Celan Studien (Neue Folge) 03 – Sag, daß Jerusalem ist

Ilana Shmueli, 1924 in Czernowitz geboren, seit 1944 in Israel, arbeitete über lange Jahre als Sozialpädagogin in Tel Aviv. Sie starb im November 2011 in Jerusalem. Im Suhrkamp Verlag liegt ihr Briefwechsel mit Paul Celan vor, im Rimbaud Verlag sind ihre Gedichte «Zwischen dem Jetzt und dem Jetzt», ihre Erinnerungen «Ein Kind aus guter Familie» und «Zeitläufe – ein Brief» erschienen.

Zuletzt erhielt sie 2009 den Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil.

Theodor Kramer Preis 2009 an Ilana Shmueli

 

 

 

Goethe Studien 02 – Aufbruch ins Unbeschreibliche

Wer aufhört, mit den Meistern seiner Kunst zu conversiren, der kommt nicht vorwärts, und ist immer in Gefahr zurückzuschwanken. Von jedem Talent soll man ein unermüdetes Bestreben, eine Selbstverläugnung fordern, von der sich aber niemand einen Begriff machen will. Jeder möchte die Kunst gern auf seine eigene Weise besitzen, sie aber will nur auf die ihrige geworben und erworben seyn. Wie oft seh’ ich Talente die sich gebärden wie eine Wespe an der Fensterscheibe; sie möchten das Undurchdringliche mit dem Kopf durchbohren; das ginge, denken sie, weil es durchsichtig ist.

Goethe an Zelter, 14. Januar 1832
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Inhalt:

Ein Wort zuvor

Goethes Gedicht Der Wandrer

Sinnenlust und Entsagung – Goethes Versuche, Heinses Italiendarstellung zu korrigieren

Die Szene «Walpurgisnacht» in Goethes Faust I – Ein Fall von Selbstzensur?

Die Legende, das Fest, der Gast – Goethes Reisebild Sanct-Rochus-Fest zu Bingen

Die Abwesenheit der olympischen Götter – Zu Goethes Faust II, 2. Akt

Bergschluchten – Die Schlußszene von Goethes Faust. Eine Abschiedsvorlesung

Anmerkungen

Quellennachweise

 

Die Kunststrickerin

“Die Geschichte des gefangenen Vogels, die einer Passage aus einem rumänischen Studentenlied entstammt, ist in Wahrheit die Geschichte eines ganzen Volkes. Mit der blutigen Niederschlagung jeglicher Freiheitsbestrebungen in weiten Teilen des Ostblocks im Jahr 1968 verloren viele Menschen die Hoffnung auf eine Abkehr des sowjetischen Machteinflusses.


Es ist aber auch die Geschichte der Elisabeth Axmann selbst – sie, die 1977 aufgrund der politischen Umbrüche in den Westen hatte fliehen müssen und seitdem unter ständiger Beobachtung im ‘Exil’ lebte.”

Leserbrief von S. List

 

 

 

Liebesgedichte. Love Poems

In der großen Sinnlichkeit und geradezu überbordenden Körperlichkeit, die von Whitmans Gedichten ausgehen, können Parallelen zu den eigenen Gedichten des Übersetzers Frank Schablewski gesehen werden. Von daher sind die ausgewählten Liebesgedichte Ausdruck einer ganz persönlichen Sammlung.

