RTB 016 – Gottesurteil. Paul Wühr und die Theologie

Kiefers Studie widmet sich einem Dichter, in dessen Werk theologische Motive und Vorstellungen eine zentrale Rolle einnehmen. Paul Wühr ist Zerstörer eines theologischen Dogmatismus und Retter theologischen Denkens für die Poesie.

RTB 014/015 – Huftritt

Der ursprünglich zweibändige, unvollendet gebliebene Roman «Fünf Liter Zuika», 1968 als erstes Werk eines deutschen Schriftstellers aus Rumänien im Westen auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, konnte in Rumänien nicht abgeschlossen werden. Die Arbeit am dritten Band ist erst nach dem Umzug möglich geworden.

LTB 037 – Der Wolkenreiter

Unter den unmenschlichsten Bedingungen hat Kittner nicht aufgehört, Gedichte zu schreiben. Die poetische Bewältigung der ihn umzingelnden feindlichen Realität wurde zum Rettungsring aus der Flut des Grauens.

LTB 084 – Trug doch die Nacht den Albatros

Markt in Tetuan

Still hält die Zeit. Nun singt der Traum von tausend Jahren. /
Mit grünen Gittern ist dein Leben überdacht. /
Und ewig stehn Kabylen lächelnd vor Basaren /
und streichen durch das weiche Fell der Bärte sacht. /

Der schmalen Straßen blauer Schatten fließt und rinnt. /
Burnusse schweben leicht und wehen wie zu Feiern. /
Stumm schreiten Greise Hand in Hand. Aus Schleiern /
glühn schwarze Sterne auf, die voll Verlangen sind. /

Du bist entrückt… Vor Mauern rauscht die Ewigkeit. /
Gelassen taucht am Markt die Wüstenhand /
ins Korn und läßt es träumend leise niederfließen. /

Der Mond schwebt weiß. Von Sternentüchern überspannt, /
summt noch der Markt. Die Augen sehn durch Mauern weit, /
während die Hände reifes Gold zur Erde gießen.

Während der Zyklus «Tolú» bereits seit vielen Jahren in einer eigenständigen Publikation des Rimbaud Verlages vorliegt, vereinigt die vorliegende Ausgabe alle übrigen Abteilungen des 1951 unter dem Titel «Trug doch die Nacht den Albatros» erschienenen, bedeutenden Gedichtbandes von Erich Arendt.

LTB 016 – Bergwindballade

Memento und Bild

Erinnerung als Mahnung in den Vers, Erlebt-Erfahrenes ins Bild zu bringen, das besagt schon der sachlich-spröde Titel von diesem Gedichtband Erich Arendts, entstanden in den Jahren 1967 bis 1976.
Arendt teilte sich schon von ersten Versentwürfen gern einem Adressaten mit, Zustimmung oder Zweifel herausfordernd, auf Einspruch geradezu erpicht, eigene Gewißheit oder Bedenken schon von Beginn an ins Gespräch, in Disput zu bringen, um das Gedicht zu der Gestalt voranzutreiben, die er gelten ließ – jedenfalls bis zum Zeitpunkt des Drucks.

Gerhard Wolf

LTB 020 – Zeitsaum

Augenblicksblind /
du liegst /
unterm Schafott: /

Die gläsernen /
Handschuh! /
Das Nickel! /

Blutätherisch /

du liegst /

und die Weltnadel tickt /

Unterwasserlichtig /
am Zeitsaum /
du /

erreichst dich nicht mehr, /
die Tiefe ist /
außen … /

weltnadelfern

LTB 033 – entgrenzen

Erich Arendt hat seinen letzten Gedichtband 1981, nur drei Jahre vor seinem Tod, ‘entgrenzen’ genannt und man kann das Wort als die umfassende, große Metapher für sein Dasein und Dichten nehmen. Wort, Begriff, Vision, wie man nun will, Begrenzungen des Ortes, der Zeit und der Lebensumstände, günstige wie widrige, zu durchbrechen; Kreuzpunkte zu spüren, zu erkennen, andere Wege zu gehen als alle anderen, Gegebenes nicht hinzunehmen, nicht dieses verflixte Gebundensein auch an das einmal gefundene Wort, selbst den geglückten Vers entgrenzen.

Gerhard Wolf

Jugend. Fragment einer Autobiographie

Moses Rosenkranz kam zur Welt im Jahr 1904 in Berhometh am Pruth, einem kleinen Dorf im Norden der Bukowina. Diese war damals noch ein Kronland der Habsburgermonarchie, mit einem bunten Völkergemisch von Ruthenen, Polen, Rumänen, Deutschen und Magyaren. Im Osten grenzte sie an das Zarenreich. Die Eltern waren Bauern; er wuchs heran als siebtes von neun Kindern.

Die Kindheit verbrachte er bis zum 1. Weltkrieg in den Dörfern zwischen Pruth und Czeremosch. Dann folgten Flucht, der Tod des Vaters, völlige Verarmung; danach Wanderjahre auf Arbeitssuche, später Nazilager, dann zehn Jahre Gulag aus politischen Gründen; danach, im volksrepublikanischen Bukarest, weiterhin nur eingeschränkte Freiheit und erneute Bedrohung. Darum Flucht in den Westen. Das bedeutete für ihn: in die Fremde.

Auch im modernen Literaturbetrieb ein Fremder, lebte er zurückgezogen in einem Dorf im Hochschwarzwald. 92-jährig erblindete er plötzlich und starb sieben Jahre später, am 17. Mai 2003.

Im vorliegenden Band erzählt der junge Rosenkranz seine Erlebnisse auf seiner Wanderschaft in den 20er Jahren auf der Suche nach Arbeit. Über die Stationen Krakau, Triest, Bukarest, Wien, Passau, München, Kehl am Rhein, Straßburg und Paris gelangte er bis Blois an der Loire. Die Zeit in Frankreich verbrachte er hauptsächlich zusammen mit einer Freundin und dem gemeinsamen Kind. Am Ende gehen sie wieder in die Bukowina zurück.

Eros Ionen

Die Künstler der Renaissance und später des Barock haben den toten Körper geöffnet, um Wesen und Physiognomie des Menschen zu sezieren in Bild und Gestalt. Nach diesem Muster verfährt Frank Schablewski heute mit der Sprache. Er hat allerdings mit dem Motiv und der Motivation das Reich des Thanatos mit dem des Eros getauscht. Die Gedichte seines neuen Buches Eros Ionen bestehen aus Schlüsselwörtern, mit denen Liebende sich zu erkennen geben.

Die Idee zu diesem Buch entstand im vergangenen Jahr während eines Stipendiums im Künstlerdorf Schöppingen bei Münster.

Dieses Jahr erhält der 1965 in Hannover geborene Autor den Förderpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf.