Celan Studien (Neue Folge) 08 – Celan, Weißglas. Die Wasser des Bug

Für Celan waren Flüsse mehr als topographische Gegebenheiten. Er hatte ein Gespür für ihre beinahe metaphysische Bedeutung, und daher konnte ihn die unheilvolle Wandlung des Südlichen Bug von einer utopischen Landschaft religiöser und literarischer Schöpfung, einer Zufluchts- und Pilgerstätte, in einen Ort der Vernichtung nicht unberührt lassen. Besser als irgendjemand sonst vermochte er dieses Paradoxon und den Schmerz über die Vernichtung des jüdischen Volkes in Regionen, die es mit seinem geistigen Reichtum und seiner Kreativität geprägt hatte, in Worte zu fassen. Flüsse prägten Celans Leben und Werk, die Seine, der Rhein, der Bug oder die Oka. Und auch sein Tod steht im Zeichen eines Flusses, da er seinem Leben in der Seine ein Ende setzte.

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Aus dem Vorwort von Andrei Corbea-Hoisie:

“Wenn man eines Tages auf die Idee käme, einen Atlas über die Celan-Forschung der letzten fünf Jahrzehnte zu entwerfen, würde man mit Sicherheit feststellen, dass Paris und Frankreich im Vergleich zu vielen anderen Orten im deutschsprachigen Raum sich zu einem der stärksten und vitalsten Zentren der Auseinandersetzung mit dem Werk des aus der Bukowina stammenden Dichters entwickelte. […] Das an sich unkonventionelle Buch Marc Sagnols fügt dem noch unvollständigen Puzzle des Celan-Wissens ein weiteres wichtiges Einzelteil hinzu. Auch darum verdient es, gelesen zu werden.”

Maulwurfsaugen

Die Nächte in Istanbul sind die Bühnen, um jegliche Lust zu erfüllen. In diesen Nächten trifft der Bräutigam seine Frau, der Mörder sein Opfer. Wie in tausend und einer Nacht muss sie in jeder Nacht um ihr Leben bangen. Ihr Name ist O.

Im Türkischen heißt O „er, sie, es“. Bis ans Ende der Nacht reist O., bis ein Bräutigam seine Arme öffnet. Wie viel anderen hat er schon Versprechungen gemacht. An diesem Abend ist eine Nachtigall zu hören. Auf dem Grund des Meeres spielen niedliche, blinde Kinder mit ausgedienten Sonnen. In den Heckwassern der großen Fähren mischt sich manchmal eine verdorbene Süße mit den Umrissen der Kontinente. Die Möwen schwärmen besonders hoch und ganz geradlinig im Mondlicht des frühen Morgens aus. Die Vögel singen und schreien auf den Häusern, im Himmel, in den Bäumen. Bald wird etwas Neues beginnen.

Wohin schmilzt der Schnee des Winters? Wer ist O.? Wer wird O. sein? Nachts sind alle Katzen grau heißt es, um zu sagen, wie schwer es sich erkennen lässt, wer wer oder was ist.

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“Schablewski rückt häufig ‚Randexistenzen‘ in den Mittelpunkt seiner auch formal außergewöhnlichen Geschichten. In seiner Prosa wie in
seiner Lyrik schließt Schablewski an avantgardistische und experimentelle Traditionslinien an und setzt einige von diesen mit innovativen
Mitteln fort.”

-Jürgen Nelles, Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Moses Rosenkranz – Leben in Versen

Ende der 50er Jahre entstehen neben Gedichten Moses Rosenkranz‘ autobiographische Schriften „Kindheit“ und „Jugend“ und das Romanfragment „Der Hund“, eine fiktionale Gestaltung seiner Lagererfahrungen anhand des Lebensweges eines KZ-Schäferhundes.
1961 gelangt Moses Rosenkranz in die Bundesrepublik, wo er lange unbekannt bleibt, und widmet sich der Aufarbeitung seines Werkes, bis er 2001 durch „Kindheit“ wiederentdeckt wird. Er stirbt mit fast 99 Jahren am 17. Mai 2003.

