Schneefall in Amiens

Ákos Györffy wird von vielen als pantheistischer Dichter angesehen. Im Lyrikband Schneefall in Amiens entführt er den Leser zu traumhaften Touren in imaginierte Landschaften, eigentlich seine Lieblingsgebiete: Flussufer, von der Natur zurückeroberte Täler, der verlassene Weinberg, die menschenleere Meeresbucht – Koordinaten, zwischen denen es sich noch lohnte zu leben. Er befasst sich mit den quälendsten Fragen des Menschen in einer seiner unwürdigen Welt, sucht nach Ursachen und Verantwortlichen, weist Wege des Ausgangs. Den Gedichten wohnt Ehrlichkeit,  Einfachheit, Schlichtheit inne. Mit leisen, zur Meditation anregenden Gedichten haben wir es hier zu tun.

Die Tochter des Glasbild-Fabrikanten

Die Tochter des Glasbild-Fabrikanten

Immer in der Nacht, /
wenn sie in weißer Seide /
über das mondne /
Katzenkopfpflaster des Innenhofs /
schreitet und /
alle Uhren im Hause verstummen, /
ziehen dreißig Künstler /
ihre schwarzen Tellerhüte /
und malen ihr Bild /
in die Madonnen ihrer Glasfenster; /
breitwangig, /
mit dem Duft hellweißer Oblaten; /
die Augen aber, /
in Malvenwasser gebadet, /
innen ganz blau, /
und die Arme malen sie /
rund, französisch kalt, /
wie auch die Nächte sind, /
wenn sie im weißen Kleid /
den Innenhof durchschreitet /
und zurückschaut. /
Sie sieht nicht, /
wie am Apfelbaum /
das violette Blut entlangläuft

Unterwegs nach San Borondón

Unterwegs nach San Borondón

Wer war ich, was bezweckte meine Reise? /
An Ceuta fuhren wir vorbei, der Zaun, /
An dem Flüchtlinge hingen, klirrte leise

Hinüber nach Gabeltariq. Das Grau’n /
Des Abendlandes lichtete sich ein Stück, /
Gedämpft die Galgenschreie des Alraun.

Sein Himmelsgewölbe nahm Atlas zurück, /
Fad schmeckte uns die Hesperidenfrucht. /
Atlantiswärts wendeten wir den Blick,

Ergaben uns treuherzig unsrer Sucht. /
Das Kreuz des Südens strahlte uns entgegen, /
Das eigne Firmament schwand in der Schlucht …

(Auftakt des Titelgedichts)

“Der polyphone Klang von Richard Doves Lyrik verdankt sich vor allem der Kunst, ein der Oberfläche abgelauschtes Vokabular und die Stimmen der literarischen Tradition in genaue Bilder aus ‘Byrons Gruft’ zu verwandeln.” – Nico Bleutge, Neue Zürcher Zeitung

Hier finden Sie weitere Informationen über den Gedichtband und den Zyklus, sowie weitere kritische Stimmen.

zentralgestirn

nachtspiel

deine beobachtung schafft sterne, geschliffene bilder, einen mond /
dessen schatten dem meer folgt. hörst du den himmel rauschen /
über dem horizont weht ein verlassener wind, fordert die bewegung /
des schlafs, auf dessen planken du stehst und in die träume einbrichst /
träge zieht das schiff seine bahn, wenn dir die kugel ins glas sinkt /
treiben umher weithin verstreute horizonte, gekreuselte wellen /
wasser, das abfließt, zurückkehrt, sich türmt. zugvögel schlagen die luft /
unter ihren flügeln dreht sich der wind. es ist das ufer, das sich bewegt /
bleibt nur die sonne im hafen. weit hinter den schlaf gefallen /
verbrennt sie die dunkelheit.

Paul Celan in den Händen von Experten

Dichtung und Wahrheit

Michael Guttenbrunner wurde 1919 in Althofen in Kärnten geboren. Er lebte seit 1954 in Wien, wo er 2004 starb. Seine präzise Arbeit am Text ist an Karl Kraus geschult. Mit seinem Werk ist er für die österreichische Literatur durchaus das, was Ludwig Hohl für die Schweiz bedeutet.

 

Fünf Liter Zuika – 4. Teil

Wie übersteht ein siebenbürgischer Bauernhof den Frieden von Trianon und den Rutsch aus dem Abendland in den Balkan? Wie Martin Luthers Feste Burg und Hitlers tausendjähriges Reich? Wie die Deportation nach Rußland und wie Stalin, den weisen Lehrmeister aller Völker, wie schließlich 1967 den Händedruck von Ceausescu und Willy Brandt? Und wie die späte Rückkehr in das Land, aus dem die Vorfahren vor 850 Jahren ausgewandert sind? Paul Schuster hat aufgeschrieben, was der Ortsgeist von Kleinsommersberg ihm diktiert hat.

 

Fünf Liter Zuika – 7. Teil

Wie übersteht ein siebenbürgischer Bauernhof den Frieden von Trianon und den Rutsch aus dem Abendland in den Balkan? Wie Martin Luthers Feste Burg und Hitlers tausendjähriges Reich? Wie die Deportation nach Rußland und wie Stalin, den weisen Lehrmeister aller Völker, wie schließlich 1967 den Händedruck von Ceausescu und Willy Brandt? Und wie die späte Rückkehr in das Land, aus dem die Vorfahren vor 850 Jahren ausgewandert sind? Paul Schuster hat aufgeschrieben, was der Ortsgeist von Kleinsommersberg ihm diktiert hat.

 

Fünf Liter Zuika – 6. Teil

Wie übersteht ein siebenbürgischer Bauernhof den Frieden von Trianon und den Rutsch aus dem Abendland in den Balkan? Wie Martin Luthers Feste Burg und Hitlers tausendjähriges Reich? Wie die Deportation nach Rußland und wie Stalin, den weisen Lehrmeister aller Völker, wie schließlich 1967 den Händedruck von Ceausescu und Willy Brandt? Und wie die späte Rückkehr in das Land, aus dem die Vorfahren vor 850 Jahren ausgewandert sind? Paul Schuster hat aufgeschrieben, was der Ortsgeist von Kleinsommersberg ihm diktiert hat.

 

Fünf Liter Zuika – 5. Teil

Wie übersteht ein siebenbürgischer Bauernhof den Frieden von Trianon und den Rutsch aus dem Abendland in den Balkan? Wie Martin Luthers Feste Burg und Hitlers tausendjähriges Reich? Wie die Deportation nach Rußland und wie Stalin, den weisen Lehrmeister aller Völker, wie schließlich 1967 den Händedruck von Ceausescu und Willy Brandt? Und wie die späte Rückkehr in das Land, aus dem die Vorfahren vor 850 Jahren ausgewandert sind? Paul Schuster hat aufgeschrieben, was der Ortsgeist von Kleinsommersberg ihm diktiert hat.