Île d’Ouessant

Jean Krier, geboren 1949 in Luxemburg, studierte Germanistik und Anglistik in Freiburg im Breisgau. Er veröffentlichte zahlreich in Literaturzeitschriften (u. a. Akzente, manuskripte, Sprache im technischen Zeitalter), sowie in Rundfunksendungen.
Krier starb 2013 in Freiburg im Breisgau.

beer-sheva

eines

bettlers sternenaussatz

das

blaue licht seiner füsse

der

maulbeerbaum seiner stirn

weisse tiere rings um beersheva

frau martita jöhr zu weihnachten 1963

 

Celan Studien (Neue Folge) 06 – Der Celan-Mythos

Leben die Bücher bald? – Friedrich Hölderlin

“Die Landschaft, aus der ich zu Ihnen komme, dürfte den meisten von Ihnen unbekannt sein”, erklärte Celan bei der Entgegenahme des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen. “Es ist die Landschaft, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil jener chassidischen Geschichten zu Hause war, die Martin Buber uns allen auf Deutsch wiedererzählt hat. Es war eine Gegend, in der Menschen und Bücher lebten.”

LTB 120 – Gedichte

Die Halbinsel

Zwei Fischer ziehn das Netz aus dem Gewässer. /
Den Raben ist die Stille nicht geheuer. /
Der Knabe schürt das schwache Reisigfeuer /
und wetzt am Stein sein Taschenmesser. /

Im Knieholz rührt der Wind die Haselruten, /
das sachte Wehen, wo begann es? /
Der toten Fische Kiemen bluten. /
Die Männer heißen Simon und Johannes.

 

HAH Bd. 19 – Heimsucht Fernweh

Signaturen, Forum für autonome Poesie, veröffentlichte unter dem Titel «aber wie ferne ist gestern/ wie kurz wird/ morgen» eine Rezension von Timo Brandt.

LTB 123 – Der Mann zwischen Fenster und Spiegel

Der Föhn

Der Föhn hat die letzten Fetzen /
Sommers aus Süden gebracht, /
im Tag, dem entsetzten, setzen /
fest sie sich, faulige Fracht. /
Das Welklaub will frisch auf die Bäume. /
Wir treiben in trägere Träume.

Wir ängstigen uns vor der Schwüle, /
die schwärt mit schimmligem Schimmer. /
Wir schließen die Fenster, die Zimmer /
und küssen die Kühle.

LTB 124 – Granitene Strophen will ich erbauen Obelisken voll knirschender Wut

Präludium

[…]

Granitene Strophen will ich erbauen, /
Obelisken voll knirschender Wut, /
in sie den Schrei der Fabriken einhauen /
und röchelndes Atmen und hungriges Schauen /
und Händeringen, Tränen und Blut! /

[…]

Kristallener Hymne donnere ich dann: werde /
Sturmbock gegen die Fron! /
Reck’ dich gewaltig mit Riesengebärde, /
entfache Vulkane, entzünde die Erde! /
sei Brandpsalm der Revolution! /

RTB 111 – Der Junge, der Asta Nielsen sah

Weltuntergänge

Auf und nieder auf und nieder /
Wunder gibt es immer wieder /

Wir wären alle schön verrückt /
Wenn uns der Untergang nicht glückt /

Was sagt uns der Prophet? /
Wenn die Welt schon untergeht /
Kommt alle Buß und Reu zu spät

Inhalt:

Vorwort

Sintflut im Zeitraffer:
«Das Jüngste Gericht» von Jacopo Tintoretto
Essay

Der Weltuntergang findet nicht statt:
Hörstück

Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen

Liebe Kinder

Bin abgereist. /
Seid ohne Sorge, wenn ich nicht schreibe. /
Hoffe auf gesundes Wiedersehen. /
Grüßt Ernst, Lotte u. Kinder. /

Eure Mutter

Aus dem Vorwort:

Mit diesem Buch gedenken wir der 2.000 jüdischen Aachener Bürgerinnen und Bürger, die zwischen der «Machtergreifung» am 30. Januar 1933 und dem Ende der nationalsozialistischen Schreckens­herrschaft in der Synagogengemeinde Aachen durch das Naziregime aus «rassischen Gründen» verfolgt wurden. Das Schicksal dieser 2.000 Menschen versuchen wir zu klären.

Das Ziel der Nationalsozialisten war es, diese Menschen zu vernichten.

Dagegen setzen wir die Lebensgeschichten und die Namen der Ermordeten.

Das Ziel des Gedenkbuchprojektes für die Opfer der Shoah aus Aachen e.V. ist es, an diese Menschen zu erinnern und die Namen und Geschichten der ermordeten Aachenerinnen und Aachener in den Mittelpunkt des Gedenkens zu stellen.

Bisher wissen wir von 841 Aachenerinnen und Aachenern, dass sie ermordet wurden, 150 Personen starben in der Zeit von 1933 bis 1945 eines natürlichen Todes, 563 Menschen überlebten durch Flucht und Emigration die Shoah. Das Schicksal von 446 Verfolgten konnten wir bisher noch nicht klären. Der unabgeschlossene Charakter dieses Gedenkbuchs bleibt also weiterhin bestehen.

Das «Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen» besteht aus zwei Teilen.

Im ersten Teil lesen Sie Biographien zu 174 ermordeten Personen und 102 ihrer Familienangehörigen. Mit den Biographien dieses Bandes wird vom Leben der Menschen in der Region, von Nachbarn und Kollegen, von Mitschülern und Freunden berichtet. Sie waren in erster Linie Aachener, waren Deutsche.

Im zweiten Teil des Gedenkbuchs werden die Namen, Vornamen und Geburtsdaten aller uns bisher bekannten 841 ermordeten Aachenerinnen und Aachener, deren Deportationsweg, Todesdatum und der Ort ihrer Ermordung aufgeführt.

Bettina Offergeld, Hannelore Herpertz, Corinna Broeckmann

WDR Lokalzeit Aachen berichtete am 25. Januar 2019 über die Übergabe des Gedenkbuchs an den Oberbürgermeister der Stadt Aachen

WDR Lokalzeit Aachen berichtete am 13. März 2019 unter der Überschrift «Buch erinnert an ermordete Juden in Aachen» über Gedenkbuch, Gedenkbuch­projekt und Überreichung des Gedenkbuchs an Hinterbliebene der Opfer