LTB 103 – die urwelt steht ihnen offen

Eines muss man bedenken die /
saurierforscher sind viel unterwegs /
die urwelt steht ihnen offen /
wie schön ist es in die tiefe zu gehen /
zum stein mit dem sich die tiere /
für immer verbinden /

“Immer neue Schöpfungsgeschichten erzählen diese von Menschen und Tieren und Dingen bewohnten Gedichte. Ein poetisches Traumland der Erinnerung und Trauer, der Luftgeister und Zauberformeln.”

– Matthias Weichelt

LTB 105 – Gelegentlich Krähen

Nachhauseweg

Jeder Feldstein so vertraut, /
Lage, Gestalt, selbst Farbe, /
Eidechsen, deren Kadaver /
Kinder in die Ritzen stopften. /

Aber man lässt sich nicht täuschen, /
nicht mehr so leicht, /
fragt nun Fremde nach dem Wald. /
Farbe? Farbe? welche Farbe? /
Völlig missglückt, dieses /
Husten, bei allem Blut.

“Es ist diese Zurückhaltung in Wortwahl und Form, die neben der allen Texten eigenen Melancholie den spezifischen Ton der Gedichte Sanjosés ausmacht. Und doch […] findet sich in dem schmalen Band eine große Zahl ganz unterschiedlicher Sprecharten, vom Prosagedicht über Balladenhaftes und epigrammatisch Kurzes bis hin zum Sonett. Und stets öffnen die Gedichte dabei den Blick auf ein „Mehr”, das sie in die Welt hinein bringen, ohne es explizit nennen zu müssen, denn Sanjosé beherrscht […] neben der Kunst der präzisen Formulierung auch die Kunst des präzisen Verschweigens.”

-Dirk Uwe Hansen im Signaturen-Magazin
Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

RTB 095 – Wir Außenseiter

Peter Huchel, auch er ein enger Freund von Mayer seit DDR-Tagen, gab mir den Tipp: «Mit Hänschen ist es ganz einfach, sie müssen ihm jeden Tag ein Kompliment machen, dann ist er reizend.» Das stimmte; er war reizend, ich hatte nie Schwierigkeiten mit ihm und er mit mir hoffentlich auch nicht. «Doch mit dem Kompliment ist das nicht so einfach,» erklärte ich Huchel: «Neulich hielt er einen brillanten Vortrag, frei natürlich, vor dem Plenum der Akademie. Als er das Podium verließ, stieß ich pflichtschuldigst als sein Sekretär auf ihn zu, um zu sagen: Sie waren großartig. Doch bevor ich das sagen konnte, sagte er: War ich nicht großartig? In der Tat, er war großartig.»

Hans Dieter Zimmermann

RTB 098 – Minotaurus vernichtet alle, die ihm nahekommen

LTB 108 – Augen auf. Augen zu

rasende Gedanken /
luzide auf der /
Wäscheleine schwanken

«Die Gedichte von Ria Endres sind traditionsbewußt und zwar auf eine besondere Weise: [sie] enthalten Botschaften, die […] nur von ihr entziffert werden können.»

Lorenz Jäger, FAZ

Die FAZ veröffentlichte am 12. April 2016 im Feuilleton (Literatur und Sachbuch) unter dem Titel «Vater, Mutter, Kommunionkind. Die Rätsel einer persönlichen Geschichte» eine Rezension von Lorenz Jäger.

Am Erker, Zeitschrift für Literatur, veröffentlichte unter dem Titel «Ein Fleck, ein Heft, ein Gedicht» eine Rezension von Rolf Birkholz.

Im halben Licht

“Dieses einerseits Bewundert-­, andererseits Gehasst­-Sein, mal willkommen, mal bloß geduldet, mal befreundet, mal befremdet, immer wieder Vertrieben­-und­-Verjagt­-Sein, von Zeit­-zu­-Zeit­Gemordet­-Werden und aus unbeschreiblicher Lebenskraft und Hart­näckigkeit immer wieder Aus-­BracherErde­-Hervorsprießen von uns Juden, von denen im Laufe der Jahrhunderte mehr das Judentum verlassen haben als ihm treu geblieben sind – die meisten bitterarm und eine Minderheit vermögend und schwerreich, «wirt­schaftswichtig» – dieses «Geschick», nämlich der rote Faden, der erst im Nachhinein als die Geschichte durchlaufend erkannt werden kann und dem der Zionismus ein Ende bereiten wollte – wird für mich mit zunehmendem Alter immer unverständlicher, aber fühlbarer.” – Tuvia Rübner

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Entsetzlich, dass

Entsetzlich


dass entsetzlich


nicht entsetzlich ist

*

Entsetzen


dass Entsetzen


nicht entsetzt

LTB 104 – H I Q

Jest dom, w którym śpi
król księżyc, konkubiny
i koniczyna.

Ein Haus, dort schlafen
König Mond, die Konkubinen
und der grüne Klee.

LTB 109 – Im freien Fall

Kein Zweifel

Noch einmal kommt man so


leichtfüßig nicht mehr davon


mit den Flügelschuhen des Hermes


und seinen ausgetüftelten Tricks,


die geborgten Tage im Rucksack,


der stündlich gewichtsloser wird.


Bald fällt er lautlos von den Schultern


eines Skeletts, das ich nicht


wiedererkenne.

RTB 100 – Der Mensch ist nichts

Hubert Fichte (1935–1986) ist einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit.

Inhalt:

1 Hans Henny Jahnn

2 Die zweite Schuld

3 «Wir können nicht lieben.»

4 Leonore Mau

5 «Leben, um eine Form der Darstellung zu erreichen.»

6 Die Edition

7 Marcel Proust

8 Im Feuilletonzeitalter

9 Agadir

RTB 097 – Briefe an Kaspar Niklaus Wildberger

Letzte Erwartung

Die Treppe knarrt. Ich halt den Atem an.
Vielleicht kommt jemand jetzt zu mir:
ein Weib ein Kind ein obdachloser Mann.
Ich steh und warte hinter meiner Tür.

Mein Herz schlägt lauter als im Augenblick
da mir zum Kuß sich erster Mund genaht.
Wer jetzt hereinkommt ist mein letztes Glück,
ist die Erfüllung die ich oft erbat.

Wer du auch seist, komm nur geschwind herein,
hörst du die Glocke meiner Sehnsucht nicht;
hörst du nicht einer Seele Hilfeschrein,
die hinterm Türschloß Einsamkeit zerbricht?

 

aus: Wieder zu Haus; Klage und Bericht 4