Kiefer, Reinhard

(1956, Nordbögge)

Über Reinhard Kiefer:

Reinhard Kiefer wurde 1956 in Nordbögge (Westfalen) geboren und studierte Germanistik und evangelische Theologie. Er ist Herausgeber der ‘Sämtlichen Gedichte’ Ernst Meisters, über den er auch promovierte. 1992 erschien von ihm ‘Text ohne Wörter. Die negative Theologie im lyrischen Werk Ernst Meisters’.
Im Rimbaud Verlag erschienen unter anderem die Gedichtbände ‘aus der messingstadt‘ (1990), ‘liegenschaften am atlantik‘ (1997) und ‘die urwelt steht ihnen offen‘ (2017), sowie der Roman ‘Halbstadt‘ (2006).
Kiefer erhielt mehrere Preise für seine literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten.
Seit 1981 erscheint sein Werk im Rimbaud Verlag.

Gesamtausgabe

Kiefer, Reinhard

"ICH"

Alles, was dieser eigensinnige Dichter schreibt, sträubt sich eigentlich gegen den Versuch einer 'Vertonung'. Nicht nur, weil diese Lyrik selbst schon Musik genug ist, um einen etwas abgegriffenen Allgemeinplatz zu bemühen, sondern auch, weil hier knapp und karg mit engmaschiger Wortzeichnung gearbeitet wird, und zwar so dicht, dass für eine akustische Ebene kein Platz zu sein scheint. [...] Pierre-Dominique Ponnelle hat aus der "messingstadt" intuitiv das Stück herausgesucht, das in dem Gedichtband durch seine Unmittelbarkeit heraus leuchtet. Dabei glänzen die 18 kurzen Zeilen ganz im Sinne der eingangs beschriebenen Tugenden. Der Dichter entwirft mit einer listig auftretenden Beiläufigkeit eine Phantasie vom verlorenen ICH, so unbekümmert und waghalsig als habe er weiland der Emily Dickinson über die Schulter geschaut.

-Reinhard Ermen, Auszug aus dem Text

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Ich ist ein wesen

das verschwindet
eine attacke

ein dreikampf

wortreiche

satz=

untergänge
und hat vor

jahren schon in

brombeer=

ranken gesteckt
(niemandem

fiels auf)
geriet auf

den zaun

(wie zufällig)

ein schwieriger

platz
Parallelband: Ponnelle. Meine Minsker Jahre

Kiefer, Reinhard

Agadir im Tagebuch. Ernst Jünger und Reinhard Kiefer

«Subtile Jagden» – das Studium der Insekten – gehören zu den «Genüssen» Ernst Jüngers, «die mit dem Alter zunehmen», und die ihn auch nach Agadir führten. Bei Reinhard Kiefer wird Agadir zum vertrauten Ort poetologischer Selbstreflexion. Sein marokkanisches Tagebuch «Die goldene Düne» (1983–2013) setzt im Dezember ein, wobei ich für den Abdruck das erste Jahrzehnt auswähle. Die «goldene Düne» war das Wahrzeichen Agadirs und der Ort «subtiler Jagden» Ernst Jüngers. Wie so vieles im menschlichen Leben gehört die «goldene Düne» längst der Vergangenheit an.

Kiefer, Reinhard

aus der messingstadt

Kiefer, Reinhard

Die Goldene Düne

Das Buch, dessen stilistische Brillanz besticht, [liefert] nicht nur tiefere Einsichten in die Voraussetzungen des «Arabischen Frühlings» und der gegenwärtigen weltpolitischen Situation, […] sondern sensibilisiert zugleich für die Sphäre des Künstlerischen und der Literatur.
Christoph Leisten, AN 27.9.2014

Kiefer, Reinhard

Halbstadt

In sechzehn Kapiteln wird der Weg von drei jungen Menschen Toni Klingson, Alexander Müller und Veronika Vogler beschrieben. Klingson versucht sich als Schriftsteller, Müller als Maler und die Vogler als Muse. Das alles spielt in den 80er Jahren. Dabei werden immer wieder, wenn auch verfremdet, Elemente der Zeitgeschichte eingefügt (die Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten, Tschernobyl, der Fall Barschel, der Fall der Mauer). Anfang und Schluß des Romans finden am Silvestermorgen und -nachmittag des Jahres 1989 statt. Das erste und das letzte Kapitel bilden den Rahmen, in dem die Geschichte von Klingson und Müller erzählt wird.

