Arisierung und Wiedergutmachung

Die Bedeutung der jüdischen Tuchfabriken wurde in der Geschichte der Aachener Tuchindustrie nicht explizit thematisiert, was als Zeichen einer gelungenen Integration verstanden werden kann. Im Jahr 1938 setzte mit der Erfassung jüdischer Vermögen eine neue Phase der Diskriminierung ein, die mit dem Novemberpogrom einen brutalen Schritt zur Verfolgung und Vernichtung jüdischer Existenzen vollzog.
Eine Flucht konnte nur durch Arisierung und Zurücklassung des Vermögens erkauft werden. – Nach dem Krieg wurden die Verbrechen der NS-Zeit zwar öffentlich, aber der Kampf mit den Verwüstungen des Krieges war ein drängenderes Problem. Überlebende oder deren Angehörige glaubten ihr geraubtes Eigentum zurückfordern zu können, was durch das Wiedergutmachungsamt geregelt werden sollte. Doch man bestand darauf, dass es sich um ganz reguläre Verkäufe gehandelt habe und nicht von „Arisierung“ gesprochen werden dürfe.

Für ein mehr als nur oberflächliches Verständnis der Aachener Wirtschaftsgeschichte ist es wichtig, die Bedingungen des Wandels dieser von internationalen Beziehungen und Moden abhängigen Branche zu verstehen. Die bemerkenswerten Erfolge jüdischer Tuchgrossisten und Tuchfabriken und ihre fehlende Berücksichtigung in der Geschichte der Aachener Tuchindustrie sind ein blinder Fleck, der im vorliegenden Band mit Familien- und damit verbundenen Unternehmensgeschichten näher beleuchtet wird.

Erzählen in einer lustigeren Manier

Seit die romantisch-revolutionären Schriftsteller um 1800 und das damals neugegründete Universitätsfach Germanistik Grimmelshausen wiederentdeckten, von dem sie zunächst nicht einmal dessen wirklichen Namen, nur seine Pseudonyme kannten, haben ernstzunehmende deutschsprachige Schriftsteller, aber auch zahlreiche bildende Künstler dem simplicianischen Autor ihre Reverenz erwiesen. Gerühmt wird vor allem seine immer noch erstaunlich frische, saft- und kraftvolle, unverbrauchte, reiche Sprache. Hans Magnus Enzensberger vergleicht sie mit einer alten Münze, die unabgenutzt immer noch so glänzt, als wäre sie erst heute geprägt. Man könne kaum glauben, so schreibt er, dass sie „aufs Jahr genau so alt ist wie das Schloss von Versailles, so alt wie Racines Berenice und die Allonge-Perücke“. Man bewunderte aber auch Grimmelshausens Kunst der realistischen Darstellung, die Plastizität und Freiheit seiner Figuren, den ungezwungenen Umgang mit Stoffen und Formen der Tradition, seine diskrete, überkonfessionelle Christlichkeit.

Die vorliegenden zehn Studien über die Dichtungen Grimmelshausens sind in jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesem faszinierenden Autor entstanden. Sie erscheinen erneut in der Hoffnung, Neugier auf den großen Dichter der Barockzeit zu wecken, der ohne Scheu zugab, dass er nicht zu den Gelehrten gehöre und für Leser aller Stände und Schichten schreibe.

RTB 116 – Spinnentempel

… hinaus in einen weißblühenden Frühling, ein 1972, in dem Tibor und ich durch ein wahres Meer von Obstbäumen auf den Spinnentempel zufahren, ich auf seinem Fahrrad, er auf meinem Velosolex, schwarz das eine, chromglänzend das andere – aus den Seitentüren des Spinnentempels heraus auf den Spinnentempel zu, im Traum ist das kein Paradox …

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“Friedrich Kröhnke hat in den letzten 25 Jahren ein ganz eigenes Idiom ausgebildet… ein Gespür für sprachliche Intensität und erzählerische Dramaturgie, wie es ganz selten ist.”


Tobias Lehmkuhl, Deutschlandradio

“Der einzige Einwand, der sich gegen dieses feine Buch erheben lässt: Es ist zu kurz.”


Hans Christoph Buch, FAZ am 13.06.2023

“Der Roman entwickelt in seiner Verdichtung einen eigenen Sound zwischen Velosolex-Knattern, dem Allegro con fuoco aus Dvoraks Neuen Welt, der Internationale und So long Marianne…”
Torsten Flüh, nightoutatberlin.de vom 20.07.2023

Härten der Schreibweise. Literarische Positionen französischer Homosexueller

In der relativen Deutlichkeit ist das ein Phänomen der Endsiebziger, getragen noch von der Schubkraft des neuen Aufbruchs: daß sich die Homosexuellen, was sie vorher, in den Phasen der Camouflage, nur ausnahmsweise über sich brachten, als solche offener in ihre Kulturproduktionen einbringen. Sie haben es weniger nötig, sich hinter die Maske großer, ‘genialer’ Künstlerschaft zu flüchten, um sich vernehmlich zu machen – sie riskieren es stattdessen von vorneherein, ihre Andersartigkeit zu bekennen und sie selbst ohne Umwege zum Gegenstand ihrer Kunst zu machen. Seit den Neuanfängen der Schwulenbewegung ist die Kunst der Homosexuellen nicht mehr die alte, eine abgehobene Sache für sich, Aufgestülptes wie alles andere, sondern sie ist in erster Linie – oder sollte so sein – Medium der Selbstreflexion, der Selbstklärung, des individuellen wie auch des kollektiven Zu-Sich-Kommens, in den eigenen Zusammenhängen wie in den Zusammenhängen der Bewegung.