Die Interviews und Lyriklesungen durch den Autor, die Mitte der 90er Jahre entstanden, sind die einzigen Filmaufnahmen von Moses Rosenkranz. Die Dokumentation bietet einen Einblick in das außergewöhnliche Leben und Werk des deutschsprachigen Autors und in die Literaturlandschaft der Bukowina.

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Diese Dokumentation zeigen wir mit freundlicher Genehmigung der Matthias-Film gGmbH.


Den Film können Sie bei der Matthias-Film gGmbH käuflich erwerben, weitere Informationen finden Sie hier.

RTB 118 – Rattenroman

Hier werden die 1980er Jahre wieder lebendig, ihre Lebensverhältnisse, Sprache, Moden, Ideen, Wege und Irrwege. Köln und Wuppertal. Und Hameln. Ratten. Männer, Frauen, Knaben. Große Verwirrung der Gefühle.

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„Kompliment. Gute Komposition und ein spannender Ablauf. Mir hat das gefallen.“

-Fritz J. Raddatz


„Seit dem ,Ratten-Roman‘ (1986) treibt Friedrich Kröhnke sein Unwesen als unterhaltsamer Erzähler, der frech die Abgründigkeiten etablierter Institutionen aufdeckt. Es ist kein Wagnis, diesem Talent eine große Zukunft zu prophezeien.“

Der Tagesspiegel

Ernst Meister…. Versuch einer Annäherung [VHS-Kassette]

Die Vorliegende Dokumentation des WDR führt in Leben und Werk Ernst Meisters ein. Sie entstand 1979, im Todesjahr des Hagener Dichters, der zu den bedeutensten Vertretern der deutschen Literatur nach 1945 zählt. Mit Lesungen eigener Gedichte und in Gesprächen mit den langjährigen Freunden Hans Bender, Nikolas Born und Christoph Meckel gelingt der Autorin Birgitta Ashoff ein eindringliches Portrait des Lyrikers.

LTB 064 – Am Rande Vielfalt – Zehn Dichter aus der Bukowina

Trotz der zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Literatur der Bukowina gibt es noch viele weiße Flecken auf der literarischen Landkarte. Die vorliegende Sammlung soll dazu beitragen, einige dieser Flecken zu schließen. Die Autorinnen und Autoren gehören zu den „vergessenen“ Schriftstellern der Bukowina, deren Werke zwar in Anthologien abgedruckt sind, aber wenig Beachtung finden. Dies zeigt sich schon daran, dass viele Angaben, die sich in den Standardwerken zur Literatur aus der Bukowina über die Autoren finden, falsch oder lückenhaft sind. Es bedurfte einer aufwändigen Recherche, um wenigstens Teile der Informationen zu verifizieren oder die Werke, die teilweise nur in Zeitungen erschienen sind, zu sammeln zusammenzuführen.

Hugo Maier (1889 – 1942)


Heinrich Schaffer (1895 – 1962)


Ninon Hesse (1895 – 1966)


Artur Kraft (1897 – 1944)


Dusza Czara-Rosenkranz (1898 – 1967)


Ariadne Baronin Löwendal (1899 – 1954)


Ernst Maria Flinker (1899 – 1970)


Erwin Chargaff (1905 – 2002)


Siegfried Laufer (1908 – 1933)


Else Keren (1924 – 1995)

LTB 136 – die toten schlafen fest

korallen hinter glas verbannt, fische, muscheln. der boden


eine tiefseeattrappe setzt schlamm im becken ab


wo du dich hindurchzwängst, sind alle arme in arbeit


du kannst mit der haut sehen, dein haupt kann gehen


und berührt an vier seiten nur glas. dem tierpfleger


speist du das halbe aquarium ins gesicht. die beleuchtung längst


ausgelöscht vom wasserstrahl. acht arme, drei herzen, der körper


ein hirn. vom blick der besucher müd geworden. jeder spalt im deckel


ein fluchtimpuls. farbwechsel, das ist dein liebesspiel


mit tastenden bewegungen deiner tentakel die schlierigen kacheln


entlang ins offene abflussrohr hinaus in die see.

