Lichtschatten

«Lichtschatten» ist ein Buch voll von Paradoxen, aber je älter Rübner wird, desto leichter und klarer, ja selbst heiterer werden seine Verse: als wäre das Gedicht selbst ein Ausweg aus der auswegslosen Symmetrie des Paradoxes.

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Albtraum

Er ist gefangen.


Die Bösen wollen sein Herz.


Wollen sein Herz verschachern.


Entflieh! Ich flehe, entflieh! Rasch! Komm! Komm zu mir!


Er entflieht, er entflieht, er kommt rasch zu mir.


Er entflieht nicht. Er kommt nicht zu mir.

Kaum spürbare Helle


sickert ins Dunkel des Zimmers.


Ein Hund jault.


Ein Rascheln.


Bin ich wach?


Bin ich wirklich wach?

Grünhorns Blues. Alfred Gong – lebendig in Wort und Musik

Anlässlich des 90. Geburtstages des Dichters hat die Alfred Gong Gesellschaft e.V. eine CD mit dem Titel «Grünhorns Blues: Alfred Gong – lebendig in Wort und Musik» veröffentlicht.

Die CD enthält Lyrik und Prosa Alfred Gongs, rezitiert von dem Schauspieler Helmut Thiele, und Musik des aus Bramsche stammenden und in Berlin lebenden Komponisten Mitsch Kohn.

An der literarisch-musikalischen Revue wirken das Holzbläserquintett «Con Passione» sowie Schüler der (damaligen) Klasse 9 B des Ratsgymnasiums Osnabrück mit.

Kohn selbst ist auf dem Piano zu hören. Für ihn war es wichtig, in die Sichtweise Alfred Gongs einzutauchen und «seine Gefühlswelt nachzuvollziehen und musikalisch auszudrücken.»

In der Suite «Sehnen nach der Bukowina» greift Kohn folkloristische Klezmer-Motive (eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition) auf, doch in erster Linie setzt er sich in einer jazzig angehauchten Musik mit Gongs Gedichten auseinander.

Zur CD gehört ein Booklet mit Leseproben sowie Informationen zu Gong und den beteiligten Künstlern.

 

 

 

 

 

 

 

 

LTB 076 – Liebesgedichte

Czernowitzer Ghetto (I)

Die alten Gäßchen ziehn sich eng zusammen. /
Der Boden hinkt und holpert im Zickzack. /
Aus schweren Leuchtern zucken kleine Flammen. /
Der Witz treibt mit dem Unglück Schabernack. /

Die Augen funkeln, doch die Wangen blassen, /
Der Kaftan reißt, die Schläfenlocke bebt, /
Wenn, halb erstickt in seinen Pariagassen, /
Ein Volk noch stöhnend, höhnend weiterlebt. /

Die Mauer fiel vor mehr als hundert Jahren, /
Und dennoch blieben sie im dumpfen Nest. /
Das Elend hielt sie an den Schläfenhaaren /
In ihrem engen alten Ghetto fest.

LTB 026 – Chausseen Chausseen

Die Gedichtsammlung «Chausseen Chausseen», mit der Peter Huchel 1963 in der Bundesrepublik große Aufmerksamkeit erregte, versammelt Texte aus mehr als zehn Jahren. Sie zeigen einen Autor, der einen völlig eigenen Ton gefunden hat. Die Sprache dieser Gedichte ist vielfach lakonisch und drängt zur Verkürzung, doch hat sie auch einen unübersehbar esoterischen und rätselhaften Charakter. Huchel geht also einen ähnlichen Weg wie Günter Eich oder Ernst Meister. Der Gedichtband besteht aus fünf Abteilungen. Schon hieran zeigt sich, dass statt einer beliebigen Sammlung von Gedichten ein sorgfältig komponiertes Ganzes vorliegt. In diesem stehen die einzelnen Texte nicht isoliert nebeneinander, sondern bilden ein enges Beziehungsgeflecht. Es finden sich Hinweise auf die östliche Landschaft sowie die mediterrane Welt und ihre Mythologie.