Stefan George

Aus dem Inhalt:

Der Dichter und die Dinge (1939)


Erinnerung an Karl Wolfskehl (1949)


Die klassische Idee bei Stefan George (1958)


Stefan George und die Welt des Konkreten (1965)


Stefan George und die Gegenwart (1960)

RTB 119 – Hubert Fichtes Tagebuch. Agadir

Auch das ist europäisch gedacht.


Beim Schuhputzen zu betrügen.


Ein Schuhputzer betrügt einen Touristen.


Wer betrügt da wen?

LTB 131 – flecken im leeren

Aus dem Vorwort:

Hans Arp – oder Jean Arp, wie er in Frankreich meistens genannt wird – hat sich mit seinem grafischen, bildhauerischen und dichterischen Werk sowie als Mitstreiter mehrerer Avantgardebewegungen – des Dadaismus, des Surrealismus und der abstrakten Kunst – so große künstlerische Verdienste erworben, dass sein Name seit langem zu den bekanntesten sowohl der Kunst- als auch der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts zählt. Begnügen wir uns hier mit einer kurzen Würdigung seines poetischen Werks, das er in zahlreichen Gedichtbänden vorgelegt hat, von denen der erste 1920 erschien.

„Es ist immer die gleiche Substanz“, zitiert Arp dagegen den vorsokratischen Philosophen Heraklit, „die in allen Dingen ist: Leben und Tod, Wachen und Schlaf, Jugend und Alter. Denn durch Verwandlung wird dieses zu jenem, und jenes wird durch Verwandlung wieder zu diesem.“ Wie bei vielen Dadaisten und Surrealisten ist in dieser ganzheitlichen, dialektischen Weltsicht der Humor auch bei Arp ein Element, das die bestehende Geistesordnung zusätzlich untergräbt – und das nicht nur in der Dichtung.

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Der Dichter kräht, stottert, jodelt, wie es ihm passt” – Ein Artikel von Egon Günther für ‘nd Journalismus von Links’

LTB 135 – Letztes Wegstück

“Albert von Schirndings Dichtung markiert, im Bewusstsein der Verbundenheit mit den Traditionen, einen eigensinnigen und allein schon deshalb bemerkenswerten Aufbruch ins Offene.”

– Aus dem Nachwort

Zeitlandschaft

Das Feuer der Gegenwart


wärmt nicht mehr


Wo bleiben die andern


Das abgeworfene Gepäck in der Grube


Unter der Schneedecke liegt das Gestern begraben


Jenseits des Flusses


dessen Brücken gesprengt sind


dehnt sich die Zukunft


Der Rückzug endet hier


Mein Stern erlosch

RTB 117 – Der Schwan

Wie soll ein sensibler Jüngling sich am Grab seines Onkels verhalten, den er als liebenswerten, aber windigen, schmarotzenden Hausgenossen hingenommen hatte, ohne jemals zu bedenken, welchen Verlust dessen Tod fürs Haus bedeuten würde? Wie überhaupt die Rolle des fehlenden Hausherrn und Familienoberhaupts ausfüllen? Alle Versuche, sich in der neuen Lebensklage zu bestätigen, scheitern grausam, offensichtlich gemacht in der hinfälligen Tötung eines Schwans.

Helmut Käutner. Regisseur und Schauspieler

“Es dunkelte schon, als ich vor seiner Villa aus dem Taxi stieg. Als ich klingelte, öffnete sich das eiserne Gartentor selbsttätig, und auf einem Kiesweg gelangte ich zum erleuchteten Entree des Hauses. Da stand in der geöffneten Tür ein schmaler Mann mit weißem Haar, sagte: “Das sind Sie ja, meine Liebe, nur herein!” nahm mich nach dem Händeschütteln um die Schultern und führte mich in einen riesengroßen Salon, wo wir Platz nahmen. Alles hier beeindruckte mich.” – Erika Pluhar

Über Helmut Käutner ist seit seinem 100. Geburtstag einiges Interessante veröffentlicht worden, aber immer nur in Teilaspekten. Eine Darstellung seines filmischen Gesamtkunstwerkes ist bislang ausgeblieben und wird hiermit in knappster Form vorgelegt. Eine umfangreiche Sammlung von Autogrammkarten, Kinoplakaten, Aushang-, Presse- und Privatfotos soll eine längst vergangene Kinowelt näher bringen.