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“ein bemerkenswerter band mit einer eigentümlichen ‘ernüchterung’ herkömmlich-poetischen materials (licht, wald, tod etc.)”

-Autor Àxel Sanjosé über den Band “die toten schlafen fest”

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“Seine Texte wachsen, blühen auf, verändern sich, entwickeln ein Eigenleben, in dem Zeilen, Begriffe und Bilder so lange auf Wanderschaft bleiben, bis ihr Autor weiß: ‘Ja, so soll es sein. Das bin ich.’ […] In allen Arbeiten schenkt er denWorten ihre Freiheit.”

-Sabine Rother in der AAZ vom 31.10.2023

LTB 137 – Sonette vom Libanon und andere Gedichte

Seit Beginn des Mittelalters schuf die christliche Kirche für ihre liturgischen Gesänge unsere wichtigsten Reimformen (gleichbleibend, alternierend, gekreuzt, umarmend) wie auch die Verseinteilung in vier, fünf, sechs, sieben, acht und zehn Silben, ganz zu schweigen von rhythmischen Verfahren in gewissen Prosen, deren verloren gegangene Regeln eine Art Geheimnis scheinen; damit brachte sie die französische Poesie zur Welt. Ein schreckliches Kind! Eine Tochter, die häufig ihre Mutter beleidigte und schlug. Ach! Und dennoch ist sie ihre Tochter, und die Kirche weiß es sehr wohl.


Manchmal kehrt dieses Kind übrigens zurück und wirft sich in die Arme ihrer sehr alten und immer jungen, da unsterblichen Mama, und die Kirche lächelt ihrer schlechten Tochter zu, denn sie ist ihr zu schön geraten, als dass man sie nicht lieben und ihr immer verzeihen müsste. Wenn sie zum Beispiel um Hilfe und Verzeihung bittet wie die Poesie von Verlaine oder wenn sie sich melodiös und edel und zärtlich und enthusiastisch präsentiert wie die Poesie von Germain Nouveau.

-Ernest Delahaye: Vorwort zu Poésies d‘ „Humilis“ (1924)

 

Zurück vom Mondgebirge

Kein fester Punkt. Die Erde kreist, und von der Zeitverschiebung verwirrte Passagiere sind mit dabei, Pakete günstig gekaufter Zigaretten unterm Arm, und keiner erwartet sie.

Schau dir meine Schätze an, sagt Adrian zu dem Jungen, geh alle Stapel durch, Jacken und Halstücher, such dir aus, was du magst.

Indianer

Wie die anderen drei Teile ist auch dieser «Satzbau» geprägt vom Prinzip der Collage: Absicht und Zufall treffen aufeinander.

“Das Wort Indianer ist mittlerweile unerwünscht, wenn nicht verboten. Welche hohe Kommission oder Behörde dieses Verbot ausgesprochen hat, ist nicht herauszubekommen. Wie dem auch sei, dieses toxische Wort muß hier verwandt werden, denn es gehört zu einer Geschichte, die sich in einem Jahrhundert ereignete, das weniger empfindsam war als das gegenwärtige.”

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“ein bemerkenswerter Band mit der programmatischen verweigerung domestizierten erzählens: notizen, kleinstgeschichten, lyrische prosa, immer konzept, perspektive, tonalität, dramaturgie wechselnd, lakonisch und zwischendurch nahezu plaudernd, a-hierarchisch.”

-Autor Àxel Sanjosé über den Band “Indianer. Ein Satzbau IV”