Ein Vorwort von Johannes Urzidil und ein Nachwort von Jürgen Brôcan begleiten diese Ausgabe und geben bedeutende Einblicke in die Zeit und das Wirken von Walt Whitman.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LTB 067 – Liebesgedichte

Nur die Liebe

Arbeit wartet auf mich


die ich immer verschiebe


Nur der Flug


berechtigt mein Herz


zu schlagen


Nur der Gedanke der Ewigkeit


unterstützt meinen Atem


Nur die Liebe


erlaubt mir


ein Mensch zu sein

Marokkanische Geschichten

 

 

 

 

 

Celan Studien (Neue Folge) 04 – Paul Celan. Erinnerungen, Dokumente, Briefe

Die hier gewiß nur bruchstückhaft mögliche Darlegung der Bedingungen, die Paul Celans Dasein prägten, soll in etwa das Wissen skizzieren, das ich damals besaß, als ich Celan zum ersten Mal traf. Denn nur wenn verständlich ist, was ich von Celan, seinem dichterischen Werk und den Anfeindungen, denen er ausgesetzt war, wußte, wird die Situation nachvollziehbar, in welcher sich die Begegnung seinerzeit abgespielt hat.

 

 

 

 

Straßenbahn, Hiroshima

Sommermorgen, drückende Schwüle, Gequake von Fröschen /
In den Reisfeldern. Diesig, Konturen sind nicht zu erkennen. /
Glitzernde Blätter im Garten, ein Haiku von Altmeister Bashō, /
Eines Flugzeugs Motorenlärm und Zikadengesurre. /
Äquivalénz / spréng / kráft: Molossós für stärkere Nerven … /
Im Fall Uran rund zweihundert MeV/Spaltereignis … /
Bei der Abbremsung der Spaltbruchstücke entsteht Energeia: /
Ist n größer als 1, werden aus dieser ersten Spaltung /
Neue Spaltneutronen freigesetzt, die dann auch weitre /
Reaktionen auslösen; in nur einer Millisekunde /
Schaukelt sich, gleichsam lawinenartig, dieser Effekt hoch … /
«Beispiellos wäre, erhaben schön, die Wirkung zu nennen.» /
Pornographie? «Wir alle sind nun Hurensöhne.» /
Hinter der Gartenmauer blitzt plötzlich ein schreiendes Licht auf, /
Wie eine zweite Sonne doch stärker, gewaltiges Blitzlicht, /
Gelblichweiß, magnesiumweiß, und die Steinlaterne, /
Die dem Mond keine Konkurrenz ja bieten darf, leuchtet – /
Offenbarung zum Frühstück – geradezu apokalyptisch. /
Daidai, saure Orange, im Garten: Die eine Seite, /
Dem Epizentrum am nächsten, ist gleich nur noch bittere Schlacke; /
Sandstein-Buddha, das linke Auge, die linke Wange /
Schwarz, wie von einem Napalmklümpchen jäh angefallen.

LTB 072 – Der Nobiskrug

Das Überlebensmotto der Bukowiner Dichter Weißglas, Kittner und Rosenkranz in den Todeslagern war die Überzeugung, «daß die in der Erde der Sprache Wurzelnden nimmer gefällt werden können.» Sie waren in Bezug auf Celans Büchnerpreisrede wie «lebende Bücher» – sie lebten und überlebten mit und für ihre Gedichte. Selten hatten sie Schreibutensilien. Doch schrieben und memorierten sie weiter unter unmenschlichsten Bedingungen. Der klassizistische Stil und der «unendliche Besitz der deutschen Sprache» halfen folglich, «den Spund jenes inneren Schreis, den wir, mundgerecht, Gedicht nennen» (Weißglas), zu formulieren. An den konventionellen Formtypus, der ihnen das Überleben in der Unmenschlichkeit gesichert hatte, hielten sie auf den zweiten Blick nicht ungebrochen fest. Es fällt nämlich auf, daß durch ungewöhnliche Reime und Wortwahl eine Hamonie immer wieder in Frage gestellt wird.

 

 

 

 

Aqualand

“Allein die kunstvolle Konstruktion, in der die Zeitebenen, Orte und Perspektiven in einen gemeinsamen Fluß geraten, ist die Lektüre wert. Kröhnke beweist, daß man mit modernen Mitteln durchaus eingängig und spannend erzählen kann.”

– Stefan Sprang, Deutschlandradio

“Einfach ein schönes Buch”

– Burkhard Scherer, FAZ