Kiefer, Reinhard

hofnarrenkorrespondenz

Kiefer, Reinhard

Indianer

Wie die anderen drei Teile ist auch dieser «Satzbau» geprägt vom Prinzip der Collage: Absicht und Zufall treffen aufeinander.
"Das Wort Indianer ist mittlerweile unerwünscht, wenn nicht verboten. Welche hohe Kommission oder Behörde dieses Verbot ausgesprochen hat, ist nicht herauszubekommen. Wie dem auch sei, dieses toxische Wort muß hier verwandt werden, denn es gehört zu einer Geschichte, die sich in einem Jahrhundert ereignete, das weniger empfindsam war als das gegenwärtige."
~~~
"ein bemerkenswerter Band mit der programmatischen verweigerung domestizierten erzählens: notizen, kleinstgeschichten, lyrische prosa, immer konzept, perspektive, tonalität, dramaturgie wechselnd, lakonisch und zwischendurch nahezu plaudernd, a-hierarchisch."

-Autor Àxel Sanjosé über den Band "Indianer. Ein Satzbau IV"

Kiefer, Reinhard

liegenschaften am atlantik

Kiefer, Reinhard

LTB 009 - schwärmerlatein oder küchenhebräisch

Reinhard Kiefer, Autor der ersten Stunde des Rimbaud Verlages, wurde 1956 in Nordbögge geboren. Die vorliegende Auswahl aus vier Gedichtbänden, vermehrt mit neuen Gedichten, umfasst zwei Jahrzehnte: "hofnarrenkorrespondenz" (1981); "am ortsende" (1984); "aus der messingstadt" (1990) und "liegenschaften am atlantik" (1997).
schwärmerlatein oder küchenhebräisch
tönt aus dem hinter=

zimmer die kötter die zigarretenhändler

ursprachgesonnen stottern

mein volk mein

stein meine zukunft													  			
                                                    

Kiefer, Reinhard

LTB 048 - nur die fenster im blick

Kiefer, Reinhard

LTB 103 - die urwelt steht ihnen offen

Eines muss man bedenken die / saurierforscher sind viel unterwegs / die urwelt steht ihnen offen / wie schön ist es in die tiefe zu gehen / zum stein mit dem sich die tiere / für immer verbinden /
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"Immer neue Schöpfungsgeschichten erzählen diese von Menschen und Tieren und Dingen bewohnten Gedichte. Ein poetisches Traumland der Erinnerung und Trauer, der Luftgeister und Zauberformeln."
- Matthias Weichelt

Kiefer, Reinhard

LTB 134 - Sechs Poeme

Helena mit dem Mäusealphabet

abgeleitet aus

           phönizischer schrift

      seefahrerzeichen

                    zeichen für handelsware

        und handelsheere

 

                                                            bildfern und bildnah

Kiefer, Reinhard

Marokkanische Geschichten

         

Kiefer, Reinhard

Meister Studien 01 - Text ohne Wörter

Kiefer, Reinhard

RTB 004 - Thomas Mann

Trotz der Zufriedenheit, trotz der Gewißheit, große Tage verlebt zu haben, die so gewiß nicht mehr wiederkommen, spürte er in sich zugleich einen starken Mangel an Rührung, an Betroffenheit. Was hatte man denn in solchen Augenblicken des Triumphs, und von solchen hatte er ja schon recht viele erlebt, zu empfinden? Er wußte es nicht mehr genau. Vielleicht hatte er es vergessen. «Was man alles vergißt. Manches will man ja auch vergessen. Man ist dann recht dankbar, wenn es gelingt.» Etwas in ihm war schon sehr weit, schon in Auflösung. Was geschah, das waren Variationen, Wiederholungen auf freilich hohem Niveau.   Ria Endres über dieses Buch

Kiefer, Reinhard

RTB 016 - Gottesurteil. Paul Wühr und die Theologie

Kiefers Studie widmet sich einem Dichter, in dessen Werk theologische Motive und Vorstellungen eine zentrale Rolle einnehmen. Paul Wühr ist Zerstörer eines theologischen Dogmatismus und Retter theologischen Denkens für die Poesie.

Kiefer, Reinhard

