Franz Schreker (1878–1934) zum 50. Todestag

Lieber Freund, wir beide stammen aus jener guten, alten Zeit, wo die unsympathischen Menschen sich als solche kenntlich machten, indem sie uns «Neutöner» nannten, Wie sollen wir uns in einer Gegenwart zurechtfinden, wo sie uns «Romantiker» heißen?
(…)
Dürfen wir nicht damit rechnen, daß auch die, denen wir heute als Romantiker nichts mehr zu sagen haben (was sie brauchen konnten, haben sie längst gestohlen) in weiteren zehn oder zwanzig Jahren dort sein werden, wo die Gegner unserer Jugend von allem Anfang an hingehört haben?
Jedenfalls: wir können scheinbar warten; wir können uns das leisten.
Auf Wiederhören in zwanzig Jahren!

Dein
Arnold Schönberg
7. März 1928
Anbruch X. Jg. Nr. 3/4 1928

Jahnn Studien 02.: Versuch über Hans Henny Jahnn

Am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin sah ich ihn zum letztenmal. Ein Wochenende im November 1959. Jahnn kaufte sich eine Fahrkarte nach Hamburg, seine letzte. War schon erkältet, klagte, wollte nach Hause. Sprach von dem bevorstehenden 65. Geburtstag am 17. Dezember, auf den er sich freute. Er hat ihn aber nicht mehr erlebt. Am 29. November 1959 starb er einen ärmlichen Krankenhaustod der Unbemittelten … Jahnn mißtraute den Verheißungen des Christentums ebenso wie einer säkularisierten bürgerlichen Kunstreligiosität. Der Gedanke an den Staub machte ihn schaudern. Auf Erhaltung des Gebildes Leib auch nach dem Sterben war er aus: die Balsame der Ägypter, erfunden zur Erhaltung der Materie Einzelmensch, hat er immer wieder beschrieben und gepriesen. War das nicht zu erlangen, so kam alles darauf an, die verwesende Materie vor Neugier zu schützen. Jahnns Bauwerke sind gewaltige Nekropolen, die sich dem Tod entgegenstemmen.

Vakher

«Vakher» erzählt die Geschichte des im neunzehnten Jahrhundert lebenden Sexualmörders Vacher nicht als konventionelle Kriminalstory, sondern als surreale Enthüllung von Ungeheuerlichkeiten und Geheimnissen: «Die Lektüre des Surrealismus», so schrieb Hülsmanns einmal, «habe ich integriert, aber nicht auf sterile Weise durch einfache Übernahme, sondern durch Verarbeitung und Einbeziehung der Errungenschaften, die wir der surrealistischen Bewegung wohl ein für allemal verdanken.»

Zwischenland

Aus dem Gedichtwerk stellt diese Ausgabe eine repräsentative Auswahl vor, die zeigen soll, daß es sich lohnt, an den Dichter zu erinnern.

Gelbe Leidenschaften. Les amours jaunes

Weil Form nur faßt … Hommage à Beauclair

EM Hörspiele Teil 02 – Apologie des Zweifels

EM Hörspiele Teil 01 – Schieferfarbene Wasser

EM Bd. 07 – Flut und Stein

EM Bd. 01 – Ausstellung