und von solchen hatte er ja schon recht viele erlebt, zu empfinden? Er wußte es nicht mehr genau. Vielleicht hatte er es vergessen. «Was man alles vergißt. Manches will man ja auch vergessen. Man ist dann recht dankbar, wenn es gelingt.» Etwas in ihm war schon sehr weit, schon in Auflösung. Was geschah, das waren Variationen, Wiederholungen auf freilich hohem Niveau.

LTB 141 – Dein Ich ein in die Luft geworfener Stein

Möge der vorliegende Band, der anlässlich des 90. Geburtstages von Albert von Schirnding erscheint und die Entwicklung seiner Lyrik über einen Zeitraum von 70 Jahren nachzeichnet, dazu beitragen, diesem bemerkenswerten, hochgebildeten und zugleich so bescheidenen Dichter, der sich nie an modische Attitüden verloren hat, sondern literarisch stets seinen eigenen Weg gegangen ist und weiterhin geht, jene Aufmerksamkeit zu bescheren, die ihm gebührt.

Neunzehnhundertvierzehn


(Vor einem Bild von August Macke)

Begegnungen


auf einer Brücke


aus hellem Holz

Begrüßungen


flüchtig und heiter


blaue Mützen rote Hüte


im Nachmittagslicht

Wir müssen weiter


ihr dahin wir dorthin


Unser Maler


hat keine Zeit zu verlieren


Ihn ruft


der schönste Tod

RTB 124 – Echnaton als Henotheist

Zum ersten Mal in der Geschichte ändert ein Pharao seinen Geburtsnamen in Echnaton, «einer, der wirksam ist für Aton» und übernimmt die persönliche Verantwortung inform von Richtlinien für ein Gesamtkunstwerk.


Große Teile des Gesamtkunstwerks Echnatons sind nach über dreitausend Jahren wie durch ein Wunder, von Naturgewalten unbeschadet, strahlend wieder auferstanden. Herrlich erhalten in den Pylonen Karnaks, im Sand von Amarna und im Grab Tutanchamuns. Wieder ist ein Versteck der Alten Welt entzaubert.


Was wir dagegen hinterlassen, hat keinen ästhetischen Wert. Die Entdeckung unserer Verstecke wird den Ungeborenen apokalyptische Todesqualen bereiten.