L’encore aveugle. Der noch Blinde

Ins Leere gesprochen

Der hier vorgelegte Band bietet einen Querschnitt durch das lyrische Werk Alfred Margul-Sperbers (1898–1967) von den Anfängen der Wiener Gymnasiastenzeit bis zu seinen letzten in Bukarest – in der rumänischen Hauptstadt verbrachte der gebürtige Bukowiner 26 Jahre seines Lebens – geschriebenen Gedichten. Aufnahme fanden auch einige wenige Texte, in denen Sperber sich den didaktisch-operativen, ästhetisch-normativen und weltanschaulich-restriktiven Vorgaben des ‹sozialistischen Realismus› unterwarf. Sie sind zwar Ausdruck weitgehend fremdbestimmter Schreibweise und daher von strikt literatursoziologischem Interesse, können jedoch aus einer repräsentativen Auswahl nicht völlig ausgeklammert werden.

«Ich versuche es, mir zu sagen, daß der Platz in Ihrem Herzen, wo ich ein wenig befangen, ein wenig undankbar (wie Sie mich jetzt beurteilen dürften, weil ich so selten schreibe), aber immer glücklich stand, um Ihnen Gedichte zu lesen, noch unbesetzt ist und bleibt, bis wir uns wieder sehen.»

Paul Celan, Wien, 21. April 1948

«Berghaft und von innen stark war Dein Rücken, zu tragen die Notwendigkeiten der Stunde, die eigenen Verantwortungen im Wort, das Dir bei aller Kunst nicht mehr galt als das Leben, in dessen Namen Du es traumbedacht setztest. Berghaft und vom Urwitz gewölbt war Dein Rücken zu tragen die langsamen Gegebenheiten der Jahre […]. Von Mensch zu Mensch entscheiden sich die Dinge. Dein Vorhandensein, Deine Gedichte, Deine Nachdichtungen lebten uns diese Hoffnung vor. Wir wollen sie hüten.»

Oskar Pastior: Vertrauen
[Nachruf auf Alfred Margul-Sperber]
Neuer Weg, Bukarest, 7. Januar 1967

LTB 005 – Stein will fließen

Angelus Novus

Mein Gesicht ist in meinem Nacken. Vor meinen Augen


Trümmerhaufen, Trümmerhaufen.


Kleine Hoffnungen flogen fort, versengt,


fielen in die Finsternis.


Ich bin davongekommen.


Ich stieg auf.


Wurde wieder geboren


durchsichtig wie Rauch.

Die stumme Zeit


weht aus dem Baumgarten der Kindheit,


drängt mein hartnäckiges Herz,


breitet meine Flügel aus.


Nach hinten gestoßen, Kommendem entgegen.


Wann kommt, der mein Augenfeuer löschen soll.

(Nach der Übersetzung von Efrat Gal Ed und Christoph Meckel)

LTB 003 – verwundetes der sprache

Die späten Gedichte bezeugen in kargen Bildern die Schönheit einer kristallenen Wintersprache. Durch die Verleihung des Johann-Peter-Hebel-Preises im Jahre 1973 fand Kopfs lyrisches Schaffen zum ersten Mal breitere Anerkennung.

Paul Wühr Jahrbuch. 1998

Aus dem Inhalt:

Unveröffentlichte Texte

«Thomas Bernhard, In hora mortis. Otto Müller Verlag, Salzburg ;
30 S. kart. 3.95 DM» (1958) ;
«Wer kann mir sagen, wer Sheila ist?» (1964). Hörspiel ;
«Grüß Gott Herr Thoma» (1976). Gedicht ;
«Ob» (1998). Gedicht

Bremer Literaturpreis 1984

Helmut Heißenbüttel: Laudatio auf Paul Wühr

Fotogalerie

Widmungsgedichte

Franz Josef Czernin ;
Oskar Pastior ;
Gerhard Neumann ;
Klaus Voswinckel ;
Ursula Haas ;
Reinhard Kiefer ;
Frank Schablewski ;
Joachim Sartorius ;

70. Geburtstag

Jörg Drews ;
Michael Krüger ;
Sabine Kyora

Texte zum Werk

Jürgen Nelles ;
Walter Ruprechter

Kolloquien

Kolloquium zu Paul Wührs «Salve. Res publica poetica» (Passau, 3.–4. Juli 1997) ;
9. Colloquium mit Paul Wühr: 7.–14. September 1997 ;
10. Colloquium mit Paul Wühr: 5.–12. September 1998

Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

Lutz Hagestedt: Unterwegs in der Republik der Poesie

Mitgliederverzeichnis

Zuletzt erschienene Veröffentlichungen unserer Mitglieder

Der Doppelgänger II

 

 

Zwei Reden über Emil Schumacher

Aus der Vielzahl der Reden, die Werner Schmalenbach in Jahrzehnten über Emil Schumacher gehalten hat, sind hier die im Karl-Ernst-Osthaus-Museum und die in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen abgedruckt.

 

LTB 002 – Lang oder kurz ist die Zeit

LTB 009 – Ich ist ein wesen das verschwindet

EINES MUSS MAN BEDENKEN die


saurierforscher sind viel unterwegs


die urwelt steht ihnen offen


wie schön ist es in die tiefe zu gehen


zum stein mit dem sich die tiere


für immer verbinden

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Die erste Auflage dieses Bandes erschien unter dem Titel “schwärmerlatein oder küchenhebräisch. Ausgewählte Gedichte” im Jahre 2000 als Auswahl aus vier Gedichtbänden, vermehrt mit neuen Gedichten und umfasste zwei Jahrzehnte: “hofnarrenkorrespondenz” (1981); “am ortsende” (1984); “aus der messingstadt” (1990) und “liegenschaften am atlantik” (1997).

Die hier vorliegende zweite Ausgabe der „Ausgewählten Gedichte“ wurde von Herausgeber Jürgen Nelles völlig neu konzipiert, erweitert und mit einem Nachwort versehen.

LTB 001 – Aus den Briefen eines Königs

Abend

Am Abend, wenn die Dunkelheit /
betroffen an der Mauer lehnt, /
die Männer treten /
aus den Häusern. /
Wie späte Stallaternen knistern dann /
schwarzgelbe Glühdrahtbirnen. /
Der Männer Stimme ist /
johannisbraun. /
Im Mund der Mädchen /
Violinen sind, /
Musik /
wie dunkles Glas, /
darin ein Lied /
verbrannter Rosen.