RTB 022/023 - Café Moka

Café Moka, das sind 114 Abschnitte mit Notizen zum Alltag in Agadir, mit Märchen aus 1001 Nacht, Taxifahrten, dem Platz der Gehenkten in Marrakesch, Geschichten aus der Zeit nach dem Paradies, Gedanken zum Koran, Ansichten zur arabischen Welt.

Kiefer, Reinhard

RTB 055 - Ein Geheimnis in Oberwald

Geschichte
(Rimbaud-Taschenbuch Nr. 55)
100 S., brosch., 2006

Die erste Auflage erschien 1984 unter dem Titel “ein geheimnis in oberwald. kindermährchen” (ISBN: 3-89086-994-7)

ISBN 978-3-89086-665-9
Weitere Informationen

Kiefer, Reinhard

RTB 091 - Die Wiedereinführung der Sprichwörter

So führen die Spuren, die in diesem Buch gelegt werden, tief hinein in das dichterische Werk Reinhard Kiefers und erhellen es für jene, die es kennen und lieben. Doch ist die Sammlung weit mehr als bloß ein Wegweiser: Sie ist das Porträt eines Dichters aus ausgewählten Gedanken.
Andrea Neuhaus
       

Kiefer, Reinhard

RTB 115 - Wolfgang Koeppen in Salt Lake City

In drei Kapiteln widmet sich der vorliegende Band Wolfgang Koeppens Begegnung mit Salt Lake City. Im einleitenden Essay nähert sich Christoph Leisten zunächst dem Leben und dem Werk Koeppens, um dann den Entstehungsprozess sowie zentrale Motive der „Amerikafahrt“ zu skizzieren und schließlich seine eigene, persönliche Tuchfühlung mit dem Autor in den Blick zu nehmen. Das zweite, zentrale Kapitel ist Wolfgang Koeppens Original-Text über Salt Lake City aus „Amerikafahrt“, der uns freundlicherweise vom Suhrkamp Verlag für diese Ausgabe überlassen wurde, vorbehalten. Im dritten Teil beschäftigt sich Reinhard Kiefer eingehend mit Koeppens Text und mit der darin dargestellten Kultur der Mormonen. Dabei werden Ursprung und Geschichte des Mormonentums intensiv beleuchtet und die kultur-, literatur- und religionsgeschichtlichen Hintergründe deutlich gemacht.
Inhalt:

Vorbemerkung - Bernhard Albers

Annäherung an Wolfgang Koeppen - Christoph Leisten

Salt Lake City - Wolfgang Koeppen

Mormonische Skizzen - Reinhard Kiefer													  			
                                                    

Kiefer, Reinhard

Vor der Natur

Mit «Vor der Natur» übernimmt der Autor den gelegentlich radikalen Versuch, das festgefügte Koordinatensystem des Alltäglichen aufzubrechen. Sein ebenso kokettierendes wie provozierendes Spiel ist darauf angelegt, jene prädisponierten Bilder in Frage zu stellen, die uns – zum Beispiel via TV und Werbung – fortwährend ein Gefühl von Ich-Gewißheit vorgaukeln. Wer solchen «Einflüsterungen» erliegt, droht, so könnte man interpretieren, Opfer seiner eigenen Lethargie zu werden. Aufgabe von Kunst ist es hingegen, kritische Distanz zu üben und die Autonomie und Unabhängigkeit des Individuellen zu betonen. Hiermit einher geht das Postulat, unbekanntes, vielleicht auch unbewußtes (Erzähl)Terrain auszuloten.
Walter Gödden, Westfalenspiegel, 10/2001
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Hinweis:
"Vor der Natur" ist auf Nachfrage auch als gebundene Ausgabe erhältlich.
ISBN 978-3-89086-723-6 ; 25,00 € - Bestellung hier

Kiefer, Reinhard

Warum wir sterben müssen

Nach «Vor der Natur» (2001) und «Die Wiedereinführung der Sprichwörter» (2009) legt Reinhard Kiefer nun den dritten Band seines «Satzbaus» vor. Der Begriff «Satzbau» erinnert nicht zufällig an Schwitters «Merzbau». Wie dieser ist Kiefers «Satzbau» geprägt vom Prinzip der Collage: Absicht und Zufall treffen aufeinander. Zitate, Geschichten, Aufzeichnungen und Reflektionen umspielen in denkbar weitem Rahmen die Frage «Warum wir sterben müssen».  

Kiefer, Reinhard

Zwölf Poeme