LTB 088 – Zuende bringen

Wenn in den Ecken der Wohnung die Nacht sitzt, /
ein großes irres Kind in den Raum grinst, /
und das Wort Draußenangst spricht, /
wie der Gehvogel, im zweiten Stock, durch die Zimmer /
spazieren geht, laut aufschreit und lacht, /
als säße der große Spaß im Ohrensessel. /
Vielleicht kommt dann der Dünne zum Staubessen, /
wenn draußen das Autolicht angeht – /
denn im Licht sieht man den Staub…

– 1996 –

HB Bd. 06 – Aufzeichnungen

HAH Bd. 16 – Sterngefieder. Die Ferne so nah

LTB 089 – Englischsprachige Lyrik aus vier Jahrhunderten Teil II

Lied  (I)

Von so vielen Dingen sprachen wir heut,


Doch ich weiß nicht, was war es gewesen,


Und ob es um Leid ging oder um Freud:


Doch oh, wie genau hab ich gelesen


Jedes Zauberwort, das ihre Augen mir gesagt!

Harrington Green

Englische Lyrik: John Donne (1572–1631), George Herbert (1593–1633), Edmund Waller (1606–1687), John Greenleaf Whittier (1807–1892), James Thomson (1700–1748), Helen Maria Hunt Jackson (1830–1885), William Henry Davies (1871–1940), Grace Stirling (verfasst um 1850), Coventry Patmore (1823–1896), Algernon Charles Swinburne (1837–1909), Thomas Hardy (1840–1928), Harrington Green (1891–1914), Alfred Noyes (1880–1958), Edna St. Vincent Millay (1892–1950), Christopher Brennan (1870–1932), Mary Gilmore (1865–1962), John McCrae (1872–1918), Charles H. Sorley (1895–1915), Siegfried Sassoon (1886–1967), Bryan Guinness (1905–1992), John Betjeman (1906–1984), Hugh MacDiarmid (1892–1978), William Butler Yeats (1865–1939), Rosemary Tonks (geboren 1932)

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Die zweisprachige Anthologie in drei Teilen ist das Ergebnis einer langjährigen intensiven Beschäftigung mit englischsprachiger Lyrik. Auch hier stand Pate die Idee, authentisches Wissen über das Wesen unserer Nachbarn aus dem reichhaltigen Fundus der Lyrik von vier verflossenen Jahrhunderten anzusammeln.

RTB 084 – Französische Hauptstadt, deutsche Provinz

Der große französische Schriftsteller Marcel Proust war nur einmal in Deutschland, 1897 im kleinen, damals beliebten Kurort Bad Kreuznach. Er wohnte mit Mutter und Bruder im «Hotel Oranienhof», in dem zwanzig Jahre später Hindenburg und Ludendorff die Schlachten planten, die Hunderttausenden das Leben kosteten. Bad Kreuznach war von Anfang 1917 bis Anfang 1918 Sitz des Kaiserlichen Hauptquartiers. Der letzte Band von Prousts großem Werk «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» zeigt die Folgen des großen Krieges in Paris, in dem das alte Europa unterging. Verantwortlich waren die politischen und militärischen Führer in den Hauptstädten, die Folgen trugen alle, das zeigt dieser Blick auf eine kleine gastfreundliche Provinzstadt, die vom Krieg beeinträchtigt wurde.

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 29. September 2014 unter dem Titel «Ortstermin» eine Rezension von Lothar Müller.

RTB 087 – Die Feindin

Als ich letztes Jahr in Berlin «Medea» sah, fühlte ich mich in meiner Vermutung bestätigt, dass «die betrogene Frau» ein Archetyp ist, der eine Stimme in uns hat. Ich holte meinen Text «Die Feindin» aus der Schublade und begann ihn vorsichtig zu bearbeiten … und er sprach zu mir von diesem mörderischen, jahrtausendealten Schmerz, den Liebende in sich tragen; in den die, die sich verraten fühlen, hinabmüssen, wenn sie sich selbst in ihrer Nieder-Lage besiegen wollen. Insofern hat dieses Buch mit jedweder Biographie nichts zu schaffen.

Lioba Happel

LTB 092 – Mögest du immer meinen Namen rufen

Liebesgedichte aus dem Alten Ägypten

Ich atme den erfrischenden Odem,


der aus deinem Munde kommt.


Deine Schönheit schaue ich täglich.


Mein Wunsch ist, deine liebliche Stimme im Nordwind zu hören,


auf dass mein Leib jung werde mit Leben, aus Liebe zu dir.


Reiche mir deine Hände, die deine Lebenskraft halten,


damit ich sie empfange und durch sie lebe.


Mögest du immer meinen Namen rufen,


ohne dass er in deinem Mund erstirbt.


Mein Herr Echnaton,


du bist bei mir für immer und ewig,


da du wie die Sonne (Aton) lebendig bist

Hier finden Sie eine Lesung Schlögls, die Gedichte dieses Bandes beinhaltet.

LTB 102 – Liebesgedichte

Bienenkorb

Wir leben in Zellen /
aus Glas, /
in einem Bienenkorb aus Luft! /
Wir küssen uns /
durch das Glas. /
Welch wunderbares Gefängnis, /
dessen Tür /
der Mond ist!

Federico García Lorca dürfte neben Jorge Luis Borges und Octavio Paz der in Deutschland bekannteste spanisch­sprachige Lyriker und – neben Cervantes – der bekannteste spanische Dichter sein. Sein Leben endete viel zu früh, im Jahr 1936, zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges, als er von faschistischen Schergen ermordet wurde. Seine Schauspiele – vor allem «Bernarda Albas Haus» – haben Millionen von Zuschauern in ihren Bann gezogen. Seine Lyrik erschüttert immer wieder unzählige Leser.

RTB 102 – Améry – Canetti – Hartung

Inhalt:

Rudolf Hartung: Mit Vergangenheit und Schicksal und Die Freiheit, sein Leben zu beenden.

Briefwechsel
Jean Améry und Elias Canetti;
Jean Améry und Rudolf Hartung

Texte aus dem Nachlass von Elias Canetti
Aufzeichnungen zu Jean Améry
Rudolf Hartungs letzte Krankheit

Brief von Elias Canetti

Ingrid Pohl: Allein und Anmerkungen zu Canetti

Hans Dieter Zimmermann: Über Rudolf Hartung

Salam Jerusalem

Dass weltoffene Muslime, wie Nicht-Muslime, Israel gegenüber Vorbehalte haben, ist als Ergebnis der langen muslimisch-jüdischen Konfrontation(en) nicht verwunderlich. Erfreulich ist es, wenn sich Menschen schließlich doch dazu durchringen, eigene Vorurteile durch eigene Anschauung und eigenes Denken zu überprüfen – und gegebenenfalls abzubauen. Mohammed Khallouk ist so ein Moslem, so ein Mensch. Er ist ein Mensch – und entdeckt auf diese Weise, dass Juden und Israelis Menschen wie du und ich sind.

Michael Wolffsohn