Kopf auf dem Hebros

Das «lange Gedicht», von dem Ernst Meister erstmals im Brief an Reinhard Paul Becker (14.2.1956) spricht, gehört nicht zum Konvolut der nachgelassenen Gedichte, den er mit Ilse Demtröder zusammengestellt hat. Entstanden im Umkreis von «Der Südwind sagte zu mir» (1955) und des Dramas «Ein Haus für meine Kinder», unterscheidet es sich durch Umfang und parodistisch-ironische Machart so extrem von Meisters weiterer Entwicklung als Lyriker, daß er es auch nach einer straffenden Bearbeitung 1963/64 wieder und endgültig beiseite legte.

Dieter Breuer

Dieter Breuer war bis zu seiner Emeritierung Professor für Germanistik an der RWTH Aachen.

LTB 085 – Anaptyxis

Es dengelt, /
es dengelt arg, /
und wie ein alter Eichelhäher /
siebt Gott das Licht /
in größter, liebevoller Eile, /
entkernt die Wörter sacht. /

Prasseln, Friede, /
nur diesen Dellen hier /
fehlt ringsum die Fläche.

“In diesem Buch findet man keine Zeile, die nur ornamentale Funktion hat oder ein geläufiges Metaphernrepertoire bedienen würde. Diese Gedichte haben unendlich viele Bearbeitungsstufen durchlaufen, bis sie ihre opak schimmernde Sprachgestalt erreicht haben.”

-Michael Braun im TAGESSPIEGEL

Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

“Wie hier das ›Ich‹ in den Silben nachklingt, wie es sich entfaltet und doch zugleich spürbar werden lässt, es könnte nichts sein als blosse Gischt – das ist eine Kunst für sich, und keine kleine.”

-Nico Bleutge in der NZZ

Kinder- und Jugendjahre mit Elieser Steinbarg

Wir Außenseiter. 33 Jahre Rimbaud Verlag (1981–2014)

Albers – Wir Außenseiter

 

Über den Rimbaud Verlag

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Seit 2020 befindet sich das Archiv des Rimbaud Verlages in der Hand der Berliner Akademie der Künste.
Rimbaud Verlag im Archiv der Berliner Akademie der Künste

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„Bernhard Albers gab 2003 im Rimbaud-Verlag Aachen eine Anthologie heraus: ‚Blaueule Leid. Bukowina 1940-1944‘. Eine wohl dokumentierte Anthologie mit Texten von 23 deutschsprachigen Autoren aus Czernowitz und der Bukowina, die bis 1918 zum Habsburger-Reich gehörte, danach zu Rumänien, heute zur Ukraine. Im Rimbaud Verlag erscheint eine Reihe ‚Bukowiner Literaturlandschaft‘, die mit 100 Titeln abgeschlossen ist.“ […] „Dass Rudolf Hartung, der Lyriker und Kritiker und Redakteur der ‚Neuen Rundschau‘, nicht vergessen ist, verdanken wir dem Rimbaud Verlag, der seine wichtigsten Arbeiten verlegt. ‚Literatur‘, so Rudolf Hartung in seinen Aufzeichnungen, ‚ist jene Berufungsinstanz, vor der der verlorene Prozess des Lebens noch einmal aufgerollt wird.‘ “ […] „Hans Mayer gab diese Rede ‚Wir Außenseiter‘ an den Rimbaud-Verlag in Aachen, ich wiederhole jetzt, was ich über den verschwundenen Neske-Verlag sagte: an einen bescheidenen, aber feinen Verlag, der von dem literaturbesessenen Verleger Bernhard Albers und seinem Freund geschaffen wurde. Mayers Text war der erste eines prominenten Autors, dem weitere prominente Autoren im Verlagsprogramm folgten: Erich Arendt, Ernst Meister und die Akademie-Mitglieder, Jean Améry, Hans Bender, Elias Canetti, Rudolf Hartung. Man könnte sagen, niemand hat diesen Autoren der Abteilung Literatur der alten West-Berliner Akademie der Künste so sehr die Treue gehalten wie der Verleger von Rimbaud.“

-Zimmermann, Hans Dieter: Ein Rückblick auf 80 Jahre. Und was ich der Gruppe 47 verdanke. Erinnerungen. Klagenfurt, 2021.

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Inhalt (Auswahl):

33 Jahre Gespräche

Walt Whitman


Arthur Rimbaud


Georges Rodenbach


Wilhelm von Gloeden


Stefan George


Franz Schreker


Ezra Pound


Georg Britting


Cesar Vallejo


Erich Jansen


Emil Barth


Rose Ausländer


Erich Arendt


Moses Rosenkranz


Ernst Schönwiese


Alfred Kittner


Hans Mayer


Ernst Meister


Alice Koch


K. O. Götz


Rudolf Hartung


Gregor von Rezzori


Max Hölzer


Karl Schwedhelm


Hans Bender


Michael Guttenbrunner


Immanuel Weißglas


Tuvia Rübner


Ilana Shmueli


Elisabeth Axmann


Dagmar Nick


Gerhard Neumann


Joseph Kopf


Heinz-Albert Heindrichs


Hubert Fichte


Margot Ehrich


Ria Endres


Hans Weßlowski


Richard Dove


Reinhard Kiefer


Christoph Leisten


Frank Schablewski


Register

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Weitere Informationen zum Rimbaud Verlag und dem Verlagsprogramm finden Sie hier.


Den Artikel “Die Erfolgsgeschichte des Rimbaud Verlages” aus der Aachener Zeitung (2001) finden Sie hier.


Den Artikel “Im Abseits” aus der Aachener Zeitung (2006) finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2

Wunderbarer Wahn

“Die Gedichte dieses Bandes sind alle in meinem 88. und 89. Lebensjahr geschrieben worden. Wenn ich sie jetzt gesammelt sehe, fällt mir auf, wie verschiedenartig sie sind in Ton, Haltung, Aussage.” – Tuvia Rübner

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Klagebaum

In diesem Eden, in dieser Pracht


auglos


sprachlos


schattenlos


mit sechs löchrigen


vertrockneten Blättern


in Öde


gefräßiger Öde


steht


immer noch


mein langsam


gespaltener


Klagebaum

P 14

“… von der ungleichen Liebe zwischen einem promovierten West-Berliner Mittdreißiger und einem Ost-Berliner Jungen …”

– Munzinger Archiv, Ravensburg

“Eine der schönsten Liebesgeschichten, die die deutsche Literatur der letzten Jahre hervorgebracht hat … die Darstellung eines Frühlingserwachens, die dank einer gewissen bukolischen Heiterkeit in der zeitgenössischen Literatur ihresgleichen sucht.”

– Tilman Krause, Sender Freies Berlin

“So läßt sich der Roman auch als sensible poetische Topographie lesen, … eines Stromers, der Atmosphäre einzufangen weiß. Doch zugleich präsentiert Kröhnke … eine wohlkomponierte Romanze im Goldschnitt abendländischer Tradition.”

– Wilhelm Kühlmann, FAZ

“Kröhnke hält uns damit in Atem, daß er … uns zu Sympathisanten einer menschlichen Begegnung macht, der bei allem Außenseiterischen nie die Würde fehlt.”

– Martin Ripkens, Frankfurter Rundschau

“Ein Stück Zeitgeschichte, aber nicht so, wie sie einmal in Geschichtsbüchern vorzufinden sein wird.”

– Esther Bürki, Der Bund, Bern

Ein langes kurzes Leben

“Ich lebe in einem blutigen Land. Denke ich zurück, was schwierig ist – nie ist das, was war, das, was es jetzt gewesen zu sein den Anschein hat -, so dünkt mir, in jüngeren Jahren hätte ich diese Tatsache, ich meine den ersten Satz, einfacher akzeptiert, als ich es heute vermag.”

“Das ganze Leben ist ja nichts als Erinnerung. Das Licht eines Sternes, der vielleicht vor tausend Lichtjahren schon zerfallen ist. Selbst was wir Gegenwart nennen, ist Erinnerung, da alles Erlebte im Augenblick, wo es uns zu Bewusstsein kommt, wo wir es wissen, Erinnerung wird. Wirklichkeit ist, was wir nicht wissen.”


“Gräber besagen mir nichts. Sie sind leer. Die Toten leben unter uns, mit uns, wenn wir uns nicht vor ihnen versperren. Manchmal sehe ich sie in den Schatten in der Luft. Das ist seit einem Jahr ganz deutlich geworden. Sie verweilen nicht. Ich spreche sie nicht an und sie sprechen mich nicht an. Wir wissen schweigend voneinander, was zu wissen ist.”

Ernst Meister Jahrbuch 15. 2013 / 2014

Die Hörspiele

Ernst Meister hat dreizehn Hörspiele verfasst, die zwischen 1963 und 1975 von Radio Bremen und dem Süddeutschen Rundfunk ausgestrahlt worden sind und deren Texte in gedruckter Form vorliegen. Die dem ‹traditionellen Worthörspiel› zuzurechnenden Stücke, die alle eine im weitesten Sinne ‹Geschichte› erzählen, kreisen thematisch – in stärkerem Maße als die Gedichte des Dichters Ernst Meister – um alltägliche Begebenheiten und Begegnungen, um persönliche Erlebnisse und Erfahrungen.

LTB 086 – wieder hebe ich deinen blick auf

wieder hebe ich deinen /
blick auf /

worte im haar /
nimmt die erde die /
blumen zurück auch /

sie wird ertrinken

RTB 086 – Havarie

Ein aufgelaufenes Schiff kommt auf der Seite zum Liegen. Dieser nie willkommene Stillstand bietet den Aussichtspunkt zur Beobachtung, zum Schreiben, selbst wenn dieser weit unter der Wasseroberfläche zu liegen scheint.

Drei verschiedene Situationen eines Stillstands beschreiben die Geschichten in dem ersten Prosaband von Frank Schablewski.

Der Schriftsteller ist in Hannover geboren und aufgewachsen. Er studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf. Verschiedene Stipendien und Preise zeichnen sein literarisches Schaffen aus. Darüber hinaus arbeitet er mit Künstlern zusammen. Seine Texte zur Kunst bilden aus den Wortbedeutungen verschiedener Sprachen eine Theorie der Ästhetik. In jüngster Zeit beschäftigen sich zunehmend Komponisten mit seinem Werk.