Autor: Manger, Itzik

Der Prinz der jiddischen Ballade

Gedichte
Übertragen aus dem Jiddischen von Rose Ausländer, Alfred Margul-Sperber, Selma Meerbaum-Eisinger und Alfred Kittner
Herausgegeben und mit einem Essay von Helmut Braun
(Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 66)
(Lyrik-Taschenbuch Nr. 78)
158 S., brosch., 2012

ISBN 978-3-89086-445-7

Der Mönch Der Weg funkelt silbrig und messergleich Gräbt er sich tief in die Ebene ein. Luftspiegelungen. Der Mondenschein. Und ein finsterer Mönch durchschreitet dies Reich. Der Frühling, das Kind, die Wiese, der Teich, Lächeln, berauscht von Duft wie von Wein: «Tritt in den Bannkreis der Veilchen hinein!» Aber der Mönch schreitet hager und bleich. Näher und nah, einen Dolch in der Hand … Ein Blitz! – blaues Lenzblut bespritzt sein Gewand! Entsetzt fliehen Kind und Teich übers Feld … «Dein Blendwerk, o Luzifer, ist nun verweht!» Er kniet und bekreuzt sich, und vor ihm ersteht Die andre, ersehnte, die ewige Welt! Niemand weiß genau zu sagen, wer den Ehrentitel «Prinz der jiddischen Ballade» für Itzik Manger erfunden hat und niemand weiß, wann er das erste Mal so genannt wurde. Selten aber wurde ein solcher Ehrentitel mit mehr Berechtigung verliehen als für den jiddischen Dichter, dessen geschliffen funkelnde Lyrik den Leser fasziniert und beglückt. Geboren wurde er in Czernowitz, der Stadt, die auch der Geburtsort von Rose Ausländer und Paul Celan ist, der Stadt, die als Vielvölkerstadt gerühmt wird, in welcher Menschen mit verschiedensten Religionen, aus unterschiedlichen Kulturen, in fast babylonischem Sprachengewirr, friedlich nebeneinander lebten.