Autor: Albers, Bernhard

Können Verlagspreise die Buchkultur retten?

Der Deutsche Verlagspreis 2020 wurde vergeben! 334 Verlage haben sich beworben. Eine Jury maßte sich an, die Verlage nach „Qualität, Nachhaltigkeit und Innovationskraft“ zu beurteilen. Jedoch erinnern Gütesiegel und Prämien wohl eher an die Etikettierung der Fleischindustrie. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn von 66 ausgewählten Verlagen 30 den Preis wiederholt erhalten. Hier sind unserer Meinung nach Lobbyisten am Werk. In der Tat wird als Partner die Kurt-Wolff-Stiftung genannt, es wundert überhaupt nicht, dass eine Vielzahl der Preisträger dort zu finden ist – sogar der dreiköpfige Vorstand ist wiederholt vertreten, jedenfalls 2019 (in diesem Jahr sind es zwei).

Man hat den Eindruck, die Apparatschiks bestimmen das Wohl der Verlagswelt, und alle sind ruhig, denn sie hoffen auch einmal an den Geldhahn zu kommen. Warum vergibt die Kurt-Wolff-Stiftung nicht gleich den Deutschen Verlagspreis, in der Preisvergabe hat sie ja jahrelange Erfahrung und das Ministerium hätte Kosten gespart. Jedenfalls ist der Rimbaud Verlag schon vor Jahren aus der Kurt-Wolff-Stiftung ausgetreten, zu einer Zeit, in welcher schlaue Literaturschieber immer hemmungsloser wurden: Projektförderungen werden nach dem sogenannten 'Windhundverfahren' vergeben. Einfach lächerlich!

"Die Flut schlechter und mittelmäßiger Bücher nimmt zu, die guten und herausragenden Werke werden weniger (...) Trotz aller Anstrengungen ist dieser Tatbestand nicht mehr umzudrehen: Die Menschheit ist mit mittelmäßgien Dingen zufrieden, sie will es nicht anders."

- Michael Krüger

Der Rimbaud Verlag stellt sich seit vierzig Jahren gegen diesen Trend. Ein Verlagspreis ist eine Auszeichnung und kein Geldsegen. Der Rimbaud Verlag ist da, notwendig, gewachsen wie ein Lebendiges und deshalb rund und bewehrt nach allen Seiten:
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Vor fast 20 Jahren, 2003, bekam der Rimbaud Verlag den Horst Bienek Förderpreis. Wir sind unserem Programm treu geblieben:
Hartnäckig und eigenwillig, entschieden zentriert um einige Autoren und doch für Überraschungen offen, hat es sich der Aachener Rimbaud Verlag zur Pflicht gemacht, der zeitgenössischen Lyrik und insbesondere der fortexistierenden und fortwirkenden deutschsprachigen Literatur von Czernowitz und der Bukowina ebenso sorgfältig und traditionsbewußt zu dienen wie der Gattung der Autobiographie und einer Essayistik, welche auf hohem Niveau die zeitgenössische Lyrik und Malerei deutet. Mit seinem Programm hat sich der Verlag ein Profil gegeben, das Respekt und Anerkennung aller verdient, die mit der Literatur leben.