LTB 015 – Gedichte

Am Strome

Das Spatlicht wandert von der Erde, /
Die Ströme macht es sich zu Brücken, /
Es setzt sich auf die Ackerpferde /
Und reitet fort auf ihren Rücken. /

Zu Rauch verblaßt das Licht der Herde, /
Und Liebe, Leben gehn in Stücken. /
Ach, Städte wandern von der Erde /
Und Völker von der Erde Rücken.

 

 

 

 

 

 

 

LTB 074 – Baum und Träne

Ich schreibe für den Baum vor meinem Fenster, /
und für die Wildtaube, die auf ihm gurrt, /
angesichts des Lächelns der Toten /
und der Tränen derer, die am Leben blieben. /
Baum und Taube, /
Lächeln und Träne /
sind eins.

Der Tag des Einsamen

Isaac Schreyer
Geboren 1890 in Wischnitz/Bukowina; gestorben 1948 im New Yorker Exil. Lyriker und Übersetzer aus dem Jiddischen und Hebräischen. Lebte die meiste Zeit seines Lebens in Wien, bis er 1939 zuerst nach Großbritannien und dann in die USA emigrieren konnte. Veröffentlichte seine Gedichte in literarischen Zeitschriften. Erst nach seinem Tod wurden sie in Buchform veröffentlicht.

Armin Eidherr
Geboren 1963 in Wels/Oberösterreich. Studium u.a. der Germanistik und Romanistik. 2000 Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Seit 2005 Mitarbeiter am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte und seit 2008 am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg als Professor für Jüdische Kulturgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Jiddistik und Deutsch-Jüdischen Literatur. Zahlreiche Veröffentlichungen zur jiddischen und deutsch-jüdischen Literatur.

 

 

 

 

 

 

Ernst Meister Jahrbuch 13. 2010

Während ihrer Sommerurlaube Mitte der fünfziger Jahre in Horsmar nahe Mühlhausen lernte ich Else und Ernst Meister kennen und sehr bald auch schätzen. Dank meiner literarischen Ambitionen, die ich damals als junger Buchhändler hatte, wurde aus der zufälligen Bekanntschaft schließlich eine enge Freundschaft, die mehr Bedeutsamkeit erlangte, als ich anfangs vermutete. Zweifellos sind viele meiner Erinnerungen im Akt der Anrufung zerronnen. Vielleicht können diese Erinnerungen, die auf Aufzeichnungen meiner Tagebücher beruhen, dem Leser noch einen guten Gesamteindruck jener für mich so wichtigen Begegnung vermitteln.

Manfred Thiele

 

 

 

 

 

Sterne altern nicht

Die dichterischen und erzählerischen Qualitäten von Josef Burg liegen einerseits in der Ausdrucksfähigkeit seiner Sprache, die wiederum das einzig passende “Gewand” für seine Motive zu sein scheint: das Leben von Flößern, Sägewerksarbeitern, Holzfällern, von Juden, Huzulen oder Ukrainern vor dem Zweiten Weltkrieg, die Karpaten, Czernowitz, wohin Burg als 12jähriger mit seiner Familie übersiedelt ist, Wien am Vorabend des ‘Anschlusses’, wo er von 1935 bis 1938 Germanistik studiert hat, der Holocaust, das Leben in der Sowjetunion und die jiddische Kultur.

 

 

 

 

RTB 090 – Briefe an Alfred Margul-Sperber

Die in diesem Band wiedergegebenen Briefe von Alfred Kittner an seinen Landsmann Alfred Margul-Sperber, geboren am 23. September 1898, Storozynetz/Storojineț, gestorben am 3. Januar 1967 in Bukarest, liegen handschriftlich im Alfred-Margul-Sperber-Nachlass im Bukarester Nationalmuseum für Rumänische Literatur vor. Sie wurden von mir seiner Zeit beim Verfassen der Dissertation Die rumänische Koordinate der Lyrik Paul Celans (Leipzig, 1977) verwendet und später in der «Zeitschrift der Germanisten Rumäniens», Heft 1, 1992, S. 55–72, erstveröffentlicht.

George Guțu

George Guțu, geboren 1944 in Galatz/Galați, Rumänien, studierte Germanistik und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig und wirkt weiterhin als nun emeritierter Germanistikprofessor und als Übersetzer an der Universität Bukarest.