Autor: Mauritz, Hartwig

schwarze landschaft aus dem brillenetui nachts

Schon immer bewegten sich die Gedichte von Hartwig Mauritz in den unterschiedlichsten Wirklichkeitsbereichen, spannten Bögen zwischen Geografie und Geschichte, zwischen Sinnlichkeit und technischer Welt. Auf diese Weise hat Mauritz mit den Jahren zu einer ganz eigenen Sprache gefunden, die nicht nur subjektivste Erinnerungen an die Räume der Kindheit, sondern auch weit entfernte geografische und historische Momentaufnahmen lesbar macht als überraschende poetische Zugänge zu unserer Gegenwart. Der vorliegende Band vereinigt erstmalig eine Auswahl der frühen Gedichte des Autors.
hochauflösendes fernweh
nipkow teilt seine eltern in linien, zeilen, punkte, setzt licht / in den draht, baut weiter an morses apparat. dreißigzeilig / tastet sie die eltern ab, die drehende scheibe. weihnachten /
1883. die augenbrauen hoch aufgeschossen schneidet sie / vom gesicht. die nase, der mund, das kinn kippt, fällt ins bild / der empfänger zieht schatten in punkten heran. die eltern /
sitzen an der scheibe traurigen rändern kreisen die augen / werden von farben nicht satt. die eingabe, die ausgabe birgt / lücken im rhythmus laufen die achsen, die augen saugen/
den schattenriss an. portraits wachsen, verlöschen in nipkows / gesicht. ihr bestand verwirrt seinen blick. nipkow / kürzt entfernungen, wenn die scheibe seine iris fixiert.