LTB 121 – Poesies. Gedichte

Das ist die Freude

Das ist die Freude – ein Vogel sein und einen Himmel /

durchkreuzen, wo der Sturm leuchtenden Frieden hinterließ.

Und das der Tod – die Augen schließen, lauschen /

der Stille des Moments, in welchem die Musik beginnt.

Der frühverstorbene katalanische Lyriker Màrius Torres (1910–1942) wandte sich in seinen Gedichten von der trostlosen Realität des Spanischen Bürgerkriegs, der frühen Franco-Diktatur und seines eigenen, von Krankheit geprägten Alltags entschieden ab. Sein am Symbolismus orientiertes Werk zeichnet sich durch hohe Musikalität aus und setzt sich auf sehr eigene, zugleich unmittelbare und abstrakte Art mit Tod und Kosmos auseinander. Nach dem Krieg beinahe vergessen, wurde Torres in den 1960er und 1970er Jahren neu entdeckt und zählt heute zu den Klassikern der katalanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts.

“Wie Novalis (oder vor ihm William Blake und viele andere) träumte auch Torres von jener Stadt, die Schutz bedeutet, die einige real aufbauen wollten oder nach der Apokalypse am Himmel wie auf Erden erwarteten, wobei andere sich mit einem Bild von ihr als Idee zufrieden gaben, als Utopie. Und auch Torres träumte immer noch, bei einer bestimmten Musik, einer bestimmten Luft, bei einem Anflug von Erinnerung, träumte, ohne vergessen zu können, von jener fernen Stadt, die an dieses Neue Jerusalem erinnert, die er eine Stadt der Ideale nennt, die einzustürzen droht, weil die Kräfte der Furien sie verschütten.”

-Kristian Kühn im Signaturen-Magazin

Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

Azra und Kosmás

Kosmás Groß, ein Schriftsteller mit beträchtlichem Bekanntheitsgrad und ebenso großer Öffentlichkeits­scheu, verunfallt in einer Frost­nacht in Berlin. Er zieht sich nach Lesbos zurück, wo sein Großvater mütterlicherseits sein Haus hatte und wo er schon als Kind öfter den Sommer verbrachte. Er frönt zunächst seiner großen Leidenschaft, dem Backgammon, und nimmt, mit den Schicksalen der in Nuss­schalen über die Ägäis Geflüchteten konfrontiert, den Schleppern beim Backgammon das Geld ab, um es den Geflüchteten zurück­zugeben. Dabei lichtet ihn ein Wärter ab – und er fliegt vor der Weltöffentlichkeit auf.

Azra, Berliner Ärztin und freiwillige Helferin auf Lesbos, ist von Anfang an präsent; sie folgt dem flüchtigen Kosmás mit dem Schlauchboot auf die nächste Insel. Ihre neuerliche Begegnung wird von einem fürchterlichen Ereignis überschattet, das über die Menschen dort hereinbricht.

Perikles Monioudis erzählt in hohem Tempo die schicksalhafte Begegnung von Azra und Kosmás in der Ägäis, vom Sog des illegalen Backgammonspiels, von Flüchtlingsbooten, spielsüchtigen Schleppern und einer unerwarteten Katastrophe, die über alle dort hereinbricht.

“Der kann wirklich schreiben, der kann schauen, der kann denken.” – Raoul Schrott im Literaturclub des Schweizer Fernsehens über Perikles Monioudis.

Lehrerbild und Lehrerbildung

Ernst Meister… Versuch einer Annäherung

Die vorliegende Dokumentation des WDR führt in Leben und Werk Ernst Meisters ein. Sie entstand 1979, im Todesjahr des Hagener Dichters, der zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Literatur nach 1945 zählt. Mit Lesungen eigener Gedichte und in Gesprächen mit den langjährigen Freunden Hans Bender, Nikolas Born und Christoph Meckel gelingt der Autorin Birgitta Ashoff ein eindringliches Porträt des Lyrikers.

Im Untergang

Am 24.12.2014 hat das WDR 3 Kulturmagazin “Mosaik” Moses Rosenkranz: “Im Untergang I & II” besprochen.
Die Besprechung finden Sie hier:

Moses Rosenkranz Im Untergang I & II WDR 3 2014

Rosenkranz liest sechs Gedichte aus ‘Im Untergang’: hier

Im Untergang II

Der Band ‹Im Untergang II› ist die Fortsetzung seines 1986 erschienenen Gedichtbuches ‹Im Untergang›. Die in beiden Bänden versammelten Gedichte rechtfertigen den anspruchsvollen Untertitel ‹Ein Jahrhundertbuch›, indem hier die überwältigenden Ereignisse des Jahrhunderts poetisch gestaltet sind: Die Zerstörungen durch den Zweiten, den totalen Weltkrieg, die, von allen Parteien betrieben, nichts verschonten außer der Industrie die dazu die Maschinen stellte. Man weiß es, aber hier sieht man es. Treibt die eine Partei Völker in Gaskammern, so die andere Bauernmassen in sibirische Eiswüsten. Wird in Europa verbrannte Erde praktiziert, so werden in Fernost Städte atomisiert. Nach diesem Sturm der Teufel bahnt sich, ebenfalls mit Hilfe der Industrie, die universelle Apokalypse an. Man weiß auch das; hier erlebt man es, durchgefühlt in poetischer prophetischer Vision vom Exitus der Meere bis zum Mittagstisch mit Schattenspeisen. Diese Gedichte lassen sich in keine Konzeption ihrer Kunstgattung einfügen. Sie sind Ausdruck einer Besessenheit durch das Zeitgeschehen und den Protest dagegen.

Am 24.12.2014 hat das WDR 3 Kulturmagazin “Mosaik” Moses Rosenkranz: “Im Untergang I & II” besprochen.
Die Besprechung finden Sie hier:

Moses Rosenkranz Im Untergang I & II WDR 3 2014

 

Wüstenginster

LTB 019 – Nigredo

An diesem Morgen war ich viel zu reich /
ich suchte dich /
jenseits der fliehenden Wolken /

Weide /
Gerten bis über die Brust /

Wie sollte dein niedergerungenes /
Lachen /
im Blau sich abbilden. /