Rudolf Hartung

Elias Canetti über Rudolf Hartung

Ich schreibe diese «Erinnerung» aus Berlin nieder, aber ich muss hinzufügen, dass ich trotz meiner Betroffenheit über sein Verhalten Hartung noch immer liebe. Es gibt, glaube ich, nichts, was ich ihm nicht leicht verzeihen könnte. Nicht nur bleibt alles bestehen, was er für mein Werk getan hat. Es ist wesentlich, und daran könnte niemand je rütteln, dass er es lange Jahre als Einziger getan hat. Man muss das umso mehr würdigen, als es sicher ist, dass mein Werk ihm nicht eigentlich liegt. Seine wahren Götter sind Thomas Mann und Henry James, mit denen ich überhaupt nichts, wirklich nicht das Geringste gemein habe. Er steht ganz zu Freud und lehnt darum sehr Vieles in «Masse und Macht» ab. Er liebt den Tod und gewiss verachtet er meinen krüden Todeshass. Meine Sicherheit und vielleicht auch meine Kraft muss ihn oft bedrücken, wie meinen Bruder Georg. Ich liebe ihn aber keineswegs nur wegen seiner kapitalen Verdienste um mein Werk. Ich liebe seine ganze Art, weil sie meiner so entgegengesetzt ist, das Tastende, Empfindliche, Balancierende seiner Natur, seine Schwermut, die Ähnlichkeit mit der Vezas hat, die Schwierigkeit seines Lebens, selbst seine Tücken und Gehässigkeiten, die er wie jeder hat, die ich früher übersah und jetzt in der Erinnerung erst als solche erkenne. Ich sollte vielleicht nicht bei ihm wohnen, weil ich ihm sehr auf die Nerven gehe. Es ist möglich, dass er sich schärfer gegen mich stellen wird, wenn ich wirklich berühmt sein sollte. Er hat einen wohltuenden Hass gegen alle Aufgeblasenheiten und unterwirft sich nie. Ich betrachte ihn als einen Freund, der mir gleichgestellt ist, und das ist keine mitleidige Fiktion wie in manchen anderen Fällen, das meine ich. Ich werde ihm nie für etwas grollen, was er gegen mich tut, selbst wenn es schmerzlich und unerwartet ist wie jene Nacht in Berlin.

 

 

 

LTB 079 – Leben im Entwurf

Tollen im Neuschnee

blendendes Weiß wie nie wieder /
und wie’s frostig im Kindermund schmilzt /

Flieder von damals /
der Duft verborgener Veilchen /
Gras frisch gemäht /
glühende Sonne /
träumen im Nussbaum /
kleine grün-braune Finger /
auf rauher Rinde /

all das – darf man es nennen /

es zieht /

es zieht /
die Hand meiner Schwester /
die so früh wieder losließ

Theodor Kramer Preis 2009 an Ilana Shmueli

 

 

 

 

RTB 072 – Ein Irrer schreibt an einen Blinden

Inhalt:

Ezra Pound heute
Statt eines Vorworts

Das Nō lehrte vieles
Ezra Pound und das Nō-Spiel

Sie wollten nicht Futuristen sein
Der Vortizismus und seine Konsequenzen

T. S. Eliot und Ezra Pound als Kritiker
Versuch einer vergleichenden Übersicht

Geborener Lehrer und fanatischer Leser
Ein ABC des Lesens

Ein Irrer schreibt an einen Blinden
Ezra Pound in seinen Briefen an Wyndham Lewis

Das Motiv des Scheiterns
Ein Rückblick

Er wollte verstanden werden
Ezra Pound und die konkrete Dichtung

 

 

 

 

«So etwas wie eine Bukowiner Dichterschule»

Ernst Schönwieses Briefwechsel mit Dichtern aus der Bukowina (1947/1948)

Diese Edition versammelt zehn Briefe zwischen Ernst Schönwiese und Alfred Margul-Sperber, Immanuel Weißglas und Alfred Kittner sowie einen Brief von Alfred Kittner an Hedwig Schönwiese. Die Briefe Ernst Schönwieses wurden nach der Edition von George Guțu wiedergegeben.

 

 

 

 

RTB 073 – Der Fall Michael Guttenbrunner

Eine Verteidigungsschrift

 

Die Wehrmachtsakten im Österreichischen Staatsarchiv lassen keinen Zweifel daran, daß Guttenbrunner weder aktiv gegen das Hitlerregime Widerstand leistete, noch aus diesem oder einem anderen Grunde zum Tode verurteilt wurde. Läßt sich von daher seine Dichtung mit jener des Stephan Hermlin vergleichen? Dieser hatte nämlich behauptet, 1934 im KZ Sachsenhausen gewesen zu sein, also zu einem Zeitpunkt, wo es noch gar nicht errichtet war. Das Buch versucht darauf eine Antwort zu geben.

«Eines Tages wird sich unser Verlagsprogramm bei einer bestimmten Käuferschicht, jenseits des Bestsellerrummels und Feuilletongeklüngels durchsetzen.» (Bernhard Albers in einem Brief an Michael Guttenbrunner vom 15. August 1992)

 

 

 

Verschränkungen

Leben und Werk von Autoren aus der Bukowina anhand von Briefen und Nachlässen

 

Verschränkungen will hier als Metapher für Verbindungen und Verflechtungen im Leben und Werk von Rose Ausländer, Georg Drozdowski, Alfred Gong, Alfred Kittner und Alfred Margul-Sperber verstanden werden. Es wird versucht, ihre Verbindungen, Kontakte, gegenseitige Förderung und Beeinflussung aufzuzeigen und zu kommentieren. Die Offenlegung dieser Verschränkungen ermöglicht ein tieferes Verständnis der Lyrik dieser Autoren, erlaubt Rückschlüsse auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Werke und verhilft zu Einblicken in den Literaturbetrieb der 60er Jahre.

Alfred Margul-Sperber, Rose Ausländer und «Der Regenbogen» (1939)

Alfred Gong, Rose Ausländer und «Blinder Sommer» (1965)

«Gestatten Sie, – Drozdowski!» Alfred Gong und Georg Drozdowski

Alfred Gong, Alfred Kittner und die Anthologie «Welch Wort in die Kälte gerufen» (1968)

Großstadt als Thema bei Alfred Margul-Sperber, Rose Ausländer, und Alfred Gong

 

 

 

Michael Guttenbrunner oder Die Legende von seinem Widerstandskampf gegen das Hitlerregime

Die Wehrmachtsakten im Österreichischen Staatsarchiv lassen keinen Zweifel daran, daß Guttenbrunner weder aktiv gegen das Hitlerregime Widerstand leistete, noch aus diesem oder einem anderen Grunde zum Tode verurteilt wurde. Verliert daher seine Dichtung an Glaubwürdigkeit? Mit diesem Buch versucht der Verleger Michael Guttenbrunners, der dessen Spätwerk (Im Machtgehege II–VIII) anregte, eine Antwort zu geben.

Ernst Meister Jahrbuch 14. 2011/2012. Jahrgang 1911

Emil Cioran

Ernst Meister

Albrecht Fabri

 

Inhalt:

Teil I
Albrecht Fabri:  Fragment, Aphorismus, Essay
Emil Cioran:  Gedankendämmerung
Albrecht Fabri:  Gedanken über den Gedanken
Ernst Meister:  Ausgewählte «Gedanken eines Jahres»

Teil II
Bernhard Albers:  Erinnerung an Albrecht Fabri
Felix Kampel:  Ein Schriftsteller als Philosoph und Aphoristiker. Der junge Emil M. Cioran
Richard Dove:  Das Chaos als Steuermann. Über Ernst Meisters Aphorismussammlung «Gedanken eines Jahres»

Bilder und Objekte zum Werk von Claude Vigée

Das gesamte poetische Œuvre Claude Vigées, der – 1921 in Bischwiller im Unterelsass geboren – auf drei Kontinenten gelebt hat (in den Vereinigten Staaten von 1942 bis 1960, in Jerusalem von 1960 bis 2001, anschließend nur noch in Paris), erschien 2008 unter dem Titel «Mon heure sur la terre» (Galaade). Es ermöglicht seinen Lesern, im Dichterwort Umfang und Atem dieser langen beklemmenden Zeit zu ermessen, die Ereignisse und deren Schilderungen – die Widerstandsbewegung in Toulouse, dann das Exil und die langen, in Amerika verbrachten Jahre, bis schließlich Jubel und zugleich Bedrohung in Israel gefunden wurden. …

Das poetische Werk Claude Vigées stellt sich als untrennbare Einheit von Leben und der Reflexion über seine Schwierigkeiten, seine Umbrüche und Grausamkeiten dar. …

L’Association des Amis de l’Œuvre de Claude Vigée gibt jährlich eine Zeitschrift heraus; ihre dritte Nummer erscheint im Januar 2012.
http://revuepeut-etre.fr

Anne Mounic

 

 

Ich ist ein anderer

 

 

Inhalt:

Prolog: Ein Komponist und sein MäzenWagner und Ludwig II.

1. Kapitel: Eine Zeit in der HölleRimbaud und Verlaine

Exkurs 1: Das klassische LebenWilhelm von Gloeden

2. Kapitel: Die ZwillingsbrüderGeorge und Hofmannsthal

Exkurs 2: Die Wonnen der GewöhnlichkeitThomas Mann

Exkurs 3: Das Doppelgrab IHans Henny Jahnn

Exkurs 4: Das Doppelgrab IIJulien Green

Exkurs 5: Wir können nicht liebenRolf. Angestellter

3. Kapitel: Eine glückliche LiebeFichte und Mau

Epilog: Ein Komponist und seine StimmeBritten und Pears