LTB 101 – Schattengespräche

Dein Schatten

Das Gewicht deines Schattens


nimmt mit jedem Tag zu.


Anfangs trug ich ihn schulterhoch,


wie Rebekka den Krug, und


sprach mit ihm, ungläubig,


ob er mich hört. Aber inzwischen


spüre ich ihn quergestreckt


auf meinem niedergezwungenen Rücken


so als wärst du es selbst.


Und ich weiß nicht,


ob du mich hörst.

LTB 069 – Spanischsprachige Lyrik aus sechs Jahrhunderten Teil II

Memento

Wenn ich sterbe, /
begrabt mich mit meiner Gitarre /
unter dem Sand /

Wenn ich sterbe, /
zwischen den Orangenbäumen /
und den Kräutern. /

Wenn ich sterbe, /
begrabt mich, wenn ihr wollt, /
an einer Wetterfahne.

Federico García Lorca

Eine Anthologie der so reichhaltigen Lyrik Spaniens und Lateinamerikas vorzulegen, ist vor allem deshalb ein schwieriges Unterfangen, weil die Kriterien für die Auswahl der Dichter und ihrer Werke nicht einfach festzulegen sind. Die hier vorgelegte Auswahl ist sicher nicht zu 100 % repräsentativ, aber doch insoweit, als sich behaupten läßt, daß die meisten der großen spanischsprachigen Lyriker der letzten sechs Jahrhunderte zu Wort kommen. Für die Auswahl war es von Belang, wie groß der Einfluß der Dichter auf andere war, ob sie die Dichtung ihrer Zeit gut widergespiegelt haben, ob sie in ihrer Zeit bekannt waren oder es noch sind, und – ob ihre Werke dem, der ausgewählt hat, gefallen.

Spanische Lyrik:
Antonio Machado (1875–1939),
Juan Ramón Jiménez (1881–1958),
Fernando Villalón (1881–1990),
Ramón Pérez de Ayala (1881–1962),
José del Río Sainz (1884–1964),
Pedro Salinas (1891–1951),
Jorge Guillén (1893–1984),
Gerardo Diego (1896–1987),
José María Pemán (1897–1981),
Vicente Aleixandre (1898–1984),
Dámaso Alonso (1898–1990),
Federico García Lorca (1898–1936),
Emilio Prados (1899–1962),
Rafael Alberti (1902–1999),
José María Hinojosa (1904–1936),
José Hierro (1922–2002),
Anonymus.

Lateinamerikanische Lyrik:
Rubén Darío (Nicaragua, 1876–1916),
Óscar Hahn (Chile, geb. 1938),
Gabriela Mistral (Peru, 1893–1938),
César Vallejo (Peru, 1893–1938),
Jorge Luis Borges (Argentinien, 1899–1986),
Francisco Luis Bernárdez (Argentinien, 1900–1978),
José Gorostiza (Mexiko, 1891–1973),
Xavier Villaurrutia (Mexiko, 1903–1950),
Pablo Neruda (Chile, 1904–1973),
Eduardo Carranza (Kolumbien, 1913–1985),
Nicanor Parra (Chile, geb. 1914),
Octavio Paz (Mexiko, 1914–1998),
Ernesto Cardenal (Nicaragua, geb. 1925),
Leopoldo Chariarse (Peru, geb. 1928),
María Elena Walsh (Argentinien, geb. 1930).

Zwischen dem Jetzt und dem Jetzt

Sedimente

Grau-Gestein


Schwarz-Gestein


und auch Buntes

Gestaffelt


fest ineinandergefügt

zwing dich hinein


schaff Platz für die Träne

~~~

Ilana Shmueli, 1924 in Czernowitz geboren, seit 1944 in Israel, arbeitete über lange Jahre als Sozialpädagogin in Tel Aviv. Sie starb im November 2011 in Jerusalem. Im Suhrkamp Verlag liegt ihr Briefwechsel mit Paul Celan vor.

“Mit nur wenigen Worten beschreibt Shmueli den feinen Sand eines Stundenglases. Dieser Sand jedoch, der grau und schwarz und bunt erscheint, rieselt nicht, befindet sich nicht in Bewegung, sondern verharrt gestaffelt und fest ineinandergefügt. Die einzelnen Sedimente stehen still und mit ihnen bildhaft die Zeit.”

Leserbrief von S. List

RTB 059 – Fünf Dichter aus der Bukowina

Rose Ausländer
Paul Celan
Alfred Kittner
Alfred Margul-Sperber
Moses Rosenkranz

 

Wer hält diese Eile aus

Ratschläge für einen jungen Dichter

Bleib dem Gedanken treu


dem verlassenen


Lausche dem Klang


mit verschlossenen Ohren


Hör mit den Händen


Schlage den Takt


ohne etwas zu rühren


Vergiss Marsyas und seine abgezogene Haut


Vergiss Orpheus und sein zerrissenes Fleisch


Vergiss den Spott,


Vergiss den Rauch, vergiss das Feuer


Vergiss dein Herz, vergiss dein Hirn


Die Stimme in der Kehle


wer du bist


Und, wenn möglich, so beginn


im Schweiße deines Angesichts

RTB 060 – Rhodos, erinnert

Rhodos von Dagmar Nick, eines der schönsten Bücher über die griechische Insel. Es ist im allerbesten Sinn ein richtiges Reisebuch.

Mannheimer Morgen

Die Insel findet hier eine wahrlich würdige Darstellung. Man müßte das Buch studieren, ehe man sich dahin begibt. Wenigstens lesen muß man es. Hat man einmal damit angefangen, wird man ohnedies nicht mehr aufhören wollen und so alles über Geschichte, Menschen und Kulturen erfahren.

Die Furche, Wien

Ein ganz vortreffliches Buch, weil es Kenntnis und Erlebnisfähigkeit und lebendige Darstellung vereint. Kein Reiseführer üblicher Art, aber auch keine hymnischen Impressionen.

Nürnberger Nachrichten

In prägnanter und phantasiereicher Sprache malt Dagmar Nick das alte und neue Rhodos. In klassisch formulierten Sätzen erfahren wir die Geschichte und Gegenwart der Insel. Eine Studie für Sprachästheten, Archäologen, Kunsthistoriker und Reisende, die die Antike bewundern und erhabene Landschaft lieben. Dem Buch ist weiteste Verbreitung zu wünschen.

Neue Bücherei

 

 

Scheindele

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LTB 068 – Spanischsprachige Lyrik aus sechs Jahrhunderten Teil I

Das Leben ein Traum

Nur ein Traum ist das Leben, /
doch ein Fiebertraum, der ganz schnell vorbei ist; /
wenn man aus ihm erwacht, /
erkennt man, daß alles nur Schall und Rauch ist … /

Ach, wäre es doch ein langer, /
ein langer Traum und ein tiefer! /
Ein Traum, der bis zum Tode anhielte! … /
Ich träumte wohl von meiner und Deiner Liebe.

Gustavo Adolfo Bécquer

Eine Anthologie der so reichhaltigen Lyrik Spaniens und Lateinamerikas vorzulegen, ist vor allem deshalb ein schwieriges Unterfangen, weil die Kriterien für die Auswahl der Dichter und ihrer Werke nicht einfach festzulegen sind. Die hier vorgelegte Auswahl ist sicher nicht zu 100 % repräsentativ, aber doch insoweit, als sich behaupten läßt, daß die meisten der großen spanischsprachigen Lyriker der letzten sechs Jahrhunderte zu Wort kommen. Für die Auswahl war es von Belang, wie groß der Einfluß der Dichter auf andere war, ob sie die Dichtung ihrer Zeit gut widergespiegelt haben, ob sie in ihrer Zeit bekannt waren oder es noch sind, und – ob ihre Werke dem, der ausgewählt hat, gefallen.

Marqués de Santillana (1398–1458),
Antón de Montoró (ca. 1404 – ca. 1480),
Juan de Mena (1411–1456),
Luis de Góngora (1561–1627),
Lope Félix de Vega Carpio (1562–1635),
Francisco Gómez de Quevedo y Villegas (1580–1645),
Esteban Manuel de Villegas (1589–1669),
Pedro Cálderón de la Barca (1600–1681),
Juan de Iriarte (1702–1771),
José de Cadalso (1741–1782),
Félix María Samaniego (1745–1801),
Juan Meléndez Valdés (1754–1817),
Manuel José Quintana (1772–1857),
Ángel Saavedra Duque de Rivas (1791–1865),
José de Espronceda (1808–1842),
Gustavo Adolfo Bécquer (1836–1870),
Domingo Rivero (1862–1929),
Miguel de Unamuno (1864–1936).

KS Bd. 08 – Briefwechsel und Dokumente 1948 bis 1967

Der Briefwechsel zwischen Wilhelm Lehmann (1882–1968) und Karl Schwedhelm (1915–1988) aus den Jahren 1948 bis 1967 ist nach denen mit Gottfried Benn und Nelly Sachs der dritte umfangreiche Briefwechsel Schwedhelms, der publiziert wird. Ähnlich wie Benn hatte Lehmann auch für Schwedhelms eigenes Schaffen eine große Bedeutung. Schließlich galt Lehmann in der Zeit dieses Briefwechsels mit seiner Lyrik vielen Kritikern und Literaturwissenschaftlern als durchaus gleichrangiger Antipode einerseits Benns und andererseits Bertolt Brechts. Neben den Briefen der beiden Autoren enthält das Buch auch Artikel, Radiosendungen, Rezensionen und einen Brief Schwedhelms über Lehmann, sowie einen Text Lehmanns zu Schwedhelms Gedichtband «Fährte der Fische». Darüber hinaus werden zahlreiche persönliche Kontakte und Begegnungen angesprochen und in den Anmerkungen ausführlich erläutert, so daß deutlich wird, daß das literarische Leben jener Zeit weitaus vielfältiger und nuancenreicher war, als es manche Literaturgeschichte glauben machen will.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LTB 051 – Briefe und Gedichte

Unsere Helden

Unsere Helden haben keine Namen /
und kein Denkmal spricht von ihrer Tat; /
einer lichtdurchstrahlten Menschheitszukunft /
sind sie erste Opfer: blutige Saat.

Unsere Helden schmiedet man in Ketten /
und ihr Leben endet an der Wand; /
mit dem Worte Freiheit auf den Lippen /
kollern ihre Köpfe in den Sand.

Unsere Helden haben keine Tränen /
zum Geleite, wenn die Salve hallt, /
nur das Zähneknirschen der Genossen /
und ein Fäusteballen hart und kalt.

Unsere Helden, das sind Pioniere /
einer rotmessianischen Mission, /
unsere Helden, unsere Namenlosen /
sind die Fahne flammender Legion.