LTB 035 – Aus weißen Hallen
Café Moka, das sind 114 Abschnitte mit Notizen zum Alltag in Agadir, mit Märchen aus 1001 Nacht, Taxifahrten, dem Platz der Gehenkten in Marrakesch, Geschichten aus der Zeit nach dem Paradies, Gedanken zum Koran, Ansichten zur arabischen Welt.
Vierzeiler aber wollen nicht repräsentieren, nicht ihren Autor, nicht einmal sich selbst. Es sind keine anerkannten lyrischen Kunstformen, keine Haikus, keine Tankas. Sind es überhaupt Gedichte? Oder sind es Aufzeichnungen, wie sie Bender sonst auch geschrieben hat? Deren Ideal hat Bender in dem Satz gefaßt: «Einige Sätze, die etwas komprimieren und konzentrieren.» Hier in den Vierzeilern wird nicht einmal das mehr versucht: die Substanz, die zu komprimieren und zu konzentrieren wäre, ist Hauch geworden, Duft: etwas, das immer noch Sprache anlockt, Sprache, die zum Menschen gehört. «Nun kommt / ihr summenden Wörter!»
Aus dem Inhalt:
Die Sinngebung des Todes als Gründungsproblem der Ästhetik
Lessing und der Beginn der Moderne
Die Kunst des Abschiednehmens
Eine literaturwissenschaftliche Abschiedsvorlesung über den Derwisch in Lessings «Nathan» und Goethes «Iphigenie»
Vorgriffe auf die Unsterblichkeit
Das Scheintod-Motiv bei Jean Paul
Wahrheit, Trost und Schrecken
Jean Pauls Rede des toten Christus
Goethes Mittagsschlaf auf dem Papst-Thron und Der «Chinese in Rom»
«Judas Wüstenlieder sind unsere deutschen Volksgesänge»
Heines Selbstverständnis als Deutscher und Jude
Ein schöner Zwischenfall der deutschen Musik
Felix Mendelssohn Bartholdy
Joseph von Eichendorff:
Singen als symbolische Handlung
Anmerkungen
unbekanntes meer
schrieb herodot
nordöstlich nord
westlich der welt
die er kannte
unbekannte welt
diesseits
jenseits
der mauern
“Am Ende hat Elisabeth Axmann geschafft, was nicht Vielen gelungen ist: Sie hat nicht nur die sie umgebende Mauer überwunden und die dahinter liegende Welt entdeckt, sondern auch mit Hilfe ihrer ganz eigenen Sprache eine Tür in dieser Mauer geöffnet, damit wir unsererseits einen Blick hinein werfen können, in jene für uns unbekannte, ja unvorstellbare Welt voll Schmerz.”
–Leserbrief von S. List
Als Rose Ausländer – mit Mädchenname Rosalie Scherzer – am 11. Mai 1901 zur Welt kam, galt Czernowitz, die Hauptstadt des Kronlandes Bukowina, als das bedeutendste deutschsprachige Kulturzentrum im Osten der Habsburger Doppelmonarchie. Viele Juden, die insgesamt mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, lasen deutsche Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, interessierten sich für Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Literatur und Philosophie. Man sprach zum großen Teil allerdings ein Deutsch, auf das freilich verschiedene anderssprachliche Einflüsse abgefärbt hatten, das durch neue Wortbildungen und Redewendungen jedoch auch bereichert worden war. Anderthalb Jahrhunderte war die Bukowina eine Heimstätte jüdisch-deutscher Symbiose.
So wenig getan war, mir schien alles getan. Es blieb nur noch darauf zu achten, beim Hinausgehen den großen Torschlüssel abzuziehen und ihn unter einen bestimmten Stein zu legen. Daß ich das noch wußte, freute mich, auch, daß der Stein noch am früheren Platze lag. Zwar das Vergessen wächst schnell wie das Gras, aber Erinnerung besiegt es mit unverwelklichen